Augenzeuge: „Die Sicherheitskräfte waren erstaunlich zurückhaltend“

ICHRI, 20. Februar 2011 – Wie ein studentischer Aktivist und Augenzeuge der Organisation International Campaign for Human Rights in Iran (ICHRI) heute berichtete, waren heute in Teheran trotz Regens zehntausende Demonstranten auf der Straße; die Präsenz der Sicherheitskräfte soll erheblich gewesen sein. Die Sicherheitskräfte setzten gelegentlich Tränengas ein und verhafteten Demonstranten. Der Augenzeuge beobachtete drei Verhaftungen. Sein Bericht:

„Ich ging am Vali-Asr-Platz los. Gegen 16 Uhr begannen die Leute, sich zu sammeln und bewegten sich in Richtung der Kreuzung Vali-Asr. Dort war eine dichte Menschenmenge, die auf den Gehwegen der Enghelab- und der Azadi-Straße Richtung Enghelab-Platz unterwegs war. Ich schätze, es waren 200 000 Menschen. Es waren so viele wie am 25. Bahman (14. Februar 2011), aber der Unterschied war, dass sie sich auf zwei Achsen verteilten – Enghelab und Azadi, und Vali Asr. Die Demonstranten bewegten sich größtenteils schweigen, außer, wenn sie von den Sicherheitskräften attackiert wurden. Mit ihrem Schweigen schienen die Leute erreichen zu wollen, dass es möglichst wenig Spannung und Gewalt gibt. Es wurden aber auch Parolen gerufen, vor allem Allah-o Akbar und Parolen gegen den obersten Führer. Aber die Leute haben kaum gesprochen, es war gefährlich, Aufmerksamkeit zu erregen.“

„Es gab viel Polizei. Ich weiß nicht – vielleicht 50 000 allein in Enghelab und Azadi. Viele waren auf den Straßen, die auf die Hauptstraße zuführen. Sie waren überall, aber sie wandten keine Gewalt an. Die meisten waren Basijis, sowohl uniformiert als auch in Zivil. Viele hatten Motorräder. Es gab auch Spezialeinheiten der Polizei, aber es waren wenige. Die ganze Stadt war buchstäblich in eine Militärbasis verwandelt worden. Ich glaube, dass (die Sicherheitskräfte) Fotos und Videos machten. Nicht einmal bei den schlimmsten Demonstrationen habe ich in Teheran so viele Sicherheitskräfte gesehen. Vielleicht nur am 30. Khordad 1388 (20. Juni 2009).“

„Ich habe keine nennenswerte Gewalt gesehen, aber irgendwo unterwegs habe ich Tränengas gerochen. Als wir in die Nähe vom Enghelab-Platz kamen, hörte ich etwas wie einen Schuss.“

„Es wirkte so, als hätten die Sicherheitskräfte Anweisung, sich nicht mit den Demonstranten einzulassen, solange keine Parolen gerufen wurden. Die Leute waren ruhig und lächelten, aber hin und wieder griffen sich die Sicherheitskräfte jemanden aus der Menge und verhafteten ihn. Manchmal benutzten sie ihre Schlagstöcke, aber nicht besonders brutal. Ich habe drei Verhaftungen gesehen.“

„Die Spezialeinheiten hatten eine neue Art (Schusswaffe) bei sich, ich habe nicht gesehen, wie sie sie benutzt haben, aber es schien eine Waffe für Gummigeschosse zu sein, anders als Paint Balls. Sie hielten sich wirklich auffallend zurück, völlig unerwartet und überraschend. Anscheinend wollte die Regierung die Situation ganz normal aussehen lassen und die Leute nicht noch mehr verärgern, als sie schon sind.“

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 20. Februar 2011
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2011/02/an-eye-witness-the-security-forces-were-out-in-significant-numbers/
Originaltitel: An Eye-Witness: „The Security Forces Were Out In Significant Numbers“

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2 Antworten zu “Augenzeuge: „Die Sicherheitskräfte waren erstaunlich zurückhaltend“

  1. Das Regime hat Gäste. Zahlreiche Gelehrte, Botschafter und Repräsentanten aus islamischen Ländern sind zur 24. Internationalen Konferenz „Islamische Einheit“ in Teheran zu Gast. Man kann nicht gegen Gewaltherrscher predigen und gleichzeitig Gewalt ausüben.
    Beginn 19. Februar, Dauer wahrscheinlich 1 Woche (Woche der „Islamischen Einheit“ weltweit).
    Die Chance, auf den Demonstrationen die Art Gewalt zu erfahren, die weltweit Medienaufmerksamkeit auf sich zieht, dürfte diese Woche gering sein.
    Leider haben die noch genug andere Arten drauf, ihre Bürger in Angst zu halten.

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