Streik in der Ölraffinerie Abadan

Rooz Online, 20. Februar 2011 (Übersetzung in Auszügen) – Ein Streik in der Ölraffinerie von Abadan ist kein unbedeutendes Ereignis. Diese Raffinerie ist die größte Benzinproduktionsstätte in Iran und gleichzeitig die älteste Ölraffinerie im Nahen Osten. Der Streik der dortigen Arbeiter im Jahre 1978 war wichtig für die Revolution von 1979, durch die die Monarchie zu Fall kam. 

Nun, im dritten Jahrzehnt eben dieser Revolution, erleben wir einen Streik der Arbeiter dieser Raffinerie in der dritten Phase des Ausbaus der Raffinerie. Der Streik begann am Montag, dem 25. Februar  [sic, gemeint sein muss der 14. Februar, d. Übers.] – dem Tag, für den die Führer der iranischen Grünen Bewegung die Öffentlichkeit zu einem Solidaritätsmarsch mit den Volksaufständen im Nahen Osten aufgerufen hatten, der sich dann in eine Demonstration gegen das iranische Regime wandelte, bei der mindestens zwei Menschen starben. Die Arbeiter sagen, dass sie seit sechs Monaten nicht mehr ausbezahlt wurden.

Berichten zufolge sollen Sicherheitsbeamte gegen die Streikenden vorgegangen sein, dennoch gehen das Sit-in und der Streik weiter. Die Arbeiter haben angekündigt, ihre Streiks noch mehrere Tage fortsetzen zu wollen, weil ihre Löhne nicht ausgezahlt werden können. In offiziellen Ankündigungen war seit 2009 immer wieder die Einführung der Einheiten für Phase III versprochen worden, dies ist aber bis heute nicht umgesetzt worden.

Der Ausbau der Raffinerie Abadan ist seit 2003 in Arbeit, doch erst im Jahre 2007 verkündete der damalige Geschäftsführer der iranischen „National Refining and Distribution Company“: „Mit der Umsetzung von Phase III der Verbesserungspläne für die Raffinerie Abadan werden etwa 20 Prozent des Benzinbedarfs des Landes gedeckt werden. Dadurch werden die Importe entsprechend sinken.“

Der Ausbau der Raffinerie sollte in drei Phasen erfolgen. Die erste Phase bestand in einem 100-Millionen-Dollar-Projekt, das im Jahre 2003 begann und nach zwei Jahren abgeschlossen war. Die zweite Phase wurde ein Jahr später vollendet.  […]

Bezüglich der 3. Phase erklärte der damalige Geschäftsführer Ali Reza Abhaji, es werde 87-Oktan-Benzin für den inländischen Gebrauch produziert. Die Finanzierung solle über den Verkauf von [„public“, leider unverständlich, d. Übers.] erfolgen. Die Finanzierung wurde seinen Angaben zufolge in kurzer Zeit abgeschlossen und war erfolgreich. Zuvor hatte Nureddin Shahnazi, Geschäftsführer der „National Refining and Distribution Company“, ebenfalls vom Verkauf von Aktien im Wert von 250 Millionen Dollar gesprochen, um das Expansionsprojekt zu finanzieren. Auch diese Aktion sei erfolgreich gewesen, der Wert der Aktien sei um 15 Prozent gestiegen.

Die dritte Phase sollte bis 2009 abgeschlossen sein, […] die Tagesproduktion sollte Abhaji zufolge auf über 16 Millionen Liter steigen. Abhaji hatte Optimismus verbreitet, als er sagte: „Der Bau von Phase III geht mit voller Geschwindigkeit voran und soll bis Ende des Jahres (2009) vollendet sein.“

Doch trotz des steigenden Benzinbedarfs im Land gingen die geplanten Einheiten der Phase III nicht wie geplant in Produktion.

Anstatt die Gründe für die Verspätung bei der Fertigstellung der Einheiten zu hinterfragen, lobten iranische Parlamentsabgeordnete das Projekt. Der Abgeordnete Abdollah Kaabi, Mitglied im Energieausschuss der Legislative, verkündete im Jahr 2010: „Als eine Maßnahme zur Bekämpfung der Feinde wird die Raffinerie Abadan zum Jahrestag der Revolution (also im Februar 2010) fertig gestellt werden. Dann wird der letzte Schritt zur Selbstversorgung mit Benzin erreicht sein. Wir erwarten, dass die Raffinerie am 11. Februar in Produktion geht.“

Tatsächlich waren es die Fertigstellung dieser Einheit in Abadan und die Raffinerien in Arak, die die Autarkie bringen sollten. Der derzeitige Geschäftsführer der Distribution Company, Zeighami, kündigte an, dass der Ausbau der Raffinerie im Februar dieses Jahres abgeschlossen sein würde.

Der iranische oberste Führer Ayatollah Khamenei hatte dies wohl im Hinterkopf, als er am 4. Februar bei einem Freitagsgebet in der Teheran-Universität sagte: „Nach mir vorliegenden Berichten wird die Selbstversorgung des Landes in der Benzinproduktion bis zum 11. Februar gesichert sein.“

Doch weder die Versprechungen der Offiziellen, noch die des Führers bewahrheiteten sich am 11. Februar. Berichten zufolge gibt es mit der letzten Phase des Projektes ernste Probleme, die eine genaue Vorhersage des Datums der Fertigstellung erschweren.

Einer der streikenden Raffineriearbeiter in Abadan erklärte gegenüber Rooz: „Mehr als 500 Arbeiter der Firma, die mit den Installationsarbeiten in der Raffinerie beauftragt ist, haben seit sechs Monaten keine Löhne mehr ausgezahlt bekommen. Dabei bekommen diese Arbeiter nur ein Drittel oder sogar nur ein Sechstel des Lohns, den ältere Arbeiter erhalten. Darum streiken sie. Von Seiten der Offiziellen der Raffinerie heißt es nur, dass die Probleme mit den Zahlungen beim Auftragnehmer liegen und dass die Raffinerie damit nichts zu tun hat.“

Ein anderer Streikender sagt: „Wir wissen nicht, wo wir uns beschweren können, damit wir auch gehört werden.“ Einer der Geschäftsführer der Auftragnehmer-Firma sagte gegenüber Rooz: „Die Ölgesellschaft hat im Jahre 2010 keinerlei Zahlungen an uns geleistet, mit denen wir die Forderungen der Arbeiter erfüllen könnten.“

Ardalan Sayami

Veröffentlicht bei Rooz Online am 20. Februar 2011
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news3/newsitem/archive/2011/february/20/article/strikes-begin-at-abadan-refinery.html

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