Fragen an den Staatsanwalt: Mehdi Mahmoudians Mutter

Norooz News, 7. Esfand 1389 (26. Februar 2011) – Die Mutter von Mehdi Mahmoudian, dem Journalisten und Mitglied der Islamischen Partizipationsfront, der seit einem Jahr in der Justizvollzugsanstalt von Teheran einsitzt, hat 12 Fragen an den Teheraner Staatsanwalt gestellt. Sie erklärt hierzu, dass sie diese Fragen lieber persönlich in einem Brief abgegeben hätte und außer den in diesem Brief aufgeführten Fragen noch weitere Fragen an den Staatsanwalt habe. Seine Angestellten hätten diesen Brief jedoch nicht entgegen genommen und gesagt, dass der Staatsanwalt den Brief nicht annehmen werde.

Mehdi Mahmoudian, der am 25. Shahrivar 1388 verhaftet wurde, ist zu 5 Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Ihm wird die Berichterstattung über die Greueltaten im Gefängnis Kahrizak angelastet, und es wird vermutet, dass diese Veröffentlichungen der Grund für den Druck und die vielfältigen Repressalien seitens des Regimes sein könnten.

Der gesamte Inhalt des Briefes von Mehdi Mahmoudians Mutter lautet wie folgt:

Sehr geehrter Herr Jafari Dolatabadi,
geehrter Herr Staatsanwalt von Teheran,
ich, Fatemeh Alvandi, bin die Mutter von Mehdi Mahmoudian, Ihrem Gefangenen, der seit 17 Monaten seine Haft ohne jegliche Pause und Hafturlaub im Gefängnis der Stadt absitzt. Als Mutter, als Ihre Landesgenossin und als Bürgerin der Islamischen Republik habe ich ein paar Fragen an Sie als Staatsanwalt, und ich hoffe dass Sie unter Berücksichtigung Ihrer Position und Verantwortung zu antworten wissen:

1. Herr Staatsanwalt, mein Sohn wird seit 9 Monaten in Abteilung 209 des Evin-Gefängnisses, davon 80 Tagen in Einzelhaft, festgehalten und unter schwersten Umständen seelisch und physisch gefoltert. Mehrmals wurde er zusammengeschlagen, damit er das sagt, was Sie hören wollen, wie ich Ihnen in meinen letzten Briefen geschildert hatte, die leider auch nicht berücksichtigt wurden. Sagen Sie mir, was für ein Verbrechen mein Sohn begangen hat, der Sohn dieser islamischen Generation. Warum muss er diese Tage in Gefängnis verbringen, wo ihm soviel Leid und Schmerz zugefügt wird?

2. Herr Staatsanwalt, die Wärter haben meinen Sohn wegen Nichteinhaltung der Regel, dass sie dort alle 6 Stunden auf die Toilette gehen dürfen, zusammengeschlagen und ihn gezwungen, sich bei Temperaturen von Null Grad (im Monat Dey 1388 [Januar/Februar]) 8 Stunden ohne Bekleidung im Außenbereich aufzuhalten, was zu einer schweren Erkältung und Lungenentzündung geführt hat, wodurch auch eine seiner Lungen zerstört wurde. Nachdem ich Ihnen hierüber mehrmals berichtet habe, habe ich an Sie als Staatsanwalt folgende Frage: Warum verteidigen Sie unsere geschädigten Rechte nicht? Sagen Sie mir, warum tun Sie meinem Sohn das an?

3. Herr Staatsanwalt, in der Zeit, in der mein Sohn in Abteilung 209 von Evin war, haben die Wärter mehrmals seine Frau angerufen und verlangt, dass sie ihre Morgengabe (Mehriye) einklagen muss, damit sich seine Haftzeit nicht noch mehr in die Länge zieht, was seine Frau abgelehnt hat. Sagen Sie mir,  nach welchem Gesetz, nach welchem Glauben und unter welchen Aspekten der Menschlichkeit ist so eine Methode akzeptabel? Und Sie als Staatsanwalt, warum haben Sie davon gehört, aber dennoch dazu geschwiegen?

4. Herr Staatsanwalt, die Verhörbeamten in Evin haben meinen Sohn mehrmals brutal zusammengeschlagen, die Spuren wurden durch ärztliche Untersuchungen schriftlich bestätigt. Er hat einen Gehirnschaden davongetragen und fällt manchmal in Ohnmacht, wofür keiner die Verantwortung übernehmen will. Sie als Staatsanwalt, sagen Sie mir einfach: WARUM?

5. Herr Staatsanwalt, die Verhörbeamten in Evin haben gesagt, dass seine Strafe 5 Jahre betragen wird, bevor er überhaupt vor Gericht gestellt wurde, und Ihre Mitarbeiter haben ihn dann auch zu 5 Jahren verurteilt, ohne auf seine Verteidigung einzugehen. Warum und wieso wissen die Verhörbeamten über die Höhe seiner Haftstrafe Bescheid, bevor er vor Gericht gestellt wird? Und warum geben Ihre Richter die gleiche Haftzeit, die die Verhörbeamten vorausgesagt haben?

6. Im Gerichtssaal wurde seinen Anwälten und ihren Verteidigungsgründen keine Beachtung geschenkt, und das Gericht hat das Urteil verhängt, das die Verhörbeamten verlangten. Sagen Sie mir: Warum ist es dazu gekommen, obwohl alle Verteidiger und Anwälte fest an Nichtverurteilung geglaubt haben?

7. Herr Staatsanwalt, mein Sohn hat eine 8 jährige Tochter namens Zeynab, die psychisch und seelisch unter der Abwesenheit ihres Vaters leidet und ständig fragt, warum ihr Vater verhaftet ist. Sie ist nun depressiv geworden. Wir haben leider keine Antworten auf ihre Fragen. Sie als Staatsanwalt, der vielleicht väterliche Gefühle empfinden kann, könnten Sie vielleicht unserer Enkelin eine Antwort auf die Frage geben, warum ihr Vater verhaftet worden ist?

8. Herr Staatsanwalt, im städtischen Gefängnis leidet mein Sohn seit einiger Zeit infolge der Folter an Herzbeschwerden, Lungenentzündung und Atemnot, was zur Aussetzung einer seinen Lungen geführt hat, außerdem an plötzlichen Ohnmachtsanfällen (den Mithäftlingen und deren Hilfe ist es zu verdanken, dass ihm bisher weiter nichts passiert ist). Die Ärzte haben in den letzten 3 Monaten dreimal bestätigt und verlangt, dass er außerhalb des Gefängnisses behandelt werden muss. Ein Spezialist hat auch bestätigt, dass erst durch eine Computertomografie festgestellt werden müsste, wie er zu behandeln sei. Dies ist seitdem nicht geschehen. Sie als Staatsanwalt, sagen Sie mir: WARUM?

9. Herr Staatsanwalt, letzte Woche bei unserem letzten Besuch im Gefängnis hat unser Sohn davon gesprochen, dass er nach einem plötzlichen Ohnmachtsanfall  in der städtischen Notaufnahme für ein paar Stunden unbeobachtet liegen gelassen und vernachlässigt wurde. Schließlich wurde ihm gesagt, dass die Ärzte auf dreimalige Anordnung des Staatsanwalts nicht weiter auf seine Behandlung eingehen sollten, was auch aus den Unterlagen der Klinik zu ersehen ist und bestätigt wurde. Sie als Staatsanwalt oder ein Vater oder ein angesehener Verantwortlicher in der Justiz des Landes, Sie müssen mir sagen, warum Sie so eine Anordnung erlassen haben, und ob dies mit Vernunft, ihrem islamischen Glauben und der Menschlichkeit vereinbar ist?

10. Herr Staatsanwalt, ich sagte Ihnen immer wieder, dass die Gesundheit meines Kindes im Gefahr ist und Sie persönlich für die Erhaltung des Lebens und der Gesundheit meines Sohnes Mehdi Mahmoudian verantwortlich sind. Da die notwendigen Einrichtungen bei Ihnen fehlen, habe ich immer wieder um Erlaubnis gebeten, mich persönlich darum kümmern zu dürfen, Sie haben es aber ignoriert. Warum, sagen Sie es uns!

11. Herr Staatsanwalt, um unser Recht von grausamen Menschen zu verlangen, sind wir gezwungen, zu Ihnen zu kommen, einige Ihrer Kollegen haben uns gegenüber sehr schlechtes unmenschliches Verhalten gezeigt, sie unterstellen uns, dass alles über unseren Sohn Gesagte eine Lüge sei. Sie wissen doch über alles Bescheid, Herr Staatsanwalt, aber warum und wie lange noch diese Geheimhaltung?

12) Herr Staatsanwalt, mein Kind ist ein Kind der Revolution. Warum erlaubt man sich solches Verhalten gegenüber Kindern der Revolution und ihren Familien? Bitte sagen Sie mir und seinem Vater: Warum?

Übersetzung aus dem Persischen: @Shary20
Editiert von Julias Blog
Quelle (Persisch): Norooz News

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