Augenzeuge vom 1. März: Sicherheitskräfte setzten bewaffnete 14 – 16jährige ein

"10. Esfand" (1. März)

ICHRI, 1. März 2011 – Ein Teilnehmer der Demonstrationen vom 1. März in Teheran hat der Organisation International Campaign for Human Rights in Iran (ICHRI) Einzelheiten über seine Erfahrungen mitgeteilt. Er berichtete von 14-16jährigen Jungen mit Polizeiausrüstung, die Tränengas und Luftdruckgewehre [? „BB-guns] einsetzten. Ferner berichtet er von zehntausenden Sicherheitskräften, angefangen von Zivilpolizisten über reguläre Polizei bis hin zu Kräften der Islamischen Revolutionsgarden.

„Der Protestmarsch sollte über eine sehr weite Strecke vom Osten in den Westen Teherans – vom Imam-Hosseini-Platz bis zum Azadi-Platz – führen und auch alle Straßen einschließen, die auf diese Strecke zuführen. Die Präsenz der Menschen war sehr sichtbar… die Regierungskräfte waren überall, und sie griffen alle Menschenansammlungen an“, so die verlässliche Quelle.

„Hunderttausende Demonstranten kamen heute in Teheran auf die Straße. Am Anfang, gegen 17 Uhr, versammelten sich die Leute in großen Gruppen auf den Gehwegen entlang der Strecke, ohne Parolen zu rufen. Als immer mehr Leute hinzustießen, begannen die Leute innerhalb der entlang der Straßen verstreuten Gruppen von mehreren Hunderten, Parolen zu rufen und traten auf die Straßen. Je nachdem, wie viele Sicherheitskräfte an der jeweiligen Stelle waren, erfolgten die Angriffe auf die [Demonstranten]. Entlang der Hauptstraßen beispielsweise waren viele Sicherheitskräfte vorhanden, und sobald die Menschen Parolen riefen, griffen sie sie mit Tränengas, Luftdruckpistolen etc. an und trieben sie auseinander.“

„Es sah so aus, als seien heute Kräfte aus vielen verschiedenen Städten in Teheran zusammengezogen worden. Die Anzahl der Sicherheitskräfte war riesig. In jeder Straße gab es mehrere Hundert, sie trugen Uniformen der Polizei, der Spezialeinheiten oder der Revolutionsgarden, aber die meisten von ihnen waren in Zivil. Ich würde sogar zu behaupten wagen, dass in ganz Teheran mehr als zehntausend Kräfte verschiedener Organisationen präsent waren.
An den meisten Stellen setzten sie Tränengas, Luftdruckwaffen, Paintball-Munition, Elektroschocker und Pfefferspray ein und schlugen die Menschen mit Schläuchen, um die Menge zu zerstreuen. Sie waren extrem gewalttätig in ihren Angriffen auf die Menschen.“

„Jede denkbare (militärische) Kraft außer der Armee war auf den Straßen. Basijis, Zivilagenten, Revolutionsgardisten, Polizei, Sondereinsatzkräfte, Bereitschaftspersonal und Sicherheitskräfte waren überall in allen Teheraner Straßen. In Teheran herrschte ein kriegsrechtsähnlicher Zustand.“

Auf die Frage, ob er Berichte über minderjährige Polizeikräfte bestätigen könne, sagte der Augenzeuge: „Absolut. Es gab jugendliche Basijis im Alter zwischen 14 und 16 Jahren, ausgerüstet mit Schlagstöcken, Luftdruckgewehren und Pfefferspray. Sie trugen schwarzgemusterte khakifarbene Tarnuniformen und waren sehr organisiert in verschiedenen Teilen Teherans aufgestellt.“

„Ich würde sagen, es waren am 1. März in den verschiedenen Stadteilen hunderttausende Menschen unterwegs. Verglichen mit dem 14. Februar schätze ich, dass an beiden Tagen ungefähr gleich viele Menschen auf den Straßen waren. Es gab aber zwei wichtige Unterschiede: Erstens formierten sich die Demonstrantengruppen erst nach 18 Uhr [also 1 Stunde nach dem offiziellen Beginn, d. Übers.]. Zweitens war es wegen der massiven Präsenz der Sicherheitskräfte in allen Haupt- und Seitenstraßen nur an sehr wenigen Stellen möglich, ohne Unterbrechung zu marschieren und Parolen zu rufen. Sobald sich die Leute sammelten und ihre Parolen riefen, wurden sie mit Schlagstöcken, Elektroschockern und Tränengas angegriffen, woraufhin die Menschen flüchteten und sich wieder zerstreuten. Die große Zahl der Sicherheitskräfte und ihre schnellen Attacken auf jegliche Menschenansammlung machte es außerdem unmöglich, Videos mit dem Handy aufzunehmen.“

„Bei allen sporadischen Menschenansammlungen waren hauptsächlich die Parolen ‚Tod dem Diktator‘, ‚Freiheit für Karroubi/Moussavi‘, ‚Ya Hossein, Mir Hossein‘, ‚Ya Mehdi, Sheikh Mehdi‘ und ‚Freiheit für alle politischen Gefangenen‘ zu hören. Die meisten Parolen richteten sich gegen die Verhaftung der Leitfiguren der Bewegung und forderten ihre Freilassung und die der anderen politischen Gefangenen.“

„In der gesamten Stadt wurden gestern [sic] hunderte Menschen verhaftet. Die meisten Verhaftungen erfolgten ‚blind‘, das heißt, die Sicherheitskräfte griffen Menschenansammlungen an und verhafteten jeden, den sie zu fassen kriegten, Männer, Frauen, Alte und Junge. Natürlich gab es auch einige wenige Fälle, in denen sie die Leute gezielt herausgriffen, um sie zu identifizieren und zu verhaften. Auf diese Weise wurde z. B. Fakhrolsadat Mohtashamipour (die Ehefrau des politischen Gefangenen Mostafa Tajzadeh) verhaftet. Wenn die Menschenmenge sich verdichtete, schossen sie in die Luft, um sie wieder auseinander zu treiben. Sie setzten immer wieder Tränengas, Luftdruckwaffen und Paintball-Geschosse gegen die Leute ein, vor allem auf dem Enghelab-Platz. Auf dem Vali-Asr-Platz feuerten sie aus kurzer Distanz mit Luftdruckgewehren auf die Leute, acht Personen wurden dabei ernstlich verletzt.“

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 1. März 2011
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2011/03/eyewitness-young-security-bb-guns/

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