Iranischer Geistlicher: Hausarrest soll Moussavi und Karroubi schützen

Ahmad Elmolhoda

Zamaaneh, 4. März 2011 – Der Leiter der Freitagsgebete in Mashhad hat den Oppositionsführern Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi Verrat vorgeworfen und vor den Gläubigen erklärt, der Hausarrest, unter dem sich die beiden [mit ihren Ehefrauen] befinden, diene ihrem eigenen Schutz.

Der Nachrichtenagentur ISNA zufolge sollen mit dem Hausarrest die Verbindungen zwischen den Oppositionsführern und den USA unterbunden werden. „Sie wurden unter Hausarrest gestellt, damit sie nicht länger als Sklaven und Diener der USA gekauft werden können“, so der erzkonservative Geistliche vor Gläubigen in Mashhad. „Dieser Hausarrest ist keine Gefangenschaft, sondern er  soll ihre Kommunikation mit den USA durchtrennen und ihr Leben schützen. Denn das Volk könnte sich erheben und sie in Stücke reißen. Oder die Monafeghin, die Szenarien konstruiert haben, um Märtyrer zu schaffen, könnten sie töten und dann als Märtyrer verehren.“Mit dem Ausdruck „Monafeghin“ bezeichnet das Establishment der Islamischen Republik die Exil-Dissidentengruppe der Volksmojahedin [MKO/MEK/PMOI]. Nach den jüngsten Protesten in Teheran hatten einige Offizielle den Tod zweier Demonstranten am 14. Februar als ein „Szenario der Monafeghin“ bezeichnet, mit dem „Märtyrer geschaffen werden sollen“.

Die Opposition hingegen geht davon aus, dass die beiden bei einer Demonstration am 14. Februar in Teheran getöteten Männer von Sicherheitskräften erschossen wurden.

Die Isolation der beiden Oppositionsführer und ihrer Ehefrauen, die mit einem kompletten Nachrichtenausfall über ihre Situation einhergeht, hat unter Oppositionellen große Besorgnis ausgelöst.

Auch die internationale Gemeinschaft, darunter die Regierungen der USA und Deutschlands, hat sich gegen die Inhaftierung der beiden Oppositionsführer ausgesprochen und die Islamische Republik aufgefordert, die beiden Ehepaare freizulassen.

Noch hat die Islamische Republik keine offiziellen Anschuldigungen gegen Moussavi und Karroubi erhoben, und ihre Inhaftierung – sei es ein Hausarrest oder, wie die Opposition behauptet, eine Inhaftierung in einem IRGC-Gefängnis – ist von keiner Behörde oder Instanz der Islamischen Republik offiziell verlautbart worden.

Der Leiter des Freitagsgebets in Mashhad verurteilte die Demonstrationen vom 14. Februar mit den Worten: „Sieben Stunden nach dem Rücktritt [des ägyptischen Ex-Präsidenten] Hosni Mubarak beauftragte Obama das Pressezentrum des Weißen Hauses, Moussavi und Karroubi zu veranlassen, zum Aufruhr am 14. Februar aufzurufen.“

„Verrat könnte kaum transparenter und klarer erfolgen als hier“, so Elmolhoda weiter. „Diese Leute [Moussavi und Karroubi] müssen vor Gericht gestellt werden.“

Während der iranischen oberste Führer Ayatollah Khamenei sich zu den Demonstrationen am 14. Februar weitgehend ausgeschwiegen hat, erklärte sein Spitzenberater für internationale Fragen Ali Akbar Velayati gegenüber der Nachrichtenagentur FARS: „Jetzt, nachdem die Aufrührer und vor allem diese beiden Personen [Moussavi und Karroubi] ihr wahres Wesen gezeigt haben, muss sich die Elite der Islamischen Republik klar positionieren.“

Dies lässt vermuten, dass eine Unterstützung für Moussavi und Karroubi trotz deren hervorgehobener Position in der Geschichte der Islamischen Republik in den oberen Sphären der Macht nicht länger geduldet wird.

Alle Iraner hätten „eine religiöse und nationale Pflicht, sich gegen jede Gefahr zu stellen, die die territoriale Integrität des Landes und des Regimes der Islamischen Republik bedroht“, so Velayati.

Das iranische Establishment wirft der Opposition Volksverhetzung und Verbindungen zum Ausland vor – Anschuldigungen, die die Opposition, deren  erklärtes Ziel eine vom Volk getragene Reform innerhalb des Rahmens der existierenden Verfassung ist, vehement zurückweist.

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 4. März 2011
Quelle (Englisch): http://radiozamaneh.com/english/content/iranian-cleric-says-house-arrest-mousavi-and-karroubi-protection

Eine Antwort zu “Iranischer Geistlicher: Hausarrest soll Moussavi und Karroubi schützen

  1. Günter Haberland

    Jetzt fällt’s mir wie Schuppen von den Augen: China schützt Liu Xiaobo auch nur vor dem Kontakt mit dem Nobelpreiskommittee! 😉

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