Iran, 8. März 2011: Genug Polizei, um Krieg zu führen

Rooz, 10. März 2011 – Auch am Internationalen Frauentag erlebte Teheran wieder scharfe Sicherheitsvorkehrungen. Bewaffnete Sicherheitskräfte, Zivilpolizei und Basij-Milizen positionierten sich auf den Hauptstraßen, um öffentliche Zusammenkünfte zu verhindern. Wie Rooz-Reporter in Teheran berichten, waren erstmals auch Polizistinnen auf den Straßen im Einsatz. Bislang waren weibliche Polizeikräfte nur zur Durchsetzung der islamischen Kleidervorschriften eingesetzt worden. Jetzt wurden sie erstmals hinzugezogen, um öffentliche Proteste zu zerschlagen.

Der Mohseni-Platz, die Amirabad-Kreuzung und der Platz, an dem Neda Agha Soltan nach der Präsidentschaftswahl von 2009 erschossen woden war, waren die zentralen Plätze, die die Gruppe der Trauernden Mütter und andere soziale Netzwerke für die öffentlichen Proteste vorgesehen hatten. Alle drei Stellen waren von Sicherheitskräften und bewaffneten Einsatzkräften blockiert.

Wie ein Rooz-Reporter aus Teheran meldete, waren die Amirabad-Kreuzung und die Kargar-Straße schon Stunden vor dem angekündigten Beginn der Demonstration von bewaffneten Kräften blockiert. Auch die Eingänge zum Laleh-Park waren geschlossen, niemand wurde hineingelassen.

Wie ein Zeuge gegenüber Rooz berichtete, waren auf den Straßen so viele Militär- und Sicherheitskräfte stationiert, dass man den Eindruck hatte, eine ganze Armee habe sich im Laleh-Park niedergelassen, die stark genug war, um einen Krieg zu führen. Wer gekommen war, um zu demonstrieren, hatte nicht einmal die Chance, irgendwo kurz stehen zu bleiben. Alle, die stehenblieben, wurden sofort festgenommen. Also mussten die Menschen ständig in Bewegung bleiben und konnten keine Parolen rufen. Eine junge Frau mit einem grünen Kopftuch [oder Schal], die versuchte, von der Fatemi-Straße auf die Kargar-Straße zu gelangen, wurde in der Nähe des Museums für zeitgenössische Kunst verhaftet und in einem Lieferwagen weggebracht.  Jeder war potenziell verdächtig und konnte verhaftet werden.

Die Situation in Amirabad war ähnlich.  Ein Zeuge berichtete, dass die Menschen immer in Bewegung bleiben mussten und nicht einmal stehen bleiben durften, um sich nach einer Mitfahrgelegenheit umzusehen. Der Ort, an dem Neda ermordet wurde, war vollständig abgesperrt, niemand konnte sich nähern.

Die Trauernden Mütter hatten angekündigt, sich dort versammeln zu wollen, aber die Polizei ließ sie nicht durch und begegnete jedem, der dorthin unterwegs war, mit Gewalt. Trotzdem gelang es den Müttern, in kleinen Gruppen zu gehen und schweigend Präsenz zu zeigen.

Ein Rooz-Reporter berichtete von einer merkwürdigen Atmosphäre am Mohseni-Platz. Die Sicherheitskräfte, die dort massenweise präsent waren, hatten alle Geschäfte und Einkaufszentren schon Stunden vorher geschlossen, damit niemand nach draußen geht. Sie hatten den Platz voll unter Kontrolle.

Es waren so viele Sicherheitskräfte auf der Straße, dass man nicht einmal an ihnen vorbei gehen konnte. Sie hatten den Eingang zum Platz für den Verkehr gesperrt, und nur wenige Fahrzeuge durften passieren. Dadurch entstand ein Stau bis zur Mirdamadi- bzw. zur Vali-Asr-Straße, aber der Platz war unter Kontrolle der Sicherheitskräfte und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Fereshteh Ghazi

Veröffentlicht bei Rooz Online am 10. März 2011
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news3/newsitem/archive/2011/march/10/article/enough-police-for-a-war.html

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