Mehrere Gefangene bei Gewaltausbruch in Ghezel Hesar getötet

RAHANA, 17. März 2011 – Bei Zusammenstößen im Gefängnis Ghezel Hesar sind vor wenigen Tagen mehrere Gefangene von Wächtern getötet worden. Die Gewalt brach aus, als Gefangene gegen die Haftbedingungen in dem Gefängnis protestierten. Am Dienstag Abend wurden in Abteilung 2 des Gefängnisses Ghezel Hesar in der Stadt Karaj mehrere protestierende Gefangene von Wächtern getötet und viele weitere verletzt. In Abteilung sind vorwiegend Gefangene untergebracht, die zum Tode verurteilt sind.

Das Büro für Gefängnisse und Sicherheit gab zu den Vorkommnissen folgende Erklärung ab: „In einer der Abteilungen des Gefängnisses unternahm eine Gruppe zum Tode verurteilter böswilliger Gefangener und Drogenhändler einen Fluchtversuch, bei dem es zu Störungen und Beschädigungen des Gefängnisses kam. Den Gefängnisbeamten gelang es mit der Unterstützung kooperierender Gefangener, den Fluchtversuch zu vereiteln.“

Berichte von Gefangenen in Ghezel Hesar besagen hingegen, dass die Gefangenen bei einem friedlichen Protest gegen die furchtbaren Haftbedingungen mit Gewalt angegriffen wurden.

In der Erklärung der Gefängnisbehörde heißt es weiter: „Bei dem Vorfall entzündeten mehrere Gefangene ein Feuer, zerstörten Bereiche des Gefängnisses und zerschlugen Scheiben. Bei den gewaltsamen Zusammenstößen attackierten mehrere Gefangene die Gefängniswächter und brachten diese in ernste Gefahr. Am Ende starben einige Gefangene, weitere wurden schwer verletzt. Einige Gefangene starben an ihren bei den Zusammenstößen erlittenen Verletzungen, andere an Rauchvergiftung.“

Mojtabah Saminejad, Leiter von RAHANA, der selbst 18 Monate in Ghezel Hesar und 6 Monate davon in Abteilung 2 verbracht hat, sagt dazu: „Ich glaube nicht, dass die Erklärung der Gefängnisbehörde die Vorkommnisse akkurat beschreibt. Abteilung 2 ist ein sehr kleiner Teil dieses großen Gefängnisses. Selbst wenn es einem Gefangenen gelingen würde, aus diesem Teil zu flüchten, wäre dies nur der Beginn seiner Reise, denn es gibt sehr viel mehr Hindernisse, die er bei einer Flucht überwinden müsste. Das macht ein Entkommen fast unmöglich.“

„Jede Abteilung in Ghezel Hesar besteht aus 7 – 12 Hallen. Abteilung 2 besteht aus 8 großen und kleineren Hallen, die allesamt vom übrigen Gefängnisbereich abgeschlossen sind.  Wenn es dort zu einem Brand kommt, wären die ersten, die gefährdet und verletzt würden, die Gefangenen selbst“, so Saminejad weiter.

„Im Gefängnis Ghezel Hesar sind alle Arten von Straftätern untergebracht, die Vergehen reichen von kleinen Verstößen bis hin zu schweren Verbrechen oder Drogenhandel. In Abteilung 2 sind hauptsächlich Todeskandidaten untergebracht, also Drogenhändler und gewalttätige Kriminelle. Viele von ihnen sind afghanische Staatsbürger, die zumeist wegen Mordes zum Tode verurteilt wurden.“

Bislang gibt es keine offiziellen Angaben darüber, wie viele Gefangene ums Leben kamen – trotz der Erklärung, die der Leiter der Gefängnisbehörde, Gholamhossein Esmaili, zu den Vorkommnissen abgegeben hat. Esmaili sprach von „Turbulenzen“, der Identifizierung der „Hauptschuldigen“ und die „Erstellung von Akten“ für die Beschuldigten.

Der Protest der Gefangenen in Ghezel Hesar richtete sich gegen die schlechten Haftbedingungen, die fehlende medizinische Versorgung und die Misshandlung durch die Gefängnisbeamten. Die Gefangenen werden von den Wächtern oft so heftig geschlagen, dass sie ernste Verletzungen davontragen.

Unter den politischen Gefangenen, die zur Zeit in Abteilung 3 von Ghezel Hesar einsitzen, sind u. a. Mohammad Pourabdollah, Massoud Aghai und Farzaneh [Nachname fehlt].

Veröffentlicht bei RAHANA am 17. März 2011
Quelle (Englisch): http://www.rahana.org/en/?p=10549

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