Todkranker Student verbringt das Neue Jahr zum 2. Mal im Gefängnis

Hamed Rouhinejad

ICHRI, 30. März 2011 – In einem Interview mit ICHRI sprach Hamed Rouhinejads Vater Mohammad Rouhinejad über die MS-Erkrankung seines Sohnes und die Tatsache, dass dieser seit zwei Jahren keinen Hafturlaub bekommen hat. „Ich habe ihn am 22. März [der 2. Tag des neuen iranischen Kalenderjahres, d. Übers.] persönlich besucht. Sein Zustand ist unverändert. Er ist stabil, weil er seine Injektionen bekommen hat. Aber er hatte keinerlei Energie oder Freude mehr. Innerhalb des Gefängnisses herrscht Gleichgültigkeit gegenüber Anlässen wie dem neuen Jahr. Man erlaubt uns nicht, unsere Gefangenen zu beschenken. Es war noch nie erlaubt, Waren ins Gefängnis zu bringen.“

„Den ersten Antrag [auf Hafturlaub zum iranischen Neujahr] habe ich bei den Behörden in Zanjan gestellt, dort sagte man mir, dass sie nicht zuständig seien und dass ich mich an die Teheraner Staatsanwaltschaft wenden soll. Ich bin also zum Büro von Herrn Dowlatabadi [der Teheraner Staatsanwalt, d. Übers.] gegangen. Aber es ist unmöglich, bei ihm einen Termin zu bekommen. Sein Sekretär hat meinen Brief entgegengenommen und gesagt, er würde ihn lesen und bei positivem Bescheid tätig werden. Aber als ich wieder nachfragte, sagten sie, dass Hamed bis auf Weiteres keinen Hafturlaub bekommt.“

„Manche Dinge sind vorhersehbar – man weiß vorher, ob ein Antrag genehmigt wird oder nicht. Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass politische Gefangene keinen Hafturlaub bekommen, darum habe ich nicht mit einer positiven Antwort gerechnet“, so Rouhinejad, der die Hoffnung auf Hafturlaub oder Freilassung seines Sohnes mittlerweile aufgegeben hat.

„Letzte Woche habe ich vier Injektionen für ihn hingebracht. Ich fahre immer von Teheran nach Zanjan und nehme seine Injektionen mit, damit seine Multiple Sklerose nicht akut wird. Der Zustand seiner Augen ist allerdings unverändert. Auf einem Auge sieht er nichts, auf dem anderen hat er noch 30% Sehkraft. Aber er kann seine täglichen Aufgaben erledigen. Dank der Medikamente ist sein Zustand derzeit stabil.“

Auf die Frage nach den Anträgen, die er an die Justizbehörden gestellt hat, sagte Rouhinejad: „Was kann ich sagen – ich bedanke mich bei der Gefängnisbehörde in Zanjan, weil sie mir geholfen haben. Mit Hilfe des Gefängnisleiters von Zanjan konnte ich eine Krankenkarte [„medical card“] für Hamed bekommen. Jetzt bringe ich ihm regelmäßig seine Medikamente. Die Gefängnisbeamten nehmen sie entgegen, und er bekommt regelmäßig seine Injektionen. Außerdem darf ich ihn zum Arzt bringen. Vor einem Monat war ich mit ihm beim Arzt, und Ende des Monats muss ich noch einmal mit ihm hin. Der Arzt meint, dass die Krankheit sich nicht verschlimmern wird, solange Hamed regelmäßig seine Injektionen bekommt.“

Auf die Frage, was Menschenrechtsorganisationen für seinen Sohn tun könnten, sagte Rouhinejad: „Ich weiß, dass Menschenrechtsaktivisten nicht helfen können, denn grundsätzlich hat niemand die Macht, etwas gegen (die Behörden) zu tun, es sei denn, die Behörden des iranischen Regimes hören auf, unsere Kinder ins Visier zu nehmen.“

Der 24jährige Hamed Rouhinejad studiert Philosophie an der Shahid-Beheshti-Universität. Er wurde am 3. Mai 2009 unter dem Vorwurf verhaftet, Aufstände angezettelt zu haben. Zunächst war er zum Tode, dann von einem Berufungsgericht zu 10 Jahren Haft in einem Gefängnis im Exil verurteilt worden. Er ist an Multipler Sklerose erkrankt und verbringt bereits das zweite Neujahrsfest im Gefängnis. Er ist stark geschwächt, und ihm droht der Verlust seiner Sehkraft.

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 30. März 2011
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2011/03/hamed-rouhinejad/

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