Anhaltende Proteste in Tabriz

Rooz Online, 6. April 2011 – Die Versammlung von Familien verhafteter politischer Aktivisten in der Provinz Aserbaidschan am 2. April (das iranische Frühlingsfest, an dem Familien traditionelle Picknicks im Freien veranstalten) endete in verbalen und physischen Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. Am nächsten Tag versammelten sich die Familien erneut; Stellungnahmen der Behörden zur Situation der Verhafteten gab es nicht.

Amnesty International hat sich unterdessen mit der Verhaftung von etwa 70 aserbaidschanischen Bürgern aus Tabriz und 20 weiteren Verhaftungen in Oroumiyeh befasst und die bedingungslose Freilassung der Verhafteten sowie Informationen über ihren Aufenthaltsort gefordert.

In Interviews mit Rooz Online gaben aserbaidschanische Aktivisten an, dass mit wachsenden Protesten gegen die sich verschlechternden Lebensbedingungen in den Städten der Provinz zu rechnen sei, wenn die iranische Regierung ihren derzeitigen Kurs beibehalte. Es sei zu erwarten, dass die Proteste über kurz oder lang auch politische Forderungen mit einschließen werden.

Keine Reaktion offizieller Stellen
Wie die Nachrichtenseite Aadaap (Association for Defending Azerbaijani Political Prisoners in Iran) berichtet, griffen Sicherheitskräfte Demonstranten an und gingen auf Personen los, die rote Kleidung oder rote Schilder trugen. Dabei wurden mehrere Demonstranten verhaftet oder und verletzt. Die Versammlungen auf dem Aserbaidschan-Platz in Tabriz und im Ellarbaaghi-Park in Oroumiyeh folgten einem Protestaufruf bürgerlicher Aktivisten und Umweltaktivisten in Aserbaidschan gegen den derzeitigen Zustand der Region um den Urmia-See.

Aserbaidschanischen Quellen zufolge befinden sich u. a. Saeed Khazarlou, Rasoul Razavi, Davood Shiri, Samad Karimi, Hassan Khoui, Habib Pourvali, Hossein Abdollahi, Hamed Hosseini, Jalil Alamdar Milani, Hojjat Mokhtarzadeh, Ali Salimi, Rahim Tarabnak, Ali Balandeh, Kazem Vaahedi, Saeed Siami, Ali Babapour und Elias Shokri unter den Verhafteten.

Auf Videoaufnahmen, die in sozialen Internet-Netzwerken verbreitet wurden, sind die Parolen der Demonstranten zu hören, u. a. „Der Urmia-See hat Durst“, „Der Tod des Urmia-Sees ist der Tod von ganz Aserbaidschan“, „Schützt den Urmia-See“, „Lang lebe Aserbaidschan“ und „Öffnet die Dämme, füllt den Urmia-See“.

Veröffentlichten Berichten zufolge ist der Wasserstand des Sees seit dem letzten Jahr um 27 cm gefallen. Kiyumars Kalantari, leitender Direktor der Umweltbehörde in Westaserbaidschan, hatte zuvor erklärt, dass sich das mit salzigem Sand bedeckte Ufergebiet infolge dieser Wasserstandsabsenkung verringert habe [sic]. Die Menge des Wasserzuflusses hab sich im Vergleich zu den Vorjahren um 1/5 Million Kubikmeter [sic] verringert.

Gleichzeitig hatten mehrere parlamentarische Vertreter der Region vor den Folgen einer möglichen Umweltkrise im Zusammenhang mit den Problemen am Urmia-See gewarnt. Javad Jahangirzadeh, Abgeordneter aus Oroumiyeh, hatte im Parlament erklärt: „Entweder erkennen die Offiziellen nicht, wie ernst die Lage ist, oder sie spielen mit den Menschen – denn eine Umstellung der Bewässerungssysteme in diesen beiden Provinzen wird mehr als 3000 Milliarden Toman (ca. 3 Millionen US-Dollar) kosten.“

„Wenn die Problematik des Urmia-Sees wie bisher nicht angegangen wird, wird der See sterben, und der gesamte Lebensraum wird Probleme bekommen, für deren Lösung man hunderte Milliarden Dollar neu wird investieren müssen. Die bis zu 10 Milliarden Tonnen Salz, die der Wind vom See aus in den Osten des Landes trägt, kann das Leben von 13 Millionen Menschen beeinträchtigen und sogar Folgen für das Leben in Teheran haben.“

Kaveh Ghoreishi

Veröffentlicht bei Rooz Online am 6. April 2011
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news3/newsitem/archive/2011/april/06/article/protests-continue-in-tabriz.html

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