Ehefrau des verstorbenen politischen Gefangenen Dokmehchi eingeschüchtert

Richter Salavati von Abteilung 15 des Revolutionsgerichts Teheran

ICHRI, 11. April 2011 – Noch immer gibt es keine offizielle Stellungnahme zur Ursache des Todes des politischen Gefangenen Hossein Dokmehchi. Vor 12 Tagen war seine Leiche an die Gerichtsmedizin übergeben worden. Domekhchis Ehefrau Maryam Alangi gab gegenüber ICHRI  an, dass sie nicht vorhabe, die Angelegenheit weiter zu verfolgen. „Keine Behörde oder Organisation hat sich offiziell zu (den Gründen für) den Tod meines Mannes geäußert“, so Alangi. „Wenn es eine Todesursache gab, kann nichts mehr bewiesen werden, denn er ist jetzt beerdigt. Ich werde der Sache nicht weiter nachgehen – was kann ich überhaupt tun? Was gibt es noch (herauszufinden)? Mit meinen Fragen werde ich nur mich und meinen einzigen Sohn in Schwierigkeiten bringen und noch mehr Probleme bekommen, als ich ohnehin schon habe. Neue Nachforschungen würden mich und meinen Sohn in Lebensgefahr bringen.“

Mohsen Dokmehchi war in der Nacht des 28. März im Gefängnis gestorben. Er hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs, und obwohl seine Ärzte bereits vor Monaten zu einer Spezialbehandlung mit Chemotherapie geraten hatten, war er erst in der Woche vor seinem Tode in ein Krankenhaus gebracht worden. Seine Mithäftlinge geben an, dass er in seinen letzten Lebensmonaten nicht mehr aufrecht im Bett sitzen konnte und während der letzten Tage seines Lebens nur noch mit Hilfe intravenöser Ernährung am Leben erhalten werden konnte.

Dokmehchi war im September 2009 verhaftet und von Richter Salavati in Abteilung 15 des Revolutionsgerichts zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er sollte seine Haftstrafe im Gefängnis Rajai Shahr absitzen. Ihm wurden „Unterstützung der Mojahedin-e Khalgh [Volksmojahedin/MKO] und „finanzielle Unterstützung von Familien politischer Gefangener“ zur Last gelegt.

Maryam Alangi hatte ihren Mann wenige Stunden vor seinem Tod im Krankenhaus zum letzten Mal gesehen. „Er fühlte sich nicht gut. Ich blieb eine halbe Stunde bei ihm und kümmerte mich um ihn. Er hatte wie üblich starke Schmerzen, und weil er nichts essen konnte, wurde er intravenös ernährt. Aber sein Zustand war nicht so [schlecht], dass man mit einem so schnellen Tod rechnen musste. Darum war ich völlig geschockt, als ich es erfuhr.“

„Niemand, weder die Soldaten noch der Arzt, haben mir gesagt, was meinem Mann zugestoßen ist und wie er starb. Ich weiß immer noch nicht, was geschehen ist. Vielleicht soll ich ja gar nichts wissen. Als ich unter Druck gesetzt wurde, weil ich eine Beerdigung für meinen Mann haben wollte, drohten sie mir, dass ich keine Gedenkfeier abhalten dürfe. Ich war mehrere Stunden in Haft. Sie haben mir sogar angedroht, einen Haftbefehl für mich zu erwirken. Ich habe beschlossen, nichts mehr zu unternehmen, um mein Leben und das meines kleinen Sohnes zu schützen. Ich lasse die Sache hinter mir.“

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 11. April 2011
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2011/04/no-announcement-prisoner-death/
Originaltitel: Deceased Political Prisoner’s Wife Will Not Pursue Cause of Death In Order to Avoid Threats

Eine Antwort zu “Ehefrau des verstorbenen politischen Gefangenen Dokmehchi eingeschüchtert

  1. Bauchspeicheldrüsenkrebs ist einer der fiesesten Krebsarten. Er wird oft erst sehr spät entdeckt. Wird er diagnostiziert, haben die Leute in der Regel nur noch wenige Monate zu leben.

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