Flüchtling aus Camp Ashraf: MKO verbietet Eheschließungen, Radio, Internet

Bewohner von Camp Ashraf demonstrieren einen Tag nach Zusammenstößen mit irakischem Militär vor Reportern (9. April)

RFE/RL, 21. April 2011 – Golnaz Esfandiari –  Das irakische Verteidigungsministerium hat mitgeteilt, dass mehrere Bewohner aus Camp Ashraf geflohen seien und das irakische Militär um Hilfe ersucht hätten.

In dem etwa 60 km von Baghdad und 100 km von der irakisch-iranischen Grenze entfernt liegenden Camp Ashraf leben ca. 3500 Mitglieder der iranischen Dissidentengruppe der Volksmojahedin (Mujahedin-e Khalq/MKO). Iran hat die Organisation verboten und betrachtet sie wie die USA als Terrororganisation. Irak hatte vor Kurzem verlautbaren lassen, das Camp müsse von irakischem Territorium verschwinden.

Vergangene Woche waren bei einer Razzia irakischer Streitkräfte 34 Campbewohner unter ungeklärten Umständen getötet worden. Die MKO sagt, dass die Opfer von irakischen Militärs getötet wurden, wohingegen die irakische Regierung die Auffassung vertritt, dass ca. 30 Menschen von Wachen im Camp erschossen wurden. Menschenrechtsgruppen und die Vereinten Nationen haben eine unabhängige Untersuchung der Todesfälle gefordert.

Amnesty International hat erklärt, auf den im Zusammenhang mit den Zusammenstößen vom 8. April von der MKO veröffentlichten Videoaufnahmen seien irakische Soldaten zu sehen, die wahllos in die Menge schießen und versuchen, Menschen mit Fahrzeugen zu überfahren.

Nach Angaben des irakischen Verteidigungsministeriums waren unter den entkommenen Campbewohnern drei MKO-Führer.

Am 19. April soll Muhammad al-Askari, Sprecher des Verteidigungsministeriums, bei einer Pressekonferenz in Bagdad gesagt haben, dass „drei Führungskräften der iranischen Volksmojahedin die Flucht aus Camp Ashraf gelungen“ sei. Er nannte „Hauptführerin Maryam Sinjari, Führer Abdul Latif Shardouri (Abdollatif Shadvari) und Führer Ibrat Kikhai“.

Letzte Woche führte ich ein Interview mit Shadvari. Er erzählte mir, er sei vor zwei Monaten aus Camp Ashraf geflohen und habe sich den irakischen Streitkräften gestellt. Einige der Campbewohner sollen seinen Angaben zufolge gegen ihren Willen im Camp festgehalten werden.

Ehemalige MKO-Mitglieder haben die Organisation als Kult beschrieben, in dem Zölibat und Märtyrertum kultiviert werden. Kinder sollen den Mitgliedern weggenommen werden, und die Mitglieder sollen mit psychologischen Methoden dazu gezwungen werden, gehorsam zu bleiben und Anordnungen zu befolgen.

Die MKO hat diese Behauptungen zurückgewiesen und die ehemaligen Mitglieder bezichtigt, Werkzeuge Teherans zu sein.

Shadvari, der aus Baghdad mit mir sprach, wo er angibt, in einem Hotel zu wohnen, erzählte mir, dass er der MKO im Alter von 15 Jahren beitrat. Es folgen Auszüge aus unserem Gespräch.

Persian Letters: Erzählen Sie uns bitte etwas über sich und darüber, wie sie dazu kamen, sich der Organisation der Volksmojahedin anzuschließen.

Abdollatif Shadvari: Ich heiße Abdollatif Shadvari, Ich komme aus Baluchistan. Ich gehöre der Organisation seit 25 Jahren an. Ich habe mich der MKO aus Pakistan angeschlossen, über einen Freund, der den Märtyrertod starb.

Ich hatte in den (letzten) 25 Jahren keinen Kontakt zu meiner Familie, weil es keine Möglichkeit dazu gab. Meine Familie dachte, ich sei tot. In der Organisation darf man weder Telefon, noch Handy oder Internet benutzen, selbst Radio hören ist verboten.

Während dieser 25 Jahre stand ich unter großem Druck, und ich beschloss, mich den irakischen Streitkräften auszuliefern. Dies habe ich vor zwei Monaten getan, und jetzt bin ich in einem Hotel. Ich habe Kontakt zum Roten Kreuz aufgenommen und auch mit der irakischen Regierung. Ich hoffe, dass ich in ein anderes Land werde reisen können.

Wissen Sie schon, welches Land das sein wird? Wie wird Ihre Situation dort sein?

Shadvari: Ich soll mit dem Roten Kreuz und mit den Vereinten Nationen darüber sprechen. Das Problem ist, dass (MKO-Chef Massoud) Rajavi immer wieder gesagt hat, dass jeder, der aus Ashraf fliehen will, mit Tod und Hinrichtung bestraft wird. Nicht nur ich, sondern auch viele andere meiner Freunde, die jetzt in Ashraf sind, haben keine Möglichkeit, das Camp zu verlassen. Flucht ist der einzige Weg.

Um von dort zu fliehen, benötigt man zwei oder drei Monate Vorbereitung. Ich habe viel darüber nachgedacht und meine Flucht geplant. (Die MKO-Führer) sagen uns ständig: „Ihr könnt nicht in ein (anderes) Land einreisen. Ashraf ist der einzige Ort, den ihr habt.“

Wollen Sie damit sagen, dass es Menschen in Ashraf gibt, die gegen ihren Willen dort festgehalten werden? Werden sie gezwungen, dort zu bleiben?

Shadvari: Ja, viele stehen unter Druck. Sie machen sich Sorgen um ihre Zukunft, sie wissen nicht, was mit ihnen geschehen wird. Ich rufe das Rote Kreuz und internationale Organisationen dazu auf, mit jedem einzelnen Campbewohner individuelle Gespräche zu führen. Dieses Problem muss gelöst werden, das Blutvergießen muss ein Ende haben.

Warum glauben Sie will die MKO die Menschen in Camp Ashraf festhalten? Warum lassen sie die, die gehen wollen, nicht gehen?

Shadvari: Das ist doch klar – wenn die Leute (aus Camp Ashraf) weggehen, wird die Organisation zerfallen, und es wird keine Volksmojahedin mehr geben.

Sind Sie verheiratet?

Shadvari: Nein. Ich war 15, als ich der Organisation beitrat. Jetzt bin ich 40.

Warum haben Sie nicht geheiratet? War das Ihre eigene Entscheidung?

Shadvari: In Camp Ashraf ist Heiraten verboten. Nicht nur das Heiraten ist verboten, es ist auch verboten, mit Frauen zu sprechen.

Golnaz Esfandiari

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 21. April 2011
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/persian_letters_camp_ashraf_escapee_says_mko_bans_marriage_radio_internet/9501036.html

Eine Antwort zu “Flüchtling aus Camp Ashraf: MKO verbietet Eheschließungen, Radio, Internet

  1. und schon wieder ein vevak sklave der lügen und nichts als lügen verbreitet.
    eine person, maryam sanjabi, ist nach dem brutalen angriff der irakischen söldner auf das camp ausgestiegen. die 2 weiteren personen sind schon vor monaten raus. die sind nicht abgehauen, sondern sind mit ihren privaten sachen in einer tüte gepackt aus dem camp raus. es gibt videos davon, die von der mois selbst veröffentlicht wurden.

    ich kenne persönlich mehr als 10 personen die mit ihren familien in camp ashraf in kontakt sind, seien es kinder, geschwister oder eltern.

    seit dem einmarsch der amerikaner in den irak sind ca 700 personen ausgestiegen. es fanden mehr als ein mal 4-augen gespräche zwischen dem roten kreuz und den bewohnern von camp ashraf statt. dieser clown tut jetzt so als wäre er ein held weil er abhauen konnte.

    dieser mensch hat sich verkauft und besudelt auch noch den namen derer die in camp ashraf den psychischen sowie physischen folter des iranischen geheimdienstministeriums ausgeliefert sind (blockade von medikamenten, 280 von vevak agenten installierte lautsprecher die das camp mit IRI propaganda dauerbeschallen).

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