Iranischer Schriftsteller mit Menschenrechtspreis ausgezeichnet

Houshang Asadi

Rooz, 28. April 2011 – Houshang Asadi wird für seine bemerkenswerten Memoiren „Briefe an meinen Folterer“ mit dem Internationalen Menschenrechtspreis 2011 ausgezeichnet. Das Buch wurde bei Oneworld Publications veröffentlicht.

Der Preis
Der Menschenrechtspreis wurde in Wien von der österreichischen Bücher- und Medienindustrie in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung, Kunst und Kultur ins Leben gerufen. Mit dem Preis werden Journalisten und Schriftsteller geehrt, die sich der Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen verschrieben haben. Der Preis wird für das Buch verliehen, das dieses Ziel nach Auffassung der Jury am eindrücklichsten verwirklicht.

Der Vorsitzende Prof. Johann P. Fritz, Direktor Emeritus am Internationalen Presse-Institut, wird von einem internationalen Panel profilierter Journalisten und Medienexperten unterstützt, darunter auch Vertreter aus der Schweiz, Pakistan und den Vereinigten Staaten. Houshang Asadis „Briefe an meinen Folterer“ wurde aus einer 19 Bücher umfassenden Shortlist als Gewinner ausgewählt.

Der „Buchliebling-Preis“ wird Houshang Asadi am Mittwoch, dem 1. Juni bei einer Büchergala im Wiener Rathaus verliehen.

Der Autor
Houshang Asadi wurde 1950 in Teheran geboren. Vor der Islamischen Revolution war er viele Jahre stellvertretender Herausgeber der größten iranischen Tageszeitung Kayhan. Danach war er 12 Jahre lang Chefherausgeber von GozareshFILM („Filmbericht“), dem größten Filmmagazin des Landes. Er ist Autor vieler Novellen, Theaterstücke und Filme und hat Werke von Autoren wie Gabriel Garcia Marquez und T.S. Eliot ins Persische übersetzt.

Im Jahre 1983, nach der Niederschlagung aller oppositionellen Parteien in Iran durch die Regierung, wurde Asadi verhaftet, mit verbundenen Augen in ein Auto ohne Kennzeichen gestoßen und mehr als zwei Jahre lang in Einzelhaft gehalten. Das Teheraner Gefängnis Moshtarek ist eines der berüchtigtsten des Landes. Asadi wurde brutal gefoltert und unmenschlich erniedrigt. Er war überzeugt, dass es sich um eine Verwechslung handelte, da er als Unterstützer der Islamischen Revolution in den 1970er Jahren eine überfüllte Zelle mit dem jetzigen obersten Führer der Islamischen Republik Ayatollah Khamenei geteilt hatte und ihn für einen engen Freund hielt.

Asadi wurde gezwungen, zu „gestehen“, für Russland und Großbritannien spioniert zu haben. Er wurde vor ein Scheingericht gestellt und entging nur knapp der Hinrichtung. Er wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt und nach 6 Jahren freigelassen. Nach seiner Flucht aus Iran leben Asadi und seine Frau heute im Exil in Paris, wo er die einflussreiche persische Nachrichtenseite Rooz Online gründete.

Das Buch „Briefe an meinen Folterer“ beschreibt detailliert die Ereignisse nach der Revolution von 1979. Houshang Asadi erzählt in erschreckender und doch packender Detailgenauigkeit vom Leben eines Gefangenen in einem der schlimmsten Gefängnisse Irans, vielleicht sogar der Welt.
Asadi wählte für sein Buch „Briefe an meinen Folterer“ die Form der Korrespondenz mit dem Folterer „Bruder Hamid“, um sich von dem Hass gegen ihn zu läutern. Es war für ihn extrem schmerzhaft, die furchtbaren Erlebnisse, die Auspeitschungen, die vielen Stunden, in denen er an den Fersen an der Decke aufgehängt war, wieder zu durchleben. Als Asadi mit dem Manuskript für „Briefe an meinen Folterer“ begann, waren die Erinnerungen für ihn so überwältigend, dass er einen Herzinfarkt erlitt.

Doch er war entschlossen, die Arbeit fortzusetzen. Als der erste Entwurf des Buches 2009 fertig wurde, befand Iran sich bereits wieder auf dem Weg ins politische Chaos.

„Auf dem Höhepunkt einer seiner Foltersitzungen fragte Bruder Hamid mich: Wenn die Dinge sich eines Tages ändern sollten und wir eure Gefangene werden, was werdet ihr mit uns machen? Meine Antwort lautete:  Wir werden alle berüchtigten Gefängnisse dieser Welt zerstören und die Geheimdienstbeamten und Verhörbeamten dazu verurteilen, in ihren Ruinen Blumen zu pflanzen und Liebeslieder zu singen. Die Scheinprozesse, die Folter und alle Arten erniedrigender und unmenschlicher Behandlung werden endlich der Vergangenheit angehören.“ – Houshang Asadi, März 2010, Paris.

Veröffentlicht bei http://www.roozonline.com/english/ am 28. April 2011
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news3/newsitem/archive/2011/april/28/article/human-rights-award-for-iranian-writer.html

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