Ahmadinejad beendet seinen „Boykott“ offizieller Termine

Zamaaneh, 1. Mai 2011 – In einem offensichtlichen Schritt der Kapitulation vor den Entscheidungen des obersten Führers hat Mahmoud Ahmadinejad nach zweiwöchiger Abwesenheit von allen offiziellen Terminen heute wieder an einer Sitzung seines Kabinetts teilgenommen.

Iranische Medien hatten zuvor berichtet, dass der Präsident nach einem neuntägigen Boykott all seiner offiziellen Aktivistäten heute den Vorsitz über eine Kabinettsitzung führen werde. IRNA berichtete unter Berufung auf eine informierte Quelle, dass die Nachmittagssitzung des Kabinetts von Ahmadinejad einberufen und geleitet werden würde.

Ahmadinejad nahm mit seinem Vizepräsidenten Mohammad Reza Rahimi und anderen Kabinettsmitgliedern an der Sitzung teil und soll auch an der im Anschluss stattfindenden Pressekonferenz teilnehmen.

Die zwischen Ayatollah Khamenei und Ahmadinejad in der letzten Zeit herrschenden Unstimmigkeiten waren ausgelöst worden, als Khamenei Ahmadinejads Entlassung von Geheimdienstminister Heydar Moslehi widerrufen hatte.

Moslehi soll angeblich wegen einiger Meinungsverschiedenheiten mit dem Stabschef des Präsidenten, Esfandiar Rahim Mashaei von Ahmadinejad zum Rücktritt bewegt worden sein.

Trotz wiederholter Kritik seitens konservativer Mitglieder des Parlaments und des Establishments hatte Ahmadinejad mehere offizielle Termine boykottiert und eine offizielle Reise in die heilige Stadt Qom abgesagt. Er soll sich über die Einmischung des obersten Führers in das Recht des Präsidenten auf Ernennung bzw. Entlassung seiner Minister verärgert geäußert haben.

Berichten über eine tiefe Kluft zwischen Ahmadinejad und Khamenei zum Trotz hatte die [regimetreue] Nachrichtenagentur Fars News am Samstag berichtet, dass eine Delegation konservativer Abgeordneter sich mit Ahmadinejad getroffen und später berichtet habe, der Präsident habe seine starke Loyalität gegenüber dem Führer und seinen Glauben an die Herrschaft des obersten Rechtsgelehrten (Velayat Faghih) zum Ausdruck gebracht, der laut Ahmadinejad stärker sei als je zuvor.

Das Prinzip der Velayat-e Faqih ist das Ideal der absoluten Herrschaft eines Experten und Geistlichen, der als „oberster Führer“ bezeichnet wird. Die Position wird derzeit von Ayatollah Khamenei besetzt.

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 1. Mai 2011
Quelle (Englisch): http://radiozamaneh.com/english/content/ahmadinejad-ends-boycott-official-duties

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Eine Antwort zu “Ahmadinejad beendet seinen „Boykott“ offizieller Termine

  1. Laut einer Analyse von B.Kalnoky und C. Wergin, die vor Kurzem in der „Welt am Sonntag“ veröffentlicht wurde, handelt es sich bei den Konflikten zwischen den Klerikern (Khatami) und den Technokraten (Ahmadenijad) in erster Linie um einen Kampf um wirtschaftliche Dominanz. Gegenwärtig stattfindenden Privatisierungen von ehemaligen iranischen Staatsunternehmen werden derart durchgeführt, dass es zu einer starken Machtverschiebung in Richtung der Ahmadenijad unterstützenden Basidj und Pasdaran kommt. Leider handelt es sich bei den Konflikt zwischen Ahmadenijad und den Klerikern in keiner Weise um Fragen von politischer Toleranz. In Bezug auf Menschenrechte sind beide Gruppierungen ähnlich intolerant und stur.

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