Bedingung für Freilassung: Nasrin Sotoudeh soll Fernsehinterview geben

Nasrin Sotoudeh, Reza Khandan

ICHRI, 3. Mai 2011 – Reza Khandan, der Ehemann der inhaftierten iranischen Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotoudeh, berichtete gegenüber ICHRI, dass seine Frau in einer sehr schlechten Verfassung ist und einen neuen Hungerstreik plant. Sicherheitskräfte hätten seiner Frau klar und deutlich gesagt, dass sie das Gefängnis nicht verlassen dürfe, solange sie kein Geständnis ablegt, so Khandan. Sotoudeh hat sich wiederholt geweigert, derartige Geständnisse abzulegen. Die Sicherheitskräften verhindern seit acht Monaten ihre Verlegung in die allgemeine Abteilung von Evin.

„Während eines Besuchs erzählte mir Frau Sotoudeh, dass sie wegen ihrer schlechten Haftbedingungen einen neuen Hungerstreik plant. Ich versuchte, sie davon abzubringen. Sie sagte, sie werde erneut in den Hungerstreik treten, wenn die Situation bis Juni anhält. Ich hoffe wirklich, dass dieser Fall nicht eintritt“, so Khandan.

„Sie hat vom ersten Tag ihrer Haft an angedeutet, dass sie zu Geständnissen gezwungen werden soll, aber ich glaube, es war erst im Januar oder Februar, dass ihre Befrager ihr sehr unmissverständlich klarmachten, dass sie das Gefängnis nicht verlassen wird, bevor sie ein ‚Interview‘ gegeben hat. Meine Frau hat ihnen ebenso klar deutlich gemacht, dass sie dies nicht tun wird.“

„Ich weiß nicht, warum sie so etwas sagen, denn meine Frau wird nicht einmal unter dem größten Druck nachgeben. Selbst wenn sie sie 100 Jahre im Gefängnis behalten, wird sie es nicht tun. Sie würde sich nicht nur weigern, sondern nicht einmal über so etwas wie ein Interview nachdenken. Sie hätte vor ihrer Verhaftung mit weitaus einfacheren Mitteln dafür sorgen können, dass sie nicht verhaftet wird“, so Khandan weiter.

„Sie haben etwa um [das iranische] Neujahr herum wieder darüber gesprochen. Als sie merkten, dass das zu nichts führt, sagten sie zu meiner Frau, sie solle es vergessen, es sei nicht ernst gemeint gewesen und man habe nur ihre Kooperativität prüfen wollen. Ihre Antwort war dieselbe wie vorher. Aber normalerweise können Gefangene solche Dinge nicht hinter sich lassen und vergessen. Selbst eine Stunde vor ihrer Freilassung können sie wieder damit ankommen“, erklärte Khandan die Versuche, seine Frau zu einem Fernsehinterview zu bewegen.

„Wirklich – selbst wenn sie sie für 2000 Jahre einsperren und physisch und psychisch unter Druck setzen würden, würde sie es trotzdem nicht tun. Ich sage nicht, dass das, was meine Frau tut, richtig ist; ich will damit nur sagen, dass es nicht ihrer Mentalität entspricht, so etwas zu tun. Vielleicht in der Zukunft, wenn man sie noch mal zu einem Fernsehinterview zu zwingen versucht, aber ich bin sicher, dass ihre Antwort immer negativ ausfallen wird.
Geständnisse haben nur dann eine Bedeutung, wenn jemand eine Straftat begangen hat. Sie aber wollen, dass sie Dinge gesteht, die sie nicht getan hat, und dass sie darüber spricht. So etwas ist kein Geständnis.“

Auf die Frage, ob Nasrin Sotoudeh körperlich misshandelt werde, sagte Khandan: „Sie hat nie etwas davon gesagt. Ich glaube, die schlimmste Folter ist es für sie, dass sie ihre Kinder nicht sehen kann. Als meine Frau zum ersten Mal verhaftet worden war, kam eine ihrer Freundinnen zu uns. Sie erzählte, dass sie einmal, als sie noch allein lebte, verhaftet und zu acht Jahren Haft verurteilt worden war und dass ihr das damals überhaupt nichts ausgemacht habe. Aber als sie vor ein paar Jahren, als sie schon zwei Kinder hatte, verhaftet und 20 Tage lang festgehalten wurde, dachte sie, sie würde alles auf der Welt dafür hergeben, um ihre Kinder nur eine Sekunde lang im Arm halten zu können. Meine Frau wartet seit acht Monaten auf diesen Moment. Sie können sich vorstellen, was für ein psychologischer Druck das ist.  Sie hat ihre Kinder nicht ein einziges Mal umarmen können, ohne dass Sicherheitskräfte dabei waren.“

„Bei den sieben oder acht Minuten dauernden Besuchen konnten die Kinder ihre Mutter nicht ein einziges Mal sehen, ohne dass Beamte anwesend waren. Ich weiß nicht, wie man so etwas nennt. Ich nenne es nicht Folter oder Druck, sollen andere dafür eine Bezeichnung finden. Vielleicht ist eine Mutter bereit, sich schlagen zu lassen, um ihre Kinder in einer entspannten Atmosphäre ohne Beamte in der Nähe sehen zu können, ohne dass die Taschen der Kinder durchsucht und ihre Haarspangen beschlagnahmt werden. Für eine Mutter gibt es nichts Schlimmeres“, sagte Khandan abschließend.

Veröffentlicht bei International Campaign for Human Rights in Iran am 3. Mai 2011
Quelle (Englisch): http://www.iranhumanrights.org/2011/05/sotoudeh-prison-leave-interview/

Zur Facebook-Seite für Nasrin Sotoudeh

2 Antworten zu “Bedingung für Freilassung: Nasrin Sotoudeh soll Fernsehinterview geben

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