Folter in Evin

RAHANA, 13. Mai 2011 – Der Journalist Saeid Pourhaydar hat in einem Brief an den obersten Führer Khamenei die Foltermethoden der Verhörbeamten im Evin-Gefängnis beschrieben.
Pourhaydar war nach der Präsidentschaftswahl von 2009 zwei Mal verhaftet und in den Abteilungen 240 (die dem Geheimdienst zugeordnet ist) und 350 inhaftiert. Er wurde vor Gericht gestellt und zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Die Strafe ist für fünf Jahre auf Bewährung ausgesetzt.
Es folgen Auszüge aus Pourhaydars Brief an Khamenei. Die vollständige persische Version ist bei RAHANA nachzulesen.

Pourhaydar erklärt Khamenei in seinem Brief, dass er während seiner Haftzeit andere politische Gefangene befragt und seine Interviews in 4 Notizbüchern mit je 100 Seiten festgehalten habe. Er habe vor, all seine Interviews mit politischen Gefangenen zu einem späteren Zeitpunkt zu veröffentlichen. In dem besagten Brief werde er nur einen kleinen Teil seiner Beobachtungen aus den Abteilungen 209 und 240 [sic] wiedergeben, so Pourhaydar.

Körperliche Foltermethoden:
In Abteilung 350 traf ich einen 25jährigen Mann, der in Abteilung 2A (Abteilung der Revolutionsgarden) über sechs Monate lang körperlich und psychisch gefoltert worden war, um ihm falsche Geständnisse abzupressen.
Verhörbeamte urinierten in sein Gesicht, er erhielt Peitschenhiebe auf die Fußsohlen und Schläge auf seine Hoden bis zur Bewusstlosigkeit. Auch Schlafentzug über lange Zeiträume gehörten dazu. Manchmal wurde er von mehreren Personen gleichzeitig verprügelt. Er erlitt einen Schädelbruch und einen Nasenbeinbruch.
Die schlimmste Folter, die dieser junge Mann erlebte, bestand darin, dass die Verhörbeamten eine Tube PVC-Leim in sein Rektum einführten und den fast getrockneten Leim später wieder herauszogen.
Dieser Mann ist noch immer im Gefängnis, und trotz dieser furchtbaren Folterungen hat er keine falschen Geständnisse abgelegt.

Ein anderer politischer Gefangener [„Green political prisoner“ – Anspielung auf die Protestbewegung nach der Präsidentschaftswahl 2009, d. Übers.] erzählte mir, dass er in einen Behälter mit kaltem Wasser geworfen und 10 Tage lang in einer Zelle mit einer Deckenhöhe von 1,20 m gehalten wurde. Außerdem musste er stundenlang nackt in der Kälte stehen, sein Kopf wurde in ein Toilettenbecken gestoßen, während die Spülung betätigt wurde, und er wurde unbekleidet verhört und sexuell belästigt. Diese Vorfälle ereigneten sich in der Sepah-Abteilung [2A]. Zur Zeit wartet er in Abteilung 350 auf seinen Prozess.

Pourhaydar beschreibt weitere Formen körperlicher Folter, die angewendet werden: Gefangene müssen nackt auf dem Boden sitzen, während die Befrager hinter ihnen stehen und sie mit Kabeln oder Schlagstöcken schlagen; Gefangene müssen über lange Zeiträume hinweg stehen, was in 2 Fällen dazu führte, dass die Gefangenen das Bewusstsein verloren.

Außerdem werden Gefangenen bewusstseinsverändernde Tabletten gegeben (etwas, was Pourhaydar selbst erlebt hat); Gefangene werden an Füßen oder Schultern aufgehängt, ihre Köpfe werden gegen Stuhllehnen geschlagen, sie erhalten Tritte in die Genitalien, müssen auf dem Bauch liegen, während zwei oder drei Personen auf ihrem Rücken stehen,  oder lange Zeit auf den Ellenbogen kriechen [? „crawl on their chest“].

Gefangene werden mit verbundenen Augen brutal geschlagen, viele haben ihr Gehör verloren.

Psychische Folter:
In der Sepah-Abteilung 2A werden Scheinhinrichtungen an Gefangenen durchgeführt. Ich sprach mit einem Gefangenen, der dies zwei Mal durchmachen musste.
Bei einer Scheinhinrichtung wird dem Gefangenen in Einzelhaft vor Sonnenaufgang mitgeteilt, dass leider seine Hinrichtungsanweisung ausgestellt wurde. Dann wird der Gefangene mit verbundenen Augen und in Handschellen in den Hof der Abteilung 2A geführt, wo er sich auf einen Hocker stellen muss und eine Schlinge umgelegt bekommt. Dann wird er aufgefordert, seine letzten Worte zu sprechen.
Ein Gefangener berichtete, dass er 30 Minuten lang so stehen musste, weil man angeblich noch auf den Gefängniswärter und den Gerichtsmediziner warten müsse. Als sich die Inszenierung vier Tage später wiederholte, stieß man den Hocker unter seinen Füßen zwar weg, aber das Seil war so lang, dass er auf dem Boden aufschlug, während die Verhörbeamten lachten und sagten, er habe Glück gehabt, dass das Seil so lang war.

Ein bekannter politischer Gefangener legte ein falsches Geständnis ab, nachdem er zwei Monate lang unter Druck gesetzt worden war. Seine Ehefrau und seine junge Tochter wurden in dem Glauben ins Gefängnis gebracht, dass sie den Gefangenen sehen würden, und in einen Raum mit einem verspiegelten Fenster geführt, durch das man nur in den Raum hinein- aber nicht heraussehen konnte.
Der Gefangene wurde in den angrenzenden Raum geführt, von wo aus er seine Frau und seine Tochter sehen konnte.  Dann wurde er gefragt, ob er bereit sei, das Geständnis abzulegen. Als er verneinte, telefonierte der Befrager kurz, und wenig später betraten zwei große Männer den Raum. Der Befrager erklärte dem Gefangenen, dass es sich um zwei verurteilte Mörder handele, die zum Tode verurteilt wurden. Sie seien schon lange in Haft und hätten lange keinen Kontakt mehr zu Frauen gehabt. Dann sagte der Befrager: „Entweder legst du dein Geständnis vor Gericht ab, oder wir sagen den beiden hier, dass sie loslegen sollen, während du zusiehst.“
Auf diese Weise wurde dieser bekannte politische Gefangene dazu gebracht, vor Gericht ein falsches Geständnis abzulegen.

Pourhaydar beendet seinen Brief mit der Aussage, als kürzlich freigelassener Journalist bezeuge er, dass die Grünen Gefangenen allen Folterungen und allem Druck zum Trotz nach wie vor stark und würdevoll standhalten.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle (Englisch): http://persianbanoo.wordpress.com/2011/05/15/torture-in-evin/
Original (Persisch): RAHANA
siehe dazu auch: https://englishtogerman.wordpress.com/2011/06/02/folter-in-evin-eigene-erlebnisse-und-interviews-eines-journalisten/

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Eine Antwort zu “Folter in Evin

  1. Homayoun Loghmanieh

    In regime akhundha ba inke je tedadi izashun zendanha va schekanjehaye regime shahe zahako shakhsan tajrobe kardand be che onvani mitunand dast be chenin jenayati bezanand?inha ruye un shahe khodkhahe jalado sefid kardand, kesi daghighan nemidune ke dar zamane shah Iran dar miane keshwarhaie ke hanuz hokme edam be ejra gozashte mishod dar radeye chandome jahan garar dasht? vali be nazare man hokme edam chand hezar dar sad balatar rafte.elate in kar kojast? agar nazaramo ejazeh dashte basham bayan konam:in ye virusieye ke 1400 sale be peykare iran vared shode va alan be sar hade nemovesh gharar gerefte,ya un momafagh mishe in peykare asib dide ro az pay dar biaware ja inke in peykar ye padzahr bar aleyhe in viruse siah tolid mikone va baraye hamishe az omghe in mordabe kohneye eckhtenagh dar miad.be omide anruz. ye Irane azad

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