Hinrichtungsurteil gegen kurdischen Gefangenen Habibollah Latifi in zweiter Instanz bestätigt

Habibollah Latifi

Rooz Online, 16. Mai 2011 – Wie Aktivisten in Interviews mit Rooz mitteilen, wurde das Todesurteil gegen den kurdischen politischen Gefangenen Habibollah Latifi von der höchsten juristischen Instanz des Landes bestätigt und wartet nun auf Vollstreckung. Angehörige Habibollah Latifis, die angesichts der zunehmenden Wahrscheinlichkeit seiner Hinrichtung vorsorglich verhaftet worden waren, sind zwar inzwischen wieder freigekommen, dürfen aber nicht mit den Medien über seine Situation sprechen. Latifis Schwester Elaheh Latifi berichtete im Gespräch mit Rooz jedoch, dass der Oberste Gerichtshof das Todesurteil bestätigt habe. Der kurdische Student Habibollah Latifi ist seit 2007 in Sanandaj inhaftiert. Er wurde wegen angeblicher Beteiligung an mehreren Bombenanschlägen in Kurdistan zum Tode verurteilt. Ursprünglich sollte er schon im vergangenen Winter hingerichtet werden, doch wie seine Anwälte mitteilten, wurde die Hinrichtung ausgesetzt, nachdem gegen das Urteil Berufung eingelegt worden war.

Im Gespräch mit Rooz beschreibt der Bürgerrechtsaktivist und Jurastudent Mokhtar Zarei, der sich intensiv mit Latifis Fall befasst hat, die momentane Situation des kurdischen politischen Gefangenen.

Rooz: Ist das Todesurteil endgültig? Sind noch andere juristische Schritte möglich?
Mokhtar Zarei: Im Moment ist der Gang des Falls durch die juristischen Instanzen erst einmal beendet, und das Urteil wartet auf Vollstreckung. Allerdings besitzt der oberste Führer der Islamischen Republik ein außergerichtliches Begnadigungsrecht, das er an die höchste juristische Instanz abgegeben hat. Daher besteht die einzige Möglichkeit jetzt darin, eine Begnadigung durch den Führer zu erwirken. Aus diesem Grunde haben viele von uns Bürgerrechtlern in enger Zusammenarbeit mit Einwohnern von Sanandaj und Habibollahs Anwälten ein Begnadigungsgesuch an das Büro des obersten Führers gestellt. Wir haben 1000 Unterschriften dafür gesammelt.

Rooz: Wie aussichtsreich ist ein solches Gesuch? Auf welcher rechtlichen Grundlage steht es?
Zarei: Aus rechtlicher Sicht gesprochen muss in jedem Prozess, in dem es um politische Anklagen geht, eine Jury anwesend sein, die auch das Urteil fällt. Trotz dieses klaren Mandats hat das iranische Justizsystem die Erfordernis einer Jury de facto abgeschafft. Als Jurastudent glaube ich, dass die Sammlung von Unterschriften – von Geistlichen, Studenten, Kaufleuten, Lehrern, Arbeitern und Bürgerrechtlern – ein neuartiges Instrument ist, mit dem man das Fehlen einer Jury vielleicht ausgleichen kann. Wir hoffen, dass der oberste Führer Latifi begnadigt.

Rooz: Halten Sie als Bürger- und Rechtsaktivist eine Begnadigung für möglich?
Zarei: Im Verlauf der Zeit und dieses Falls haben wir festgestellt, dass die Justizbeamten in Kurdistan nicht besonders erpicht darauf sind, Todesurteile zu vollstrecken. Das Regime selbst bemüht sich oft um Mittel und Wege, um Hinrichtungs- und Vergeltungsurteile (Ghesas) umzuwandeln. Darum hoffen, wir, dass der oberste Führer unser Gesuch bewilligt.
Zum Schluss möchte ich den Justizbeamten in Kurdistan und dem Provinzgouverneur für ihr Wohlwollen danken. Sie haben sich geweigert, das Urteil zu vollstrecken, obwohl es schon lange feststand. Im Namen der Bürgerrechtsaktivisten in Sanandaj möchte ich den Offiziellen in Kurdistan für ihre Bemühungen um eine Verzögerung von Habibollah Latifis Hinrichtung danken.

Kaveh Goreishi

Veröffentlicht bei Rooz Online am 16. Mai 2011
Quelle (Englisch): http://www.roozonline.com/english/news3/newsitem/archive/2011/may/16/article/latifi-awaiting-execution.html

Unterstützen Sie bitte die Eilaktion von Amnesty International für Habibollah Latifi und Shirko Moarefi vom 13. Mai 2011!

Hier kann man online einen Appellbrief an die UN und die europäischen Außenminister schicken

5 Antworten zu “Hinrichtungsurteil gegen kurdischen Gefangenen Habibollah Latifi in zweiter Instanz bestätigt

  1. EZ DEVLATA FAŞİST İRANI ŞERMEZAR DIKIM KAHR OLSUN FAŞİST İRAN DİKTATÖRLÜĞÜ

  2. Ez jî dipejirînem

  3. Pingback: Hinrichtungsurteil gegen kurdischen Gefangenen Habibollah Latifi in zweiter Instanz bestätigt « efendisizler

  4. Pingback: Hinrichtungsurteil gegen kurdischen Gefangenen Habibollah Latifi in zweiter Instanz bestätigt « Nics Bloghaus

  5. http://www.mohabatnews.com/index.php?option=com_content&view=article&id=661:the-beating-and-torture-of-a-new-christian-at-the-shahryar-detention-center&catid=36:iranian-christians&Itemid=279

    Due to severe physical injuries inflicted on this man, the security forces released him from detention on the condition that he would not seek any medical treatment from any doctor.

    According to oral and visual reports received by Iranian Christian News Agency (Mohabat News), a newly converted Christian man and an active member of a house-church was arrested by security forced and during his interrogation was severely beaten and tortured at the town of Shahryar’s detention center.

    Reports indicate that Mr. „Alireza Najafzadeh“ is a 23 years old man who is married and has a newborn child. He is a resident of the town of Shahryar, in the vicinity of the city of Karaj, and is a member of the local house-church of Karaj, which is about 25 km from tehran. During the months of September of this year he was arrested on the charge of Christian activism and was severely beaten and tortured physically and psychologically for 3 days.

    Witnesses from the town of Shahryar and Karaj who know this man indicate that Alireza is an honest and hardworking man who has a family and works hard to support them and spends his free times distributing Gospels to people of the area and assists those who have difficulties and need help.
    This young Christian man, who has taken refuge in a secure place outside of Iran, spoke to the Mohabat News reporter about his ordeal and painful experiences:

    „I had sensed that through my telephone number, which was used as a means of ordering Bible and offering social assistance to countless people in the community, I had been identified by the government security officers“

    „On the eve of September 26, 2010, as I was returning home from work, I noticed that my house was under surveillance by unidentified and plain-clothes men. Therefore, I decided not to return home and instead stay away for a while. Later, I used a public pay-phone and called my wife, who was in her last month of pregnancy, and asked her about the men outside of my house. She told me that the plain-clothes men had entered the house and had identified themselves as officers belonging to the Ministry of Information and had questioned her about my whereabouts“

    The security officers upon discovering that Alireza was not home locked his wife up in a room and began searching the house. They discovered several Christian books, including several Bibles, and other items of interest such a satellite dish. They collected all of the confiscated items and released his wife and told her that, if her husband called, she should inform him that the government officers have discovered evidence, collected from phone company , that connects him to illegal foreign Christian television networks and he should immediately call a certain telephone number and surrender himself to the authorities.

    The Arrest and…

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