Auch offene Küchen sind jetzt unislamisch

Wie kann sie es wagen...!

RFE/RL, 28. Mai 2011 – Die Liste der nach Maßgabe der Islamischen Republik Iran als unislamisch geltender Dinge und Verhaltensweisen ist jetzt um offene Küchen erweitert worden.  Wie der konservative Geistliche Ayatollah Javadi Amoli erklärte, können Hausbewohner in offenen Küchen nicht vor den Blicken ihrer Gäste geschützt werden.

„Auch wenn sie Gäste haben, müssen Frauen ihre Arbeit tun können, ohne von anderen beobachtet zu werden“, so Amoli bei einem Treffen der heiligen Stadt Qom, seiner Wirkungsstätte.

Irans Geistliche und Offizielle kommen immer wieder mit neuen Dingen, die ihrer Ansicht nach „unislamisch“ sind. Einige Dinge bzw. Verhaltensweisen sind offensichtlich unislamisch, so z. B. der Konsum von Alkohol, der im Islam verboten ist. Das Etikett „unislamisch“ mag dem Einen oder Anderen für Dinge wie z. B. offene Küchen seltsam oder zumindest realitätsfern vorkommen.

Das Halten eines Hundes gilt beispielsweise als unislamisch, obwohl viele Iraner einen Hund haben. Es gibt in Iran auch Menschen, die in der Öffentlichkeit enganliegende oder bunte Kleidung und Make-up tragen, was ebenfalls offiziell verpönt ist. Dasselbe gilt für modische Frisuren, was viele junge Männer aber nicht daran hindert, sie zu tragen.

Auch andere Verhaltensweisen und Aktivitäten gelten als unislamisch, was oft in unterschiedlichem Maße von dem abweicht, was die Menschen im wirklichen Leben so tun. Dazu gehört westliche Musik, das Tragen von Schlipsen, gemeinsame Aktivitäten von Menschen unterschiedlichen Geschlechts, Frauen als Zuschauerinnen in Fußballstadien, oder Werbung für Banken. Die Liste ist lang.

In der Praxis dient die Deklarierung „unislamisch“ oft nur dazu, persönliche Freiheiten einzuschränken und die Politik des Staates zu erleichtern.

In den vergangenen zwei Jahren wurden auch Geisteswissenschaften als angeblich unislamisch identifiziert. Diese Kampagne war offenbar Teil der staatlichen Repression gegen Universitäten, die sich zu Zentren des Protestes gegen die Regierung entwickelt hatten.

Der erzkonservative Geistliche Mesbah Yazdi erklärte letztes Jahr, die Geisteswissenschaften seien nicht nur unislamisch, sondern auch islamfeindlich. Hard-line cleric Mebah Yazdi said last year that social sciences are not just un-Islamic, but they’re against Islam. Absolventen geisteswissenschaftlicher Fächer, die sich mit Dingen wie Freiheit und Menschenrechten befassen, hätten mit großer Wahrscheinlichkeit keinen tiefen Glauben an islamische Grundsätze, so Yazdi.

Auch in politischen Auseinandersetzungen kann das Etikett „unislamisch“ von Nutzen sein. So warf der ehemalige iranische Außenminister Manouchehr Mottaki nach seiner Entlassung im vergangenen Jahr Präsident Mahmoud unislamisches Verhalten vor. „Einen Minister zu entlassen, während er im Ausland eine Mission erfüllt, ist unislamisch, undiplomatisch, verletzend und außerhalb der politischen Gepflogenheiten“, hatte Mottaki gesagt.

Hier gibt es Bilder von Verhaltensweisen bei Feiern, die von erzkonservativen Medien in Iran als unislamisch bezeichnet werden.

Golnaz Esfandiari

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 28. Mai 2011
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/in_iran_open_kitchens_now_unislamic_too/24208055.html

2 Antworten zu “Auch offene Küchen sind jetzt unislamisch

  1. Pingback: News vom 30. Mai 2011 « Arshama3's Blog

  2. Lachen ist auch unislamisch im Iran. Bei vielen offiziellen Gelegenheiten sieht man schwarzgekleidete Frauen im Chador, die darum demonstrativ eine tottraurige Miene zur Schau stellen.
    Und leben offenbar auch. Denn vielen Familien steht nur ein Raum zur Verfügung, ganz zu schweigen von denen, die draußen Brot backen und kochen.

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