12. Juni 2011: „Sie verhafteten junge schöne Frauen“

15. Juni 2009: Ein Basiji auf einem Dach in Teheran

RFE/RL, 14. Juni 2011 – Auf seinem Blog hat Mehdi Khazali seine Beobachtungen vom „Schweigemarsch“ der Opposition am 12. Juni festgehalten, der anlässlich des 2. Jahrestages der umstrittenenen Präsidentschaftswahl von 2009 in Teheran stattfand. Aus den Protesten nach der Wahl war damals die oppositionelle Grüne Bewegung geboren worden.

Oppositionelle Webseiten hatten berichtet, dass Dutzende Demonstranten verhaftet wurden.

Khazali, Sohn eines bekannten erzkonservativen Geistlichen, ist Anhänger der Opposition und Kritiker des iranischen Establishments. Bei der Niederschlagung der Proteste nach der Wahl von 2009 war er verhaftet worden.

Einige Auszüge aus Khazalis Blogeintrag:

Trotz der vorgeschriebenen Schließung der Geschäfte waren die Gehwege voller Menschen. Sie bewegten sich ruhig und schweigend. Die Straßen gehörten den (regierungtreuen Kräften) auf Motorrädern. Agenten in Zivil und Sicherheitskräfte mischten sich unter die Leute.

Ein Freund telefonierte mit dem Handy. Von seinem Gesprächspartner gefragt, wo er sei, antwortete er „Vali-Asr-Straße/Hemat-Brücke.“ Der Zivilagent neben ihm fragte ihn: „Fordern Sie etwa andere auf, hierher zu kommen?“ Er nahm ihn fest und brachte ihn zu einem Minibus. Wir gaben uns alle Mühe, zu beweisen, dass er nichts weiter damit gemeint hatte und nur eine Frage beantwortet hatte. Denkt also immer daran: Wenn eure Frau euch am Telefon fragt, wo ihr seid, geht zum Antworten irgendwo hin, wo keine Zivilagenten herumstehen.

Jedenfalls kam der unschuldige junge Mann durch Vermittlung eines Basijis wieder frei. Natürlich spielte sein Bart eine gewisse Rolle für seine Freilassung (Konservative und Basijis in Iran tragen Bärte). Er war der Zweite, der in den Minibus gebracht worden war. Innerhalb von zwei Minuten waren zwei unter der Hemat-Brücke stehende Minibusse voller (verhafteter) Menschen. Jetzt schätzt mal, wie viele Leute auf der Vali-Asr-Straße verhaftet wurden.

In den 10 Minuten, die wir bei den Basijis auf die Freilassung unseres Freundes warteten, wurden viele verhaftet. (Die Sicherheitskräfte) haben vor allem junge Frauen verhaftet. Ich versuchte, herauszufinden, nach welchen Gesichtspunkten sie bei der Verhaftung vorgingen, aber es gelang mir nicht. (Die Leute) gingen ganz ruhig und ohne Lärm zu machen ihrer Wege, und die Sicherheitskräfte pickten sich dann unvermittelt irgendjemanden aus der Menge heraus und brachten ihn zum Minibus.

Es kann sein, dass sie vor allem gutaussehende Leute verhafteten. Das ist kein Scherz. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass sie junge, schöne Frauen verhafteten. Vielleicht betrachteten sie sie als Kriegstrophäen.

Einem alten Mann wurde schwindlig, und er brach neben dem Bürgersteig zusammen. Ein junger Basiji ging lächelnd auf ihn zu, um ihm zu helfen. Sobald der alte Mann die Uniform des Basijis sah, sagte er: „Nein, es fehlt mir nichts, mir geht es gut.“ Der Basiji, der die Angst in den Augen des alten Mannes bemerkt hatte, trat beiseite, und ein junger Mann aus der Menge kam hinzu, half dem Mann auf und brachte ihn weg.

Golnaz Esfandiari

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 14. Juni 2011
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/iran_basij_silent_protests_detentions_tehran/24234316.html

Voller Wortlaut des Blogeintrags von Mehdi Khazali (englisch): http://persianbanoo.wordpress.com/2011/06/13/an-eye-witness-account-of-june-12-silent-protest-in-tehran-by-dr-mehdi-khazali/

Zum Blogeintrag (Persisch): http://www.drkhazali.com/index.php/1388-11-13-14-14-13/231-1388-11-13-13-52-05/1105—–22-.html

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