Schwieriger als eine Weltraummission: Die Islamisierung der Geisteswissenschaften

Mohammad Mehdinejad Nouri

Zamaaneh, 17. Juni 2011 – Nach den Worten des stellvertretenden iranischen Wissenschaftsministers ist es einfacher, einen Menschen in den Weltraum zu entsenden, als die Geisteswissenschaften in eine islamische Disziplin zu transformieren.

Der iranischen Nachrichtenagentur ISNA zufolge erklärte Mohammad Mehdinejad Nouri, Ayatollah Khamenei habe die Universitäten beauftragt, sich stärker am Islam zu orientieren und islamische Werte in die geisteswissenschaftlichen Fächer einfließen zu lassen.

Um dieses Ziel zu erreichen, sei die Unterstützung aller Gelehrten, Akademiker, Studenten und Geisteswissenschaftler erforderlich: „Wenn die Überzeugung, dass die Geisteswissenschaften islamisch werden müssen, die Professoren und Studenten nicht erreicht, wird es keine Bewegung geben“, erklärte er.

Alle Absolventen, Professoren und Gelehrten müssten sich „ernsthaft der Erforschung dieser Transformation der Geisteswissenschaften widmen.“

Mehdinejad Nouri hatte zuvor angekündigt, dass die Lehrinhalte von 36 Studiengängen bis zum kommenden September durch eine mit der Erforschung und Reformierung von Universitätscurricula beauftragte Gruppe  vollzogen sein würde.

Studenten und junge Iranerinnen und Iraner hatten bei den großangelegten Protesten nach der Präsidentschaftswahl von 2009 eine wichtige Rolle gespielt. Der oberste Führer Ayatollah Khamenei hatte [daraufhin] die hohe Zahl der Studenten beklagt, die geisteswissenschaftliche Fächer studieren und sie als eine der Wurzeln der Unruhen ausgemacht. Das Land verfüge nicht über ausreichend viele Professoren, die sich der islamischen Weltsicht verpflichtet fühlen, so dass die Millionen Studenten geisteswissenschaftlicher Disziplinen nicht erreicht werden könnten, so Khamenei damals.

Diese Verlautbarungen des obersten Führers lösten an den Universitäten eine Welle der Veränderung aus. Lehrpläne wurden geändert und die Reihen der Universitätsprofessoren und -dozenten politisch gesäubert.

Bei den Studiengängen, die sich die Regierung mit höchster Priorität vorgenommen hat, handelt es sich um Jura, Menschenrechte, Frauenstudien, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie, Massenkommunikation, Politologie, Philosophie, Psychiatrie [sic – m. W. ist Psychologie gemeint, d. Übers.], Betriebswirtschaftslehre und Kulturadministration.

Veröffentlicht bei Radio Zamaaneh am 17. Juni 2011
Quelle (Englisch): http://radiozamaneh.com/english/content/iranian-authorities-try-make-humanities-more-islamic
Originaltitel: Iranian authorities try to make humanities more Islamic

3 Antworten zu “Schwieriger als eine Weltraummission: Die Islamisierung der Geisteswissenschaften

  1. Bei den Nazis war es Kalkül, bei der Islamischen Republik Iran ist es eine Reaktion auf die sichtbar gewordene Ablehnung von islamischen Gedankengut, besonders der jungen Leute. Die Verzweiflung der Größenwahnsinnigen, die die Basis ihrer Macht verschwinden sehen.

  2. Pingback: News vom 18. Juni 2011 « Arshama3's Blog

  3. Günter Haberland

    Das kennen wir alles schon von den Nazis. Auch die wollten die Geisteswissenschaften in ihrem Sinne ideologisieren.

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