Hungerstreik im Gefängnis: Onlinekampagne im Ausland gestartet

Die beiden Oppositionellen Haleh Sahabi (l.) und Hoda Saber starben unter tragischen Umständen.

RFE/RL, 20. Juni 2011 – Das Mittel des Hungerstreiks ist für politische Gefangene in Iran eine der wenigen Protestmöglichkeiten – doch es ist gefährlich.

Seit dem 18. Juni befinden sich 12 bekannte politische Gefangene aus Protest gegen den Tod der beiden oppositionellen Aktivisten und politischen Gefangenen Haleh Sahabi und Hoda Saber in einem Hungerstreik.

Saber war vergangene Woche an einem Herzinfarkt gestorben, nachdem er aus Protest gegen den Tod seiner Mitaktivistin Haleh Sahabi beim Begräbnis ihres Vaters in einen Hungerstreik getreten war.

Auch Sahabi war an einem Herzinfarkt gestorben. Wie berichtet wurde, war es kurz vor ihrem Tod bei der Beerdigung ihres Vaters zu Handgreiflichkeiten von Sicherheitskräften gekommen, bei denen auch sie angegriffen worden war. Sie hatte aus Anlass der Beisetzung ihres kurz zuvor an einem Schlaganfall verstorbenen Vaters, des führenden Dissidenten Ezzatollah Sahabi, Hafturlaub erhalten.

Berichten zufolge sollen die Gefängnisbehörden Sabers Einlieferung ins Krankenhaus um mehrere Stunden hinausgezögert haben, obwohl er über Schmerzen in der Brust klagte.

64 politische Gefangene – Mitgefangene Hoda Sabers – hatten in einem offenen Brief angegeben, er sei in der Krankenstation des Evin-Gefängnisses, wohin er zunächst gebracht worden war, zusammengeschlagen worden.

Der Tod Sabers und Sahabis hat unter iranischen Aktivisten und Oppositionellen Empörung ausgelöst. Sie machen die Regierung für die Todesfälle verantwortlich und betrachten die beiden Opfer als Märtyrer.

Die Gefangenen, die jetzt im Hungerstreik sind, waren offenbar in derselben Abteilung untergebracht wie Saber und kannten auch Haleh Sahabi. Unter ihnen befinden sich der frühere Studentenführer Abdollah Momeni und der Journalist Mohammad Davari.

In einer of der oppositionellen Webseite Kalemeh  veröffentlichten Statement schreiben sie, ihr Hungerstreik sei ein Tribut an das Gedenken der „Märtyrer der Grünen Bewegung“.

„Unsere Nation hat im Kampf für Freiheit und für unser Land viele Opfer und Märtyrer hervorgebracht, aber die Grüne Bewegung war ein Wendepunkt“, heißt es in ihrer Erklärung. „Aus ihr gingen dutzende Märtyrer hervor, von  Neda bis Haleh und von Sohrab bis Hoda.“

Der Tod Hoda Sabers stelle eine „immense Herausforderung an die Legitimität“ des islamischen Establishments dar, das ihn ohne Anklageerhebung zehn Monate lang inhaftierte und sich nicht um seine Gesundheit kümmerte, nachdem er in einen 10tägigen Hungerstreik getreten war.

Aus Anlass des Hungerstreiks der 12 politischen Gefangenen ist eine Online- Kampagne von iranischen Aktivisten, Intellektuellen und Oppositionellen im Exil ins Leben gerufen worden. In Videobotschaften drängen sie die Hungerstreikenden, ihre Aktion abzubrechen, und werfen der iranischen Führung vor, für das Leid und den Tod Hoda Sabers und Haleh Sahabis verantwortlich zu sein.

In der folgenden Videobotschaft der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi sagt diese, es habe den Anschein, als wollten die iranischen Behörden Gefangene, die sich den Forderungen der Sicherheitskräfte im Gefängnis nicht beugen, vorsätzlich auslöschen.

„Die Forderungen der Hungerstreikenden sind legitim – sie wollen Gerechtigkeit, und sie verlangen, dass die wahren Mörder Haleh Sahabis und Hoda Sabers identifiziert und zur Verantwortung gezogen werden. Die Regierung muss diese Forderung erfüllen“, so Ebadi.

Auch der bekannte reformorientierte Geistliche Mohsen Kadivar hat eine Videobotschaft beigesteuert, in der er sagt, dass Leben und Ruf von Kritikern und Oppositionellen zum „billigsten Gut“ in der Islamischen Republik geworden seien. „Die iranischen Behörden haben deutlich gezeigt, dass das Leben von Oppositionellen in ihren Augen keinerlei Wert hat“, sagt Kadivar.

Der iranisch-kanadische Journalist Maziar Bahari, der nach der Präsidentschaftswahl von 2009 im Gefängnis saß, hat seine Botschaft auf Englisch verfasst.

Der bekannte iranische Karikaturist Mana Neyestani hat den Hungerstreikenden eine Zeichnung gewidmet.

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 20. Juni 2011
Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/iran_hunger_strikes_in_prison_online_campaign_outside/24241203.html

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