Zum Geburtstag von Hossein Ronaghi Maleki: „Das größte Geburtstagsgeschenk wäre seine Freilassung“

Hossein Ronaghi Maleki

RAHANA, 5. Juli 2011 – Der Blogger Hossein Ronaghi Maleki sitzt seit dem 13. Dezember 2009 ohne Haftunterbrechung im Gefängnis. Heute, am 5. Juli, wird er seinen zweiten Geburtstag in Folge hinter Gittern erleben. Obwohl er sich in Haft eine gefährliche Nierenerkrankung zugezogen hat, haben Justiz- und Sicherheitsbehörden ihm keinen Krankenurlaub gewährt.

Von Mojtabah Saminejad
Die Angehörigen dieses politischen Gefangenen haben in den letzten 18 Monaten für jeden 20minütigen Besuch bei ihrem Sohn lange Anreisen aus Melkan (in der Nähe von Tabriz) nach Teheran zurückgelegt.

Ahmad Ronaghi Maleki, der Vater des inhaftierten Bloggers, sprach mit RAHANA über seine große Sorge um die immer schlechter werdende Gesundheit seines Sohnes. „Für uns wäre das größte Geschenk zum Geburtstag unseres Sohnes seine Freilassung aus dem Gefängnis. Wegen seines schlechten Zustandes wünschen wir uns, dass Hossein zumindest Hafturlaub bekommt, damit wir uns um ihn kümmern können.“

Hossein Ronaghi Maleki wurde zusammen mit seinem Bruder Hassan Ronaghi-Maleki am 13. Dezember 2009 im Haus seines Vaters in Melkan in der Nähe von Tabriz verhaftet. Beide wurden in Abteilung 2A des Evin-Gefängnisses in Einzelhaft genommen. Diese Abteilung untersteht der Rechtssprechung der Revolutionsgarden und wird nicht von den Gefängnisbehörden beaufsichtigt. Hossein Ronaghi verbrachte fast 10 Monate in dieser Abteilung in Einzelzellen mit zwei oder drei Gefangenen. Während dieser Zeit wurde er von den Verhörbeamten unter starken Druck gesetzt, um ihn zum Ablegen falscher Geständnisse vor laufenden Fernsehkameras zu zwingen.

Nach diesen zehn Monaten „vorläufigen Gewahrsams“ wurde Hossein von Richter Pir Abbasi zu 10 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde später vom Berufungsgericht bestätigt.

Hossein Malekis Vater sprach mit mir über den schlechten körperlichen Zustand Hosseins kurz vor seinem zweiten Geburtstag hinter Gittern in Folge. Er hatte Hossein kurz zuvor wie schon so oft in Teheran besucht und sprach über seinen aktuellen Zustand.

„Heute durften wir Hossein nur in der Kabine sehen. Persönliche Besuche erlauben sie uns nicht. Als wir Hossein sahen, war sein Zustand nicht gut. Ich sehe, wie seine Gesundheit jede Woche immer schlechter wird. Sie geben ihm keinen Hafturlaub, und so sehr wir uns auch darum bemüht haben, konnten wir nichts erreichen.“

„Obwohl selbst die Gefängnisärzte festgestellt haben, dass Hossein von einem Spezialisten außerhalb des Gefängnisses behandelt werden muss, stellen sich die Offiziellen gegen eine vorübergehende Freilassung. Hossein muss in Anbetracht seines ernsten Zustandes unbedingt Krankenurlaub bekommen. Er wurde bisher zwei Mal operiert. Beim ersten Mal sagten die Chirurgen, dass seine eine Niere 80% ihrer Funktionsfähigkeit eingebüßt habe, die andere 20%. Letzten Monat kam er wieder ins Krankenhaus und musste nach 14 Tagen wieder ins Gefängnis. Sie hätten Hossein erlauben müssen, zur Genesung nach Hause zu kommen, aber stattdessen haben sie ihn ins Gefängnis zurückgebracht.“

„Nachdem Hossein wieder zurück im Gefängnis war, habe ich ein einem Brief erklärt, dass es keine Behandlungsmöglichkeiten mehr geben wird, wenn Hosseins Nieren sich wieder entzünden, und er wird sich nicht mehr erholen können. Dies ist von den Ärzten so bestätigt worden. Die Ärzte haben erklärt, dass es drei Monate dauern wird, bis die Schnitte in seine Nieren einen Effekt haben werden, und dass es für den Erfolg der Operation unabdingbar ist, dass Hossein in einer gut geeigneten Umgebung gepflegt wird und nahrhafte Ernährung bekommt. Hossein selbst hat ebenfalls Briefe an die Justizbehörden geschrieben, in denen er all das erklärt hat.“

Auf die Frage nach den Namen und Positionen der kontaktierten Personen und den Gründen für die Verweigerung eines Krankenurlaubs sagte Ahmad Ronaghi:

„Der Antrag auf Hafturlaub ist von dem für Hossein zuständigen Verhörbeamten, von Richter Pir Abbasi, dem Leiter von Abteilung 26 des Revolutionsgerichts, sowie seinem Büroleiter Satari abgelehnt worden. Als ich diese Personen noch einmal inständig bat, meinem Sohn Hafturlaub zu geben, antworteten sie mir, dass bei einer Freilassung Fluchtgefahr bestehe. Ich fragte sie, wohin Hossein denn gehen sollte – sein Leben ist hier, und er hat keinen anderen Ort, wo er hingehen könnte. Ich sagte ihnen, dass Hossein im Moment sehr krank ist und dass er unbedingt gepflegt werden muss. Dies ist unser Land, und Hossein hat keinen Grund, aus diesem Land zu fliehen. Ich glaube, das sind alles nur Vorwände der Offiziellen.
Letztes Jahr haben sie eine sehr hohe Kaution für einen Hafturlaub festgesetzt. Aber als wir dann einwilligten, das Geld aufzubringen, ließen sie Hossein trotzdem nicht raus. Ein anderes Mal hinterlegten wir eine Kaution von 330 Million Toman und erfüllten all ihre Forderungen, aber wieder gaben sie Hossein keinen Hafturlaub.“

„Wir haben auch die Staatsanwaltschaft und das Büro von Herrn Jafari Dowlatabadi aufgesucht. Wir haben unzählige Briefe geschickt, in denen wir darum baten, dass Hossein Hafturlaub bekommt.  Erst in den letzten Tagen waren wir wieder dort, um uns zu erkundigen, aber unsere Briefe wurden nicht beantwortet, und wir warten immer noch darauf, dass etwas geschieht.
In den nächsten Tagen werden wir noch einmal nach Teheran fahren, in der Hoffnung, dass wir Antworten bekommen.“

„Morgen ist sein Geburtstag, und das beste Geschenk, das man uns zu diesem Anlass machen kann, wäre seine Freilassung aus dem Gefängnis. In Anbetracht seines Zustandes möchten wir, dass Hossein zumindest Hafturlaub bekommt, damit wir uns um ihn kümmern können. Wir bitten die Gefängnis- und Justizbehörden inständig darum, Verständnis für seine schlimme Situation zu haben und ihm sein Recht auf Hafturlaub zu gewähren, damit Hossein unter Aufsicht gepflegt werden kann.
Die Justiz hat behauptet, dass Hossein aus Iran fliehen würde, wenn er aus dem Gefängnis herausgelassen wird. Aber das stimmt absolut nicht. Hossein liebt sein Land, und wenn ihm sein Recht auf ärztliche Behandlung zuerkannt wird, wird er nach seiner Heilung ins Gefängnis zurückkehren. Das Hauptproblem hier ist, dass die Gesundheit unseres Sohnes in großer Gefahr ist, und dass wir ihn zu Hause pflegen müssen. Alle Menschen haben die Pflicht, denen zu helfen, die krank und bedürftig sind. Das ist nicht nur ein Recht, das in unseren Gesetzen klar festgelegt ist – es ist auch eine humanitäre Frage.“

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle (Englisch): RAHANA, 5. Juli 2011
Persisch: http://www.rahana.org/archives/42308

Zur Internet-Seite für Hossein Ronaghi-Maleki

Zur Facebook-Gruppe für Hossein Ronaghi-Maleki

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2 Antworten zu “Zum Geburtstag von Hossein Ronaghi Maleki: „Das größte Geburtstagsgeschenk wäre seine Freilassung“

  1. „Free Hossein Ronaghi Maleki and All Ailing Political Prisoners“ http://www.gopetition.com/petitions/hossein-ronaghi-blogger-and-human-rights-activist.html

  2. Pingback: News vom 5. Juli 2011 « Arshama3's Blog

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