Angehörige: Tabarzadeh, Ronaghi Maleki und Sharifi sind in Lebensgefahr

Rooz, 10. Juli 2011 – In einem Interview mit Fereshteh Ghazi von Rooz Online haben Familienangehörige von drei politischen Gefangenen über deren sich immer mehr verschlechternde Gesundheit gesprochen.

Angehörige von Heshmatollah Tabarzadi, Hossein Ronaghi Maleki und Kamal Sharifi warnen, das Leben dieser drei politischen Gefangenen sei in Gefahr; man befürchte, dass es zu einem ähnlichen Desaster kommen könnte wie im Fall des in Haft verstorbenen Hoda Saber [Foto rechts].

Der nationalreligiöse Aktivist war infolge mangelnder medizinischer Versorgung während eines Hungerstreiks gestorben, mit dem er gegen den Tod der Mitaktivistin Haleh Sahabi protestierte, die während ihres Hafturlaubs bei der Trauerfeier für ihren Vater gestorben war. Saber ist nicht der einzige politische Gefangene, der infolge mangelnder medizinischer Versorgung in einem Gefängnis der Islamischen Republik gestorben ist. Auch Manouchehr Mohammadi, Heshmat Saran und Omidreza Mir Sivafi waren an den Folgen unzureichender medizinischer Versorgung im Gefängnis gestorben.

Heshmatollah Tabarzadi
In einem Interview mit Rooz Online berichtete Heshmatollah Tabarzadis Sohn, sein Vater leide an einer Herzerkrankung. Er bitte die internationalen Institutionen, nicht zuzulassen, dass sich in einem iranischen Gefängnis eine weitere Tragödie ereignet.

Tabarzadi, Generalsekretär der Demokratischen Front Irans, ist zu acht Jahren Gefängnis verurteilt und sitzt seit zwei Jahren in Haft. Ali Tabarzadi zufolge ist der Gesundheitszustand seines Vaters sehr schlecht. Selbst das EKG, das in der Klinik von Rajai Shahr [dem Gefängnis, in dem Tabarzadi einsitzt] angefertigt wurde, mache deutlich, dass er herzkrank sei. Der Grund für die Herzerkrankung sei „der extreme körperliche und psychische Stress im Gefängnis“.

„Telefonate sind zur Zeit für Gefangene in Rajai Shahr verboten, Besuche sind sehr kurz und die Besucher sind von den Gefangenen durch eine Glaswand getrennt. Mein Vater ist im Moment in einer Abteilung untergebracht, die sich im Keller des Gefängnisses Rajai Shahr befindet. Ständig hören wir furchtbare Geschichten darüber, wie Gefangene in dieser Abteilung verprügelt werden. Diese Geschichten vergrößern unsere Sorge noch mehr.“

Sein Vater halte seine Verhaftung und Inhaftierung für illegal und habe nicht vor, medizinisch begründeten Hafturlaub zu beantragen, solange er illegal im Gefängnis festgehalten wird, so Ali Tabarzadi.

Er habe erst vor zwei Tagen von der schlechten körperlichen Verfassung seines Vaters erfahren, aber es sei ihm noch nicht gelungen, Näheres in Erfahrung zu bringen, so Ali Tabarzadi weiter.“Telefonate sind verboten, die Behörden geben keine Antworten, und wir wissen nicht, in welchem Zustand mein Vater ist. Seine Anwälte wurden eingesperrt oder haben ihre Zulassung verloren. Seine Anwältin Nasrin Sotoudeh sitzt im Gefängnis, Pourfazl ist krank und Jahanbeglou darf nicht mehr als Anwalt arbeiten. Wir müssen neue Anwälte finden, um den Fall meines Vaters weiter voranbringen zu können.“

Hossein Ronaghi Maleki
Hossein Ronaghi Maleki ist ebenfalls in einem schlechten Gesundheitszustand. Seine Familie sagte gegenüber Rooz Online, sie habe Angst, ihren Sohn zu verlieren.

Der unter dem Pseudonym „Babak Khoramdin“ bekannt gewordene Blogger und Menschenrechtsaktivist Hossein Ronaghi war am 13. Dezember 2009 verhaftet worden. Er wurde wegen Mitgliedschaft in der Internet-Gruppe „Iran Proxy“, regimefeindlicher Propaganda und Beleidigung des Führers und des Präsidenten zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Sein Anwalt Mohammad Ali Dadkhah hat wiederholt erklärt, Hossein sei hochbegabt und gehöre nicht in ein Gefängnis.

Am 21. Juni 2011 wurde Hossein nach einer Nierenoperation entgegen dem Rat seiner Ärzte wieder ins Gefängnis zurückgebracht. Seine Mutter gab Rooz gegenüber an, sie habe aus dem Gefängnis einen Anruf erhalten, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass Hossein einen Anfall [Schlaganfall? „seizure“] erlitten habe. Sie habe aber nichts Näheres in Erfahrung bringen können.

Hosseins Vater Ahmad Ronaghi Maleki sagte gegenüber Rooz, die Familie habe keine weiteren Informationen über ihren Sohn. „Sie geben uns keine Antworten und unterbinden jeden Kontakt zu Hossein. Wir wissen nichts über seine jetzige Situation.“

„Die Behörden in Evin geben uns keine Antworten, die Staatsanwaltschaft gibt uns keine Antworten. Heute sind wir bei der Gerichtsmedizin gewesen, und dort sagte man uns, dass eine Anfrage des Richters oder der Staatsanwaltschaft erforderlich sei, eine solche sei aber bisher nicht erfolgt. Ich habe dann bei der Staatsanwaltschaft angerufen, und der Büroleiter sagte, der Staatsanwalt habe einen medizinisch begründeten Hafturlaub für Hossein abgelehnt“. Der Verhörbeamte seines Sohnes und auch der Büroleiter von Richter Pir Abbasi verweigerten Hossein einen medizinischen Hafturlaub, so der Vater weiter. Man habe die geforderte Kaution hinterlegt, aber Hossein sei trotzdem nicht freigelassen worden.

Am Mittwoch sei er bei der Staatsanwaltschaft gewesen und habe diese über Hosseins [Schlag-]Anfall unterrichtet. Ihm sei mitgeteilt worden, dass ein Ärzteteam zu Hossein geschickt worden sei, um ihn zu untersuchen; es gehe ihm gut und es gebe keinen Anlass zur Sorge. „Aber wir glauben ihnen nicht“, so Ahmad Ronaghi. „Wenn es Hossein gut geht, warum lassen sie uns dann nicht mit ihm sprechen? Hosseins beide Nieren sind geschädigt. Er hatte zwei Operationen, und die Ärzte haben ihm medizinischen Hafturlaub verordnet. Er hat beim Urinieren brennende Schmerzen und eine 17-mm-Gallenstein. Er muss behandelt werden, und Haufturlaub aus medizinischen Gründen ist sein gesetzlich verankertes Recht.“

„Sie verweigern ihm seine Rechte, und wenn wir in Interviews über seine Situation sprechen, setzen sie Hossein noch mehr unter Druck. Was können wir tun? Haben wir irgendeine Alternative? Ich habe Angst, dass mein Sohn sterben muss, und niemanden scheint das zu stören.“

Sein Sohn müsse ärztlich behandelt werden, so Ronaghi. „Aber im Moment drängen wir nur darauf, dass er uns anrufen darf, damit wir seine Stimme hören und zumindest wissen, dass er am Leben ist.“

„Wir halten diese Sorge nicht mehr länger aus. Was für ein Gesetz ist das? Was für ein islamisches System ist das? Wir machen uns ungeheure Sorgen. Wir beten, dass das, was Hoda Saber zugestoßen ist, nicht auch anderen Gefangenen oder unserem Sohn widerfährt.“

Kamal Sharifi weiter im Hungerstreik
Auch die Familie des kurdischen Gefangenen Kamal Sharifi ist in großer Sorge um dessen Zustand. Nach Angaben der Familie setzt er seinen Hungerstreik im Gefängnis von Minab weiter fort.

Der Journalist und politische Aktivist Kamal Sharifi ist seit nunmehr vier Jahren im Gefängnis. Vom Revolutionsgericht Saghes wurde er zu 30 Jahren Haft verurteilt. Kamal Sharifis Vater Bayazid Sharifi sagte gegenüber Rooz, er habe keinerlei Informationen über den derzeitigen Status seines Sohnes. Er habe aus den Medien von seinem Hungerstreik erfahren. Als er beim Geheimdienstministerium vorsprechen wollte, wurde er nicht vorgelassen. Von der Staatsanwaltschaft bekam er keine Antworten auf seine Nachfragen.

Er sei zum Büro des für den Fall seines Sohnes zuständigen Richters gegangen und habe darum gebeten, seinen Sohn wenigstens fünf Minuten lang besuchen zu dürfen, „damit wir ihn von seinem Hungerstreik abbringen können“. Der Richter habe ihm entgegnet, er solle seinen Sohn sterben lassen. „Was können wir tun? Sie geben uns keine Antworten. Wir wissen nicht, wie es meinem Sohn jetzt geht.“

Das einzige, was er wisse, sei, dass sich sein Sohn immer noch im Hungerstreik befinde und in die Gefängnisklinik gebracht worden sei. „Wir wissen nicht, ob er in Einzelhaft ist oder in der Klinik, wir wissen nichts über seinen körperlichen Zustand.“

„Niemand gibt uns Antworten. Wir sind sogar zum Repräsentanten des Führers [Khamenei] in Saghez gegangen, um ihn um Hilfe zu bitten. Wir wurden nicht vorgelassen, aber sie nahmen einen Brief von uns an und sagten, sie würden sich um die Sache kümmern, aber wir haben bis jetzt nichts von ihnen gehört.“

„Wir machen uns furchtbare Sorgen. Meine Frau weint die ganze Zeit und ist in sehr schlechter emotionaler Verfassung. Ich weiß nicht, was wir sonst machen sollen. An wen können wir uns wenden? Wir möchten nur ein paar Minuten mit unserem Sohn verbringen, um ihn dazu zu bringen, dass er seinen Hungerstreik beendet.“

Er habe seinen Sohn zum letzten Mal vor drei Jahren gesehen. Seit seiner Verhaftung vor vier Jahren habe die Familie ihn nur ein Mal vor dem Gefängnis gesehen, als er aus Sanandaj nach Saghez verlegt wurde.

„Welches Verbrechen haben wir begangen? Mein Sohn ist Journalist. Was hat er getan, dass man uns so behandelt? Wer wird zur Rechenschaft gezogen, wenn meinem Sohn irgendetwas zustößt?“

Sharifi gab gegenüber Rooz an, dass sein Sohn zu 30 Jahren Gefängnis im Exil und einem für die gesamte Haftzeit geltenden Besuchsverbot verurteilt sei. Er dürfe ein Mal pro Woche telefonieren, aber seit über einem Monat habe die Familie nichts mehr von ihm gehört. Alles, was sie wüssten, sei, dass Kamal vor etwa 39 Tagen einen Hungerstreik begonnen habe, um dagegen zu protestieren, dass er gemeinsam mit Schwerstkriminellen untergebracht sei. Er sei bei schlechter Gesundheit, und es gehe ihm schlecht.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Persian Banoo, 10. Juli 2011
Persisches Original: Rooz Online, 10. Juli 2011

5 Antworten zu “Angehörige: Tabarzadeh, Ronaghi Maleki und Sharifi sind in Lebensgefahr

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