Inhaftierter Journalist: „Irans Gefangene sind zum langsamen Sterben verdammt“

Issa Saharkhiz

Zamaaneh, 12. Juli 2011 – In einem drängenden Appell an den UN-Menschenrechtsberichterstatter für Iran schreibt der inhaftierte iranische Journalist Issa Saharkhiz, die iranischen Behörden beabsichtigten, politische Gefangene mittels harter Haftbedingungen langsam zu töten. „Was jetzt in den Gefängnissen der Islamischen Republik passiert, ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und steht Stalins unmenschlicher Behandlung von Gefangenen in den sibirischen Arbeitslagern in nichts nach“, schreibt Saharkhiz an den UN-Menschenrechtsberichterstatter für Iran, Ahmad Shaheed.

Der Brief wurde auf der Webseite des Sohnes von Issa Saharkhiz, Mehdi Saharkhiz, veröffentlicht.

Die politischen Gefangenen seien nicht die einzigen Ziele dieser Politik, und die Situation regulärer Gefangener sei „nicht weniger desaströs“, fährt Saharkhiz fort. Ziel der iranischen Behörden sei es, „protestierende Gefangene still und allmählich zu töten“.

Mit Bezug auf den Tod der beiden politischen Gefangenen Hoda Saber und Mohsen Dokmehchi schreibt Saharkhiz: „Sie versuchen, uns zu zerstören und haben einen schweigenden Tod für uns vorgesehen, weil sie sogar Angst vor uns haben, wenn wir hinter Gittern überleben.“

Der nationalreligiöse politische Aktivist und Journalist Reza Hoda Saber war am 10. Tag seines Hungerstreiks gestorben, mit dem er gegen den Tod der ebenfalls inhaftierten Aktivistin Haleh Sahabi protestieren wollte. Sie starb, als Sicherheitskräfte in die Trauerfeier für ihren verstorbenen Vater eingriffen. Hoda Sabers Mitgefangene haben erklärt, dass er am achten Tag seines Hungerstreiks von den Gefängniswärtern geschlagen worden war.

Der iranische Geschäftsmann Mohsen Dokmehchi war ebenfalls während der Proteste nach der Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet worden. Er wurde zu 10 Jahren Gefängnis im Exil im Gefängnis Rajai Shahr in Karaj verurteilt. Er starb im vergangenen März an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er war wegen Unterstützung der Volksmojahedin und finanzieller Unterstützung für Angehörige von politischen Gefangenen angeklagt worden.

Die Situation in den Gefängnissen sei derart dramatisch, dass „jederzeit weitere Katastrophen passieren können“, schreibt  Saharkhiz. Er bittet Shaheed, die Öffentlichkeit umgehend über die Torturen zu informieren, denen die Gefangenen ausgesetzt sind. Jede Verzögerung werde nur weitere Todesfälle zur Folge haben.

Issa Saharkhiz ist ein bekannter iranischer Journalist und Gründungsmitglied der Gesellschaft zum Schutz der Pressefreiheit in Iran. Er wurde im Juli 2009 verhaftet und wegen „Beleidigung des Führers und des Regimes“ zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde ein fünfjähriges politisches und mediales Betätigungsverbot sowie ein einjähriges Ausreiseverbot über ihn verhängt.

Derzeit ist er im Gefängnis Rajai Shahr inhaftiert. Obwohl er diverse gesundheitliche Probleme hat, wurde ihm bisher kein Hafturlaub gewährt.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Zamaaneh, 12. Juli 2011

Issa Saharkhiz‘ Brief im persischen Original
Englische Übersetzung des Briefes

2 Antworten zu “Inhaftierter Journalist: „Irans Gefangene sind zum langsamen Sterben verdammt“

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