Kampf gegen Twitter und Facebook: Irans Chef-Basiji versucht sich als Barde

Nicht ganz Rumi

RFE/RL, 21. Juli 2011 – Iran ist berühmt für seine Dichter, vor allem für Namen wie Hafez, Saadi, Khayyam und Rumi.

Überraschend hat sich jetzt ein unerwarteter Kandidat in ihren Reihen eingefunden: Der Chef der iranischen Basij-Milizen, Mohammad Reza Naghdi, dessen Name uns bisher hauptsächlich  im Zusammenhang mit den Menschenrechtsverletzungen nach der Präsidentschaftswahl von 2009 begegnete.
Naghdi hat ein Gedicht über den sogenannten „Sanften Krieg“ geschrieben, den die Feinde Irans – also die Vereinigten Staaten – nach offizieller iranischer Auffassung gegen das Land führen, um die Islamische Republik zu stürzen.
In dem Gedicht mit dem Titel „Die Jugend und der Sanfte Krieg“ werden die Werkzeuge aufgelistet, die die Feinde nach Meinung Irans benutzen, um die Jugend des Landes irrezuführen und von den Ideen und Prinzipien der Republik abzubringen.

In Naghdis Gedicht geht es um Twitter und Facebook, um Rap und Jazz als – vergebliche – Mittel gegen die iranische Jugend.

Die ersten Zeilen dieses Gedichts, das auf der Webseite der iranischen Basij-Milizen erstmalig veröffentlicht worden sein soll, lauten wie folgt
(Auf Persisch reimt es sich, aber da ich keine Dichterin bin wie Herr Naghdi, ist es mir nicht gelungen, das Versmaß in der Übersetzung beizubehalten):

Er (wahrscheinlich „der Feind“) jagte mich vergeblich mit seiner Waffe. Dafür kam er mit gedungenen billigen Musikern, dem Internet und Musikinstrumenten.

Seiner Flotte gelang es nicht, mich zu zügeln. Er kam mit einem Püppchen als Blickfang.

Bomben und Raketen konnte mir keine Angst einjagen. Er kam mit den Gerüchte streuenden Netzwerken Twitter und Facebook.

Er griff zu chemischen Waffen, aber auch das schüchterte mich nicht ein. Er kam mit Crack und Heroin.

Naghdi beendet sein Gedicht mit den Worten:

Die Augen der Welt haben sich der Wahrheit geöffnet. Die Welle von Mohammads Islam hat sich erhoben.

Offenbar meint er damit die jüngsten Aufstände in der arabischen Welt, die von iranischen Führern als „islamisches Erwachen“ deklariert wurden.

Wer hätte gedacht, dass staatliche Propaganda so poetisch sein kann?

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty, 21. Juli 2011

2 Antworten zu “Kampf gegen Twitter und Facebook: Irans Chef-Basiji versucht sich als Barde

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