Familie des in Haft verstorbenen Gefangenen Hoda Saber legt Beschwerde beim Justizchef ein

Hoda Saber

RFE/RL, 23. Juli 2011 – Die Familie des Journalisten Hoda Saber, der im vergangenen Monat während seines Hungerstreiks im Evin-Gefängnis an einem Herzinfarkt starb, hat wegen der Todesumstände bei Justizchef Mohammad Sadegh Larijani Beschwerde eingelegt. Dies berichtet RFE/RL von Radio Farda.

Der entsprechende Brief an Larijani wurde am 21. Juli auf der Webseite Kalemeh veröffentlicht.

Der Brief stelle drei Fragen, so Sabers Schwester Firouzeh Saber gegenüber Radio Farda_ „Erstens: Warum wurde Hoda mit sechsstündiger Verspätung, die letztlich zu seinem Tode führte, aus der Gefängnisklinik in ein Krankenhaus verlegt? Zweitens: Warum wurde die Familie nicht über die Verlegung ins Modarres-Krankenhaus verlegt und erfuhr wie alle anderen auch aus dem Internet von seinem Tod? Drittens: Warum wurde er tätlich angegriffen, nachdem er wegen seiner Herzbeschwerden in die Klinik von Abteilung 350 von Evin gebracht worden war?“

Firouzeh Saber zufolge zeige der nach Hoda Sabers Tod erstellte Bericht eindeutig, dass der 52jährige vor seinem Tod misshandelt wurde.

„Außerdem haben 64 Mitgefangene von Hoda (in der Klinik von Evin) die Übergriffe gegen ihn schriftlich bestätigt. Der medizinische Bericht des Krankenhauses ergänzt den Beschwerdebrief“, so Firouzeh Saber.

Sber war am 12. Juni von Evin aus in eine Krankenhaus gebracht worden. In Evin war er mit hunderten weiteren Aktivisten und Intellektuellen inhaftiert, die nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet worden waren. Als er starb, befand er sich seit 10 Tagen in einem Hungerstreik.

Firouzeh Saber zufolge wird der umfassende gerichtsmedizinische Bericht erst in etwa einem Monat verfügbar sein. Der erste Bericht stelle jedoch klar fest, dass Hodas Stirn eine verschorfte Wunde aufwies, was auf Schläge hindeute.

Die Familie habe versucht, den Brief persönlich im Justizbüro abzugeben, doch das Sekretariat habe die Annahme verweigert. Auf Anraten ihrer Anwälte hätten sie den Brief daraufhin per Post geschickt.

„Wir haben nicht offiziell Anklage erhoben, sondern an den Justizchef geschrieben“, so Firouzeh Saber. „Die erste Beschwerde über die Verzögerung bei Hodas Einlieferung ins Krankenhaus und die Informationspolitik gegenüber der Familie wurde am 12. Juni bei dem Verhörbeamten eingereicht, der am 12. Juni im Krankenhaus dabei war. Dieser Brief stellt außerdem die Frage nach tätlichen Übergriffen.“

Die Beschwerde richte sich nicht gegen einzelne Personen, sondern gegen die Systemverantwortlichen, weshalb er an die Justizverwaltung gerichtet wurde, so Firouzeh Saber.

„Wir haben bisher noch keine Reaktion bekommen, abgesehen von zwei Pressekonferenzen des Teheraner Staatsanwalts und des iranischen Generalstaatsanwalts, bei denen erwähnt wurde, dass es in dem Fall einige Lücken gibt; [nämlich] die Verzögerungen bei der Einlieferung ins Krankenhaus.“

Zwar habe Generalstaatsanwalt Mohseni Ejeie gesagt, dass er vor einer Antwort noch die Ergebnisse bestimmter Berichte abwarten wolle, aber generell hätten die Behörden den Beschwerdebrief ignoriert.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty, 23. Juli 2011

3 Antworten zu “Familie des in Haft verstorbenen Gefangenen Hoda Saber legt Beschwerde beim Justizchef ein

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