22 politische Gefangene in Evins Abteilung 350, denen kein Hafturlaub gewährt wird

Kalemeh, 13. August 2011 – Entgegen wiederholter Behauptungen der Teheraner Staatsanwaltschaft und der iranischen Justizbehörden, denenzufolge alle politischen Gefangenen in Iran Hafturlaub erhalten, wurde vielen dieser Gefangenen – vor allem solche, die die Grüne Bewegung unterstützen und im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet wurden – dieses Recht entweder völlig verwehrt oder seit mindestens einem Jahr kein Hafturlaub mehr genehmigt.

Kalemeh vorliegenden Berichten zufolge haben  dutzende im Teheraner Evin-Gefängnis einsitzenden [politische] Gefangene seit mehr als 24 Monaten keinen Hafturlaub mehr bekommen, darunter Abdollah Momeni, Saeed Matinpour, Mohammad Davari, Abbas Nami, Bahman Ahmadi Amoui, Nezam Hasanpour, Emad Bavar, Navid Kamran, Amir Khosro Dalirsani, Amir Bahmani, Majid Tamjidi und Hossein Ronaghi Maleki. Das Recht auf Hafturlaub gehört nach iranischem Gesetz zu den Grundrechten aller Gefangenen, und politische Gefangene sind davon nicht ausgenommen.

Die iranischen Justizbehörden haben in Interviews immer wieder erklärt, dass Berichte über politische Gefangene, die keinen Hafturlaub erhalten, nichts anderes seien als Gerüchte, die von revolutionsfeindlichen Medien in die Welt gesetzt wurden.

In Evin, Rajai Shahr und anderen Gefängnissen in ganz Iran sind weitaus mehr politische Gefangene davon betroffen als die im folgenden vorgestellten 22 Gefangenen, die in Evins Abteilung 350 inhaftiert sind. Kalemeh beabsichtigt,in naher Zukunf auch andere betroffene Gefangene vorzustellen.

Mohammad Davari

1. Mohammad Davari  ist Journalist und Redakteur bei Saham News. Er wurde verhaftet und gezwungen, gegen Mehdi Karroubi auszusagen, nachdem dieser in einem Brief an den Expertenrat die Folterungen und Gräuel im Gefängnis Kahrizakenthüllt hatte. Karroubi hatte in einem Schreiben an den Teheraner Staatsanwalt die volle Verantwortung für die Dokumente und Videos über die Ereignisse in Kahrizak übernommen und erklärt, Davari habe nur die Interviews auf Video aufgenommen.

Davari trat während der mehr als sieben Monate seiner Inhaftierung in Evins Abteilung 209 mehrfach in den Hungerstreik. Er ist jetzt seit zwei Jahren inhaftiert und hat in der gesamten Zeit keinen Hafturlaub erhalten. Außerdem durfte er oft keinen persönlichen Besuch von seiner Familie empfangen. Vor Kurzem wurde Davari von den Gefängnisbehörden darüber in Kenntnis gesetzt, dass seine fünfjährige Haftstrafe auf sechs Jahre erhöht wurde.

2. Navid Kamran ist ein gewöhnlicher Bürger, der gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl protestierte und während der Ashura-Demonstrationen 2009 verhaftet wurde. Er wurde von Abteilung 26 des Revolutionsgerichts unter Vorsitz von Richter Pir Abbasi zu 33 Monaten Haft und 75 Peitschenhieben verurteilt. Das 36. Teheraner Berufungsgericht bestätigte das Urteil später.

Die Teheraner Staatsanwaltschaft hat bis heute alle Anträge Kamrans auf Hafturlaub abgewiesen. Er sitzt jetzt seit über einem Jahr ohne Unterbrechung im Gefängnis. Kamran ist einer der 64 Gefangenen, die in einem Brief bestätigten, wie Hoda Saber [im Juni 2011] im Gefängnis starb.

3. Amir Bahmani ist ein gewöhnlicher Bürger, der verhaftet wurde, weil er an den friedlichen Demonstrationen nach der Präsidentschaftswahl von 2009 teilgenommen hatte. Bahmani wurde vom Revolutionsgericht zu 3 Jahren Haft verurteilt. Trotz unzähliger Anträge seiner Familie hat die Teheraner Staatsanwaltschaft ihm bis heute Hafturlaub verwehrt.

4. Hossein Amini ist ebenfalls ein gewöhnlicher Bürger, auch er wurde wegen Teilnahme an den friedlichen Protesten gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet und befindet sich seit Februar 2011 [Bahman ’89] im Gefängnis. Er wurde während einer Demonstration verhaftet und zu 1 Jahr Haft verurteilt. Seitdem hat er keinen Hafturlaub erhalten.

5. Ahmad Shahrezai wurde am 12. Juni 2010 verhaftet. Obwohl er ärztliche Behandlung benötigt, gewährt die Teheraner Staatsanwaltschaft ihm keinen Hafturlaub. Der 29jährige wurde während einer Demonstration auf der Enghelab-Straße verhaftet. Er ist Unterstützer der Grünen Bewegung und war 74 Tage lang in Evins Abteilung 240 in Einzelhaft.

6. Majid Tamjidi ist 37 Jahre alt und Arbeiteraktivist. Er ist zu 18 Monaten Haft verurteilt und mit 170 weiteren politischen Gefangenen in Evins Abteilung 350 inhaftiert. Tamjidi wurde wegen Verschwörung gegen die nationale Sicherheit des Landes angeklagt – ein Vorwurf, den er vehement zurückwies, da er sich ausschließlich für die Rechte und Forderungen von Arbeitern engagiert. Tamidi werden zahlreiche Häftlingsrechte vorenthalten, so auch das Recht auf Hafturlaub. Entsprechende Anträge seiner Familie haben bisher keine Ergebnisse erzielt.

7. Omid Sharifnia ist ebenfalls ein gewöhnlicher Bürger, der gegen das Wahlergebnis von 2009 protestierte. Er wurde bei der Ashura-Demonstration von 2009 in Teheran verhaftet. Zunächst wurde Sharifnia auf der Grundlage eines unter Anwendung von äußerstem Druck erzwungenen Geständnisses zum Tode verurteilt. Ein Berufungsgericht wandelte das Urteil später in drei Jahre Haft um. Sharifnia wurde wegen „Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit des Landes“ und „Propaganda gegen die Islamische Republik“ durch Teilnahme an illegalen Demonstrationen und „Benutzung einer Satellitenschüssel“ verurteilt. Trotz unzähliger Anfragen seiner Familie hat die Teheraner Staatsanwaltschaft Sharifnia bis heute keinen Hafturlaub genehmigt. Auch durfte er oft keinen Besuch von seiner Familie erhalten.

Abdollah Momeni

8. Emad Bahavar ist Leiter der Jugensektion der Reformpartei „Nehzat-e-Azadi “ und Kernmitglied der Gruppe „Unterstützer Khatamis und Moussavis“ (Dritte Welle). Er wurde am 28. Mai 2009 (7. Khordad 1388) unter dem Vorwurf der regimefeindlichen Propaganda verhaftet.

Nach mehreren Monaten in Evin wurde der politische Aktivist zu 10 Jahren Haft verurteilt. Seine Anwältin Farideh Gheyrat erklärte damals: „Das von Abteilung 15 des Islamischen Revolutionsgerichts gegen Herrn Bahavar verhängte Urteil wurde am 8. Januar 2010 vom 54. Teheraner Berufungsgericht bestätigt.“ Sie kritisierte überstürzte Urteil und die mangelnde Berücksichtigung der Verteidigung. „Meinem Klienten werden verschwörerische Versammlungen gegen die nationale Sicherheit, regimefeindliche Propaganda und Mitgliedschaft bei Nezhat-e Azadi vorgeworfen. Er wurde [deshalb] zu 10 Jahren Haft verurteilt.“ Bahavars Familie hat wiederholt um Hafturlaub für ihn gebeten, doch die Staatsanwaltschaft hat dies ohne Angabe von Gründen abgelehnt.

Abdollah Momeni

9. Abdollah Momeni Der politische und bürgerliche Aktivist und Sprecher der Studentenorganisation Advar Tahkim Vahdat wurde nach der Präsidentschaftswahl in der Nacht des 20. Juni 2009 im Gebäude der Wahlkampagne von Präsidentschaftskandidat Mehdi Karroubi am Vanak-Platz verhaftet. Im März 2010 erhielt er Hafturlaub, doch er musste ins Gefängnis zurück, nachdem er sich geweigert hatte, mit seinen Befragern und den Agenten des Geheimdiensministeriums zu kooperieren und gegen die Führungspersonen der Grünen Bewegung auszusagen. Seitdem hat er keinen Hafturlaub mehr erhalten. In den letzten 1,5 Jahren durfte er seine Familie nur 3 Mal sehen, wobei jeder dieser Besuche in einer Besucherkabine stattfand und er durch eine Glaswand von seinen Besuchern getrennt war.

Ein Jahr, nachdem er in einem offenen Brief an den obersten Führer die von ihm durchlittene Folter beschrieben hatte, wurde er vor die 4. Abteilung des Sicherheitsgerichts in Evin vorgeladen. Bei seiner letzten Vorladung wurde Momeni mit neuen Anklagen konfrontiert: Veröffentlichung von Lügen und negative Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Wegen dieser Anklagen erwartet ihn jetzt ein neues Urteil.

Bahman Ahmadi Amouie

10.  Bahman Ahmadi Amoui Seit der Inhaftierung des Journalisten Bahman Ahmadi Amoui sind mehr als 2 Jahre vergangen. Er wurde am 20. Juni 2009 in seiner Wohnung verhaftet und befindet sich seitdem in Evin. Er hat zwar nach seiner Verhaftung ein Mal Hafturlaub erhalten, hat aber das Gefängnis in den letzten 16 Monaten nicht verlassen. In den letzten eineinhalb Jahren hat er nur drei Mal persönlichen Besuch von seiner Familie erhalten. Wie viele andere Angehörige von politischen Gefangenen hat auch Ahmadi Amouies Familie immer wieder bei der Staatsanwaltschaft Hafturlaub für Bahman beantragt. Bislan sind diese Anträge abgelehnt worden, obwohl eine Kaution in Höhe von 500.000 Dollar für ihn hinterlegt wurde.

Bahman Ahmadi Amouie wurde mit seiner Frau, der Journalistin Jila Baniyaghoub, in der Nacht des 20. Juni 2009 verhaftet. Abteilung 28 des Revolutionsgerichts unter Vorsitz von Richter Pir Abbasi verurteilte ihn zu 8 Jahren und 4 Monaten Haft und 34 Peitschenhieben. Er wurde daraufhin in der allgemeinen Abteilung von Evin inhaftiert. Später wurde sein Urteil vom Berufungsgericht auf 5 Jahre erhöht. Ahmadi Amouie wurde angeklagt, Herausgeber der Webseite Khordad Nou gewesen zu sein und auf seiner persönlichen Webseite und in der Zeitung Sarmayeh die Wirtschaftspolitik der Regierung Mahmoud Ahmadinejad kritisiert zu haben.

Amir Khosro Dalirsani

11. Amir Khosro Dalirsani wurde während der Ereignisse nach der Wahl von 2009 verhaftet und nach zwei Monaten Einzelhaft in Abteilung 350 von Evin verlegt. Sein Prozess fand am 1. Mai 2010 in Abteilung 28 des Revolutionsgerichts unter Vorsitz von Richter Moghiseh statt. Er wurde wegen „Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ angeklagt und zu 4 Jahren Haft verurteilt. Sein Urteil wurde später vom Berufungsgericht bestätigt und am 25. Juli 2010 seinem Rechtsbeistand mitgeteilt.

Im Februar/März 2010 [Esfand 1388] erhielt Dalirsani einen sechstägigen Hafturlaub, doch seitdem wurden alle Anträge seiner Familie auf Hafturlaub abgelehnt. Im Januar/Februar 2011 [Bahman 1389] wurde er für kurze Zeit in den Sicherheitstrakt 209 des Geheimdienstministeriums in Evin verlegt, weil er sich geweigert hatte, mit dem Geheimdienstministerium zusammenzuarbeiten.

Dalirsani war auch im Gefängnis weiter aktiv und hat die vielen aus Evins Abteilung 350 heraus veröffentlichten Erklärungen mit unterschrieben. Die bekannteste Erklärung wurde von 14 politischen Gefangenen anlässlich Mahmoud Ahmadinejads Besuch bei den Vereinten Nationen verfasst. Darin wurde die Einrichtung eines unabhängigen Gremiums zur Untersuchung der manipulierten Präsidentschaftswahl gefordert. Dalirsani beteiligte sich auch an dem Hungerstreik, mit dem Gefangene gegen den Tod Hoda Sabers protestierten.

12. Abbas Nami  ist ein gewöhnlicher Bürger, der an den Protesten gegen die Präsidentschaftswahl teilnahm und verhaftet wurde. Nami wurde vom Revolutionsgericht zu 2 Jahren Haft verurteilt. Die Teheraner Staatsanwaltschaft hat ihm schon seit längerem keinen Hafturlaub gewährt.

Nami war einer der Unterzeichner des Briefes, mit dem [politische Gefangene in Abteilung 350] über die Umstände Zeugnis ablegten, unter denen Hoda Saber am 8. Tag seines Hungerstreiks nach Verlegung in die Krankenstation von Evin starb.

13. Kourosh Ghasemi ist ein Sozialaktivist, der gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl von 2009 protestierte. Ghasemi wurde angeklagt, an den Demonstrationen der Grünen Bewegung teilgenommen zu haben und zu 3 Jahren Haft verurteilt. Seit seiner Inhaftierung hat er keinen Hafturlaub erhalten.

14. Amir Hossein Ghanbari Barzi  wurde an Ashura 2009 in Teheran verhaftet und in Evins Abteilung 350 gebracht. In einem Brief, den er kürzlich aus dem Gefängnis an seinen Vater schrieb, sagt er: „Se glücklich, Vater, für alle Väter, die ihren Kindern beigebracht haben, frei zu sein. Sei glücklich um all der Jungen und Mädchen willen, die von ihren Vätern das Verständnis für Freiheit ihre Bedeutung vermittelt bekommen haben. Freue dich über eine Generation, die sich für die Aufklärung entschieden hat.“

Der 27jährige, der ein Studium des Bauingenieurswesens abgeschlossen hat, ist zu 3 Jahren Haft und 70 Peitschenhieben verurteilt. Er ist einer der 64 [politischen Gefangenen], die in einem Brief über die Umstände des Todes von Hoda Saber aussagten.

Hassan Asadi Zeidabadi

15. Hassan Asadi Zeidabadi, politischer Aktivist und Mitglied der Studentenorganisation „Advar Tahkim Vahdat“, ist einer der 12 politischen Gefangenen, die aus Protest gegen den Tod Hoda Sabers [im Juni] in den Hungerstreik traten. Auch er hat seit Langem keinen Hafturlaub erhalten. In einem Brief beschrieb Asadi Zeidabadi seine Gründe für den Hungerstreik wie folgt: „Wir, 12 politische Gefangene, haben beschlossen, in den Hungerstreik zu treten. Ein Grund ist unser Protest gegen Täuschungen und Lügen. Wir können nicht abstreiten, was wir mit unseren eigenen Augen gesehen haben. Wir, die wir wissen, dass unser ehrbarer Zellengenosse Hosa Saber infolge von Vernachlässigung starb, können nicht tatenlos danebenstehen, wenn sie [die Behörden] behaupten, dass er sich nicht im Hungerstreik befand. Wir können nicht tatenlos bleiben, nachdem Haleh Sahabi bei der Trauerfeier für ihren Vater Ezzatollah Sahabi starb. Wir können nicht tatenlos zusehen, wie in der staatlichen Presse Lügen verbreitet werden, um die Verantwortlichkeit der Behörden zu verschleiern.“

Asadi Zeidabadi  wurde von Abteilung 28 des Revolutionsgerichts unter Vorsitz von Richter Moghiseh zu 5 Jahren Haft verurteilt.

Saeed Matinpour

16. Saeed Matinpourist Journalist und Sozialaktivist aus [der Provinz] Aserbaidschan. Weil er für sein Recht eintrat, in seiner Muttersprache (Azeri) studieren zu dürfen, wurde er zu 8 Jahren Gefängnis verurteilt. Wie auch im Fall der anderen 108 Journalisten und Medienexperten, die nach der Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet und inhaftiert wurden, fand Matinpours Gerichtsverhandlung unter Vorsitz von Richter Salavati statt. Matinpour wurde wegen „Verbindungen zu Ausländern“ und „regimefeindlicher Propaganda“ angeklagt. Er leistet derzeit sein zweites Haftjahr ab. Einen großen Teil seiner Inhaftierung hat er in Einzelhaft verbracht, wo er infolge von extremem Druck und Folter ein Herzleiden entwickelte. Trotz seiner Erkrankung hat Matinpour in den 24 Monaten seiner Haft keinen einzigen Tag Hafturlaub bekommen.

Matinpours Ehefrau Atiyeh Taheri hat wiederholt mitgeteilt, dass ihrem Mann medizinische Betreuung, insbesondere die Behandlung durch einen Herzspezialisten, verwehrt wird. Taheri zufolge wurde ihr Mann lediglich sporadisch von einem Allgemeinmediziner untersucht. Taheri hat die Justizbehörden unzählige Male um Gewährung eines medizinischen Hafturlaubs gebeten. Bisher wurde kein einziger Tag genehmigt.

Mohammad S. Kaboudvand

17. Mohammad Sadegh Kaboudvand wurde am 1. Juli 2007 verhaftet und inhaftiert. Er wurde wegen Verschwörung gegen die nationale Sicherheit und Gründung der Organisation für Menschenrechte in Kurdistan angeklagt und zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Wegen regimefeindlicher Propaganda wurde er zusätzlich zu 1 Jahr Haft verurteilt. Später reduzierte Abteilung 56 des Berufungsgerichts seine Gesamtstrafe auf 10 Jahre und ließ die Anklage wegen Gründung der Menschenrechtsorganisation fallen.

Seiner Familie zufolge entwickelte Kaboudvand, der vor seiner Inhaftierung keinerlei gesundheitliche Probleme hatte, während seiner siebenmonatigen Einzelhaft eine Lungenerkrankung, eine Nierenerkrankung, eine Hauterkrankung und ein Gehirnaneurysma. Dennoch hat er mehrere Jahre lang keinen Hafturlaub erhalten, alle diesbezüglichen Bemühungen seiner Familie blieben ergebnislos.

Hossein Ronaghi Maleki

18. Hossein Ronaghi Maleki ist ein 25jähriger Student und Blogger, der sich gegen die Internetzensur in Iran engagiert hatte. Er wurde wenige Tage nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 2009 im Haus seines Vaters verhaftet und nach Evin gebracht. Ein Teheraner Revolutionsgericht verurteilte ihn wegen „Mitgliedschaft in der Internet-Gruppe Iran Proxy“ un „Beleidigung des Führers und des Präsidenten“ auf seinem Blog zu 15 Jahren Gefängnis. Ein Berufungsgericht bestätigte das Urteil.

In den letzten Monaten hat sich sein Gesundheitszustand Berichten zufolge dramatisch verschlechtert. Wegen der Vernachlässigung durch die Gefängnisbehörden leidet er mittlerweile an partiellem Nierenversagen. Nach wiederholten Anträgen durch seine Familie, Menschenrechtsaktivisten und Organisationen wie der Islamischen Menschenrechtskommission wurde Ronaghi Maleki im April dieses Jahres in Handschellen ins Teheraner Hashemi-Nejad-Krankenhaus gebracht, wo er einer Nierenoperation unterzogen wurde. Währed er im Krankenhaus war, wurden er selbst, seine Familie und seine Ärzte von Sicherheitsagenten bedroht, was ihn dazu veranlasste, nach seiner Operation in einen Hungerstreik zu treten. Sein Arzt hat dringend eine vorübergehende Haftentlassung empfohlen, damit er sich erholen kann. Die Sicherheitsagenten brachten ihn jedoch unmittelbar nach seiner Operation wieder zurück in Evins Abteilung 350. Obwohl für ihn eine Kaution in Höhe von 28.ooo Dollar hinterlegt wurde, hat er bisher nicht einmal eine Stunde Hafturlaub erhalten.

19. Nezam Hassanpour Hassanpour ist einer der vielen Iraner, die an Ashura 2009 verhaftet wurden. Seine Mutter ist an Krebs erkrankt und befindet sich im Krankenhaus, dennoch gewähren die Justizbehörden ihm keinen Hafturlaub.

Nezam Hassanpour ist 25 Jahre alt und hat wie viele andere in 2009 gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl protestiert. Laut Strafgesetzbuch der Islamischen Republik haben Gefangene ohne Vorstrafen nach Ableistung der Hälfte ihrer Haftstrafe ein Recht auf Hafturlaub [oder Freilassung auf Bewährung („parole“), d. Übers].  Da Hassanpour diese Voraussetzung erfüllt, trifft dieses Recht auf ihn zu. Seine Familie lebt in einem Dorf in Kouhdasht und kann ihren Sohn wegen der großen Entfernung und der finanziellen Situation nicht regelmäßig besuchen. Darum ist Hassanpour oft allein und kann wegen der abgestellten Telefone in Abteilung 350 auch nicht mit seiner Familie telefonieren.

Abolfazl Abedini Nasr

20. Abolfazl Abedini Nasr ist Journalist und Menschenrechtsaktivist.  Im März 2010 [Esfand 1388] wurde er in der Stadt Ahvaz unter Schlägen verhaftet und später vom Revolutionsgericht Ahvaz zu 11 Jahren Haft verurteilt. Der vorsitzende Richter von Abteilung 26 des Revolutionsgerichts, Richter Moghiseh, verurteilte ihn später zu einem zusätzlichen Jahr Haft. Zur Zeit befindet er sich in Abteilung 350 von Evin, und die Bemühungen seiner Familie, für ihn Hafturlaub zu erwirken, sind bisher ergebnislos geblieben.

Ramin Parchami

21. Ramin Parchami ist Schauspieler. Er wurde bei den friedlichen Demonstrationen der Grünen Bewegung am 14. Februar [2011] verhaftet. Er hat einen Kurzfilm mit dem Titel „Lösungen“ [„Solutions“] gedreht. Seine Karriere begann Parchami als Schauspieler in dem Film „In Your Refuge“ und einer Fernsehserie namens „Bankett“. Außerdem arbeitete Parchami kurzzeitig als Redakteur des wöchentlichen Newsletters „Naghsh Afarinan“. Durch sein Mitwirken in verschiedenen Fernsehserien wurde er sehr bekannt. Auch Parchami wird kein Hafturlaub gewährt.

Abolfazl Ghadyani

22. Abolfazl Ghadyani ist führendes Mitglied der Partei „Mojahedin der Islamischen Revolution“ (nicht zu verwechseln mit den Volksmojahedin oder MKO). Er wurde im Januar 2010 [Dey 1388]  nach den Unruhen von Ashura verhaftet und nach zwei Monaten freigelassen. Der Reformer Ghadyani wurde in einem unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindenden Prozess unter Vorsitz von Richter Moghiseh wegen „regimefeindlicher Propaganda“ angeklagt und zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde ihm wegen „Beleidigung des Präsidenten“ eine Geldstrafe in Höhe von 10.000 Dollar auferlegt.

Ghadyani ist einer der 12 politischen Gefangenen, die mit einem Hungerstreik gegen den Tod Hoda Sabers protestierten, und musste infolge dieses Hungerstreiks mehrfach in die Krankenstation von Evin eingeliefert werden. Angaben seiner Frau zufolge leidet Ghadyani an einer Herzerkrankung.

Ghadyani war schon zu Zeiten des Schahs in den Gefängnissen der damaligen Geheimpolizei Savak inhaftiert. Die Teheraner Staatsanwaltschaft hat einen medizinisch begründeten Hafturlaub verweigert. Ghadyani soll sich in einem kritischen Zustand befinden. Seine Frau Zahra Rahimi erklärte: „Sie selbst (die Regierungsbeamten) haben gesagt, dass er auf die Intensivstation muss, also verstehe ich nicht, warum sie nichts unternehmen. Offenbar wollen sie, dass ihn dasselbe Schicksal ereilt wie Hoda Saber. Vier Tage sind vergangen. Ich mache mir große Sorgen und bin verzweifelt. Es gibt niemanden, an den ich mich wenden kann.“

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle/Übersetzung ins Englische: Banooye Sabz
Persisch: Kalemeh, 13. August 2011
Fotos und weiterführende Links eingefügt von Julias Blog

2 Antworten zu “22 politische Gefangene in Evins Abteilung 350, denen kein Hafturlaub gewährt wird

  1. Pingback: 14 weibliche politische Gefangene in Evin, denen kein Hafturlaub gewährt wird | Julias Blog

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