Nasrin Sotoudeh will aus Protest gegen Behandlung ihrer Familie auf Besuch verzichten

Kalemeh, 13. August 2011 – In einem an die Justizbehörden und die Staatsanwaltschaft im Evin-Gefängnis adressierten Brief hat die Anwältin, Menschenrechtsaktivistin und politische Gefangene Nasrin Sotoudeh mitgeteilt, dass sie aus Protest gegen die unmenschliche und inakzeptable Behandlung ihrer Kinder, ihres Mannes und ihrer Schwester bei deren letztem Besuch im Gefängnis beschlossen habe, in Zukunft keine Besuche mehr zu empfangen, um ihre Kinder vor weiteren Schäden zu schützen. Beim letzten Besuch ihrer Familie waren ihre Kinder, ihr Mann und ihre Schwester mehrere Stunden im Gefängnis festgehalten worden.

Da ihre beiden kleinen Kinder, ihr Mann und ihre Schwester vergangene Woche vom meistgefürchteten Staatsanwaltsbüro illegal mehrere Stunden lang als Geiseln festgehalten wurden, ziehe sie es vor, in Zukunft bei solchen Besuchen nicht mehr anwesend zu sein, so Sotoudeh.

„Im vergangenen Jahr ist meine Familie wiederholt abgestraft worden, z. B. mit dem Rechtsfall gegen meinen Mann. Um gegen die Verletzungen meiner Familienrechte durch die gegenwärtige Struktur der Besuche zu protestieren, bei denen die ständige Präsenz von Sicherheitsbeamten und Geheimdienstagenten meinen kleinen Kindern nur noch mehr schaden werden, habe ich beschlossen, bei solchen Besuchen nicht mehr zu erscheinen, bis die Reputation meiner Familie vollständig wiederhergestellt ist und die Telefonverbindungen im Frauentrakt von Evin wieder freigeschaltet sind – ein Recht, dass allen Gefangenen und ihren Kindern gewährt werden muss.“

Am Sonntag, dem 7. August 2011 war es zwischen Gefängnisbeamten und der Schwester Nasrin Sotoudehs sowie ihrem Ehemann Reza Khandan während eines Kabinenbesuchs zu Auseinandersetzungen gekommen, nachdem die Beamten darauf bestanden, Khandans Notebook ohne offizielle schriftliche Weisung zu untersuchen. Der Zwischenfall ereignete sich vor den Augen der beiden kleinen Kinder. Die gesamte Familie wurde in das Büro der Staatsanwaltschaft in Evin gebracht und etwa 5 Stunden dort festgehalten. Mehraveh und Nima, Sotoudehs Kinder, erlebten die Auseinandersetzungen zwischen ihrem Vater, ihrer Tante und den Gefängnisbeamten mit. Nach endlosen Stunden des Wartens in der Besucherzone waren sie erschöpft und hungrig. Die 10jährige Mehraveh konnte zum ersten Mal in 15 Monaten ihre Tränen in Gegenwart ihrer Mutter nicht mehr zurückhalten.

Nachdem der Richter einen Durchsuchungsbefehl ausgestellt hatte und die Habseligkeiten der Familie, einschließlich des fraglichen Notebooks, durchsucht worden waren, wurde die Familie schließlich freigelassen.

Die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotoudeh ist seit etwa einem Jahr ohne Haftunterbrechung im Gefängnis. In dieser Zeit durfte sie ihre beiden kleinen Kinder nur sporadisch bei 20minütigen Besuchen sehen. Ihr Ehemann Reza Khandan, der nie politisch aktiv war, wurde ein Mal über Nacht in Gewahrsam behalten, nachdem er Nachforschungen über den Fall seiner Frau angestellt hatte. Er wurde gegen Kaution freigelassen. Sotoudeh ist zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle/Englische Übersetzung: Banooye Sabz/
Persisch: Kalemeh, 13. August 2011

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