Iranische Parlamentarier drängen Regierung zur Rettung des Urmia-Sees

Zamaaneh, 28. August 2011 – 22 iranische Abgeordnete haben an das Präsidium des Parlaments appelliert, „umgehende und fachgerechte Schritte“ gegen die rapide Austrocknung des in der Provinz West-Aserbaidschan gelegenen Urmia-Sees einzuleiten.

Wie die [regimetreue] Nachrichtenagentur Fars News berichtet, warnen die Abgeordneten vor den sozialen, politischen und ökonomischen Konsequenzen einer vollständigen Austrocknung des Sees und rufen die Regierung auf, die Verantwortung für die Abwendung der nach ihren Worten kurz bevorstehenden Katastrophe zu übernehmen.

Vergangene Woche hatte das Parlament einen Plan zur Anhebung des Wasserspiegels im See durch Einleitung von Wasser aus den Flüssen Aras und Siloueh abgelehnt.

Wegen des ständig sinkenden Wasserspiegels im größten See Irans droht eine Umweltkatastrophe; große Teile des Sees sind bereits verschwunden.

Hassan Abbasnejad, Umweltschutzbeauftragter der Provinz West-Aserbaidschan, berichtet, dass 53 Prozent des Sees sich bereits in Salzfelder verwandelt haben. Der Salzgehalt des Sees betrage 400 Gramm pro Liter.

Am Mittwoch waren bei Kundgebungen mehrere Aktivisten bei Protestkundgebungen gegen die Untätigkeit der Regierung festgenommen worden. In Tabriz sollen 30 und in Oroumiyeh [Urmia] 20 Menschen verhaftet worden sein.

Die Iranische Umweltorganisation berichtet, dass die Krise am Urmia-See außer Kontrolle geraten sei und die Lagunen des Sees in hohem Tempo zerstöre. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Mehr News könnten die sich über 6000 Hektar erstreckenden Salzklippen am Urmiasee eine salzhaltige Flutwelle verursachen, der weite Teile der landwirtschaftlich genutzten Flächen in Oroumiyeh zerstören könnte.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Zamaaneh, 28. August 2011

Folgendes Video soll bei einem Protest am 27. August in Oroumiyeh entstanden sein:

Online- Petition für die Rettung des Urmia-Sees:
http://www.ipetitions.com/petition/urmugulu/
Petitionstext auf Deutsch:
„Unterschriftsgskampagne zur Rettung des Urmu-Sees
Rettung des Urmu-Sees ist Rettung der Menschheitserbe auf unserem Planet. Unser Planet braucht die Hilfe und Solidarität aller Menschen zur Rettung und Erhaltung des Urmu-Sees.

Der Urmu-See im Provinz Aserbaidschan im Nordwesten Irans: Mit einer Fläche von knapp 5.470 Quadratkilometern ist er rund zehnmal größer als der Bodensee und zwanzigstgrößte Binnensee der Erde.
Sowjetische Planwirtschaft verursachte einer der größten Umweltkatastrophe der zwanzigsten Jahrhundert im Mittelasien. Der Aral-See mit ursprünglich rund 68.000 km² der viertgrößte Binnensee der Erde. 1990 wies der Aralsee nur noch eine Fläche von etwa 36.000 km² auf.

Das gleiche Schicksal erwartet der Urmu-See. Der See ist 140 Kilometer lang, 55 Kilometer breit bei einer durchschnittlichen Tiefe von nur rund sieben Metern. Der tiefste Punkt ist 16 m Sein Wasserspiegel liegt auf 1280 Metern über NN. Der Salzgehalt des Sees beträgt bis zu 30 Prozent, was etwa dem Niveau des Toten Meer entspricht. Dem hohen Salzgehalt trotzen allerdings Salinenkrebse. An seinen Ufern finden sich häufig Salzablagerungen
Es gibt im Iran praktisch kein Umweltbewusstsein, die wenigen Umweltschutzgruppen werden vom Staat genau überwacht. Mehr als kleine Protestaktionen und Aufklärungskampagnen sind praktisch unmöglich.
Mit dem Sinken des Wasserstands und die zunehmende Versalzung wird ein Leben für Mensch und Tier unmöglich. Nur Algen und kleine krebsartige Würmer leben noch in diesem Schlamm. Hier an diesem See machten die Flamingos für Monate Rast, auf ihrem Weg nach Sibirien Hier legten sie ihre Eier. Der See bot ihnen genügend Nahrung, auch ihre Hauptnahrung: Artemia, ein kleiner Wurm, der voll von Protein ist. Die Zeit, in der hier Hirsche und Widder und Flamigos, Pelikane und andere Vögel zu Hunderttausenden lebten, scheint endgültig vorbei zu sein. Dazu taucht seit einiger Zeit ein neues Phänomen auf. Der See verfärbt sich rot und keiner weiß warum. Einige vermuten, es liege an einer Algenart, andere sagen es seien Magnesiumverbindungen, denn die Konzentration der magnesiumhaltigen Salze hat sich dramatisch erhöht. Die Salzbrisen vom See und das Salz, das in das Grundwasser eindringt, lassen die Pflanzen vertrocknen und damit schadet Versalzung der Landwirtschaft in der Region.

Experten warnen seit langem davor, dass es neben natürlichen Faktoren, wie zu wenig Regen und globaler Erwärmung, vor allem menschliche Faktoren sind, die dem See das Leben rauben. Ein von Menschen gemachtes Problem ist die Straße quer über den See. Ein großer Teil wurde aufgeschüttet, quasi als Damm, und ein kleiner Teil sollte als Brücke den Wasseraustausch zwischen beiden Seeteilen ermöglichen. Doch dann wurde – gegen alle Absprachen und gegen jede Logik – auch unter der Brücke ein Damm aufgeschüttet. Wasseraustausch – Fehlanzeige. Sieben Staudämme rund um den Urmu-See verhindern, dass Frischwasser nach fließt.

Die Situation verschlechtert sich von Tag zu Tag und die Regierung in Tehran ignoriert das Problem, schaut tatenlos zu und unternimmt nicht. Das Trocknen und Versalzung des Urmu-Sees wird über 10 Miliarden Tonen Salz hinter lassen. Es wird zu einer Umweltkatastrophe in großes Ausmaß nicht nur an Menschen, Natur, Fauna und Flora in Region sondern in ganzen Nachbarländern führen.

Wir appellieren an alle Menschen, Umweltschutzorganisationen: Uns helfen und iranische Regierung darauf dringen etwas gegen bevorstehende Umweltkatastrophe zu unternehmen und das Leben der Aserbaidschaner im Region zu schützen, bevor es spät ist.“

Online-Petition unterschreiben

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