Karroubi erhält Besuch von seiner Familie

Mehdi Karroubi

Zamaaneh, 1. September 2011 – Nach mehr als einem Monat durfte der unter Hausarrest stehende Oppositionsführer Mehdi Karroubi Besuch von seiner Familie erhalten. Dabei soll er seiner Familie mitgeteilt haben, dass er bei all seinen früheren regierungskritischen Äußerungen bleibe.

Wie die oppositionelle Webseite Saham News heute berichtet, durften Karroubis Sohn Hossein mit seiner Frau und seinen Kindern sowie Mehdi Karroubis Frau Fatemeh den Oppositionsführer gestern in dem Apartment besuchen, in dem er seit Beginn des Fastenmonats Ramadan festgehalten wird.

Karroubi, der das Ergebnis der Präsidentschaftswahl von 2009 und den Wahlsieg Mahmoud Ahmadinejads angezweifelt hatte, wurde im Februar zusammen mit seiner Frau unter Hausarrest gestellt. Vor einem Monat war er aus seiner Wohnung in ein kleines Apartment verlegt worden.

„Mein Vater war bei guter Gesundheit und guter Dinge. Während des gesamten Besuchs sprach er über die Dinge wie früher und hat seine früheren politischen Ansichten mehr denn je bekräftigt.“

In den letzten Monaten hatten regierungstreue Medien Berichte veröffentlicht, in denen es hieß, dass Mehdi Karroubi bei schlechter Gesundheit sei und seine politischen Standpunkte widerrufen habe.

In anderen Berichten war die Rede davon, dass die Behörden Mehdi Karroubi von seiner Frau getrennt hätten, um ihn damit unter Druck zu setzen, damit er in schriftlich seine Reue bekundet.

Karroubi soll zu diesen Berichten gesagt haben: „Die Regierung und die Geheimdienste haben sich mit meiner Geisteshaltung völlig vertraut gemacht… Sie werden sich nicht gestatten, zu versuchen, meine Position zu ändern, ganz zu schweigen von einem Reuebrief.“

Die Islamische Republik hat in der Vergangenheit viele politische Gefangene gezwungen, im Gegenzug zu einer Freilassung oder einer Strafminderung die ihnen vorgeworfenen Anklagen zu akzeptieren.

Saham News zufolge sollen die Sicherheitskräfte der Familie gegenüber angekündigt haben, dass der Oppositionsführer innerhalb der nächsten zwei Wochen an einen anderen Ort gebracht werden könnte, wo er jeden Tag in einem Hof an die frische Luft könne. Dort könne seine Frau auch wieder zu ihm stoßen.

Die Opposition hat immer wieder hervorgehoben, dass die Inhaftierung Mehdi Karroubis und des anderen Oppositionsführers Mir Hossein Moussavi [im eigenen Haus] härter ist als die Bedingungen, die reguläre Gefangene im Gefängnis vorfinden, weil sie unter Hausarrest nicht täglich an die frische Luft können.

Anfang der Woche hatte Fatemeh Karroubi berichtet, dass ihr Mann in ein kleines Apartment verlegt worden sei, wo sie aus Platzmangel nicht habe einziehen dürfen.

Karroubi, der mit seiner Frau zusammen seit Februar unter Hausarrest steht, hatte die Regierung wiederholt gedrängt, ihn an einen anderen Ort zu bringen, damit seine Nachbarn, die den Wohnkomplex wegen des Hausarrests verlassen mussten, wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können.

Der reformorientierte Präsidentschaftskandidat bei den Wahlen von 2009 hatte die Rechtmäßigkeit des Wahlsieges von Mahmoud Ahmadinejad öffentlich angezweifelt und dem politischen Establishment Wahlbetrug vorgeworfen.

Ähnliche Vorwürfe hatte der andere reformorientierte Präsidentschaftskandidat Mir Hossein Moussavi erhoben, den die Opposition für den wahren Sieger der Präsidentschaftswahl hält. Auf die Vorwürfe der beiden Oppositionsführer waren monatelange Massenproteste gegen die Wahlergebnisse gefolgt, die von der Regierung gewaltsam niedergeschlagen wurden.

Zeitgleich mit den Protesten hatte Mehdi Karroubi nachhaltige Nachforschungen über die Misshandlung politischer Häftlinge und von Sicherheitskräften getöteter Demonstrationsteilnehmer angestellt, was die Behörden noch mehr gegen ihn aufbrachte.

In den folgenden Monaten hatten sowohl Moussavi als auch Karroubi immer wieder Erklärungen veröffentlicht, in denen sie der Regierung vorwarfen, gegen die Verfassung zu verstoßen und die Rechte der Bürger zu verletzen. Sie verurteilten außerdem die Einmischung der Revolutionsgarden in die politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten des Landes.

Die Oppositionsführer hatten mehrere Protestdemonstrationen gegen die Regierung organisiert, bis sie schließlich am 14. Februar unter Hausarrest gestellt wurden, nachdem sie zu Solidaritätsdemonstrationen mit den Aufständen in Tunesien und Ägypten aufgerufen hatten.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Zamaaneh, 1. September 2011

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