Reformorientiertes Wochenmagazin vermutlich wegen Ahmadinejad-Abbildungen verboten

Das Titelblatt, das nach Angaben eines Mitarbeiters wahrscheinlich zur Schließung des reformorientierten Magazins Shahrvand-e Emrooz führte

ICHRI, 5. September 2011 – Wie eine Quelle aus dem nahen Umfeld des Wochenmagazins Shahrvand-e Emrooz („Bürger Heute“) der Organisation „International Campaign for Human Rights in Iran“ (ICHRI) mitteilte, wurde das Magazin am 5. September 2011 verboten. In einem Schreiben an die Geschäftsführung des Magazins wird das Verbot mit Artikel 6 des iranischen Pressegesetzes begründet.

Die Quelle gab gegenüber ICHRI an, der Grund für das Verbot sei „offenbar die Veröffentlichung eines Bildes auf dem Titelblatt“ gewesen. Die fragliche Ausgabe des Magazins zeigt auf dem Titelblatt eine Collage, die das Gesicht von Präsident Mahmoud Ahmadinejad darstellt. Laut Artikel 6 des Pressegesetzes ist es verboten, „Beleidigungen gegen Offizielle, Institutionen und Personen des Landes zu veröffentlichen oder juristische oder reale Personen zu beleidigen, die den Schutz des Gesetzes genießen – auch nicht durch Bilder oder Karikaturen“.

Ein weiteres Titelblatt des Magazins, das Grund für das Verbot sein könnte.

Zur Zeit sind keine weiteren Gründe dafür bekannt, warum die Presseaufsichtskommission die Publikation über Nacht verboten hat.

Das Wochenmagazin Shahrvand-e Emrooz  ist eine unabhängige, eher reformorientierte Publikation, die im März 2006 zum ersten Mal erschien. „Am 6. November 2008 verbot die Pressekommission das Magazin wegen einer unrealistischen Darstellung bestimmter Handlungen des Kabinetts von Präsident Mahmoud Ahmadinejad.“

Am 2. Juli dieses Jahres nahm das Wochenmagazin seine Arbeit wieder auf, nur um drei [sic] Monate später erneut verboten zu werden.

Das Verbot erging, nachdem das Magazin zwei Ausgaben veröffentlicht hatte, auf deren Titelblatt Mahmoud Ahmadinejad zu sehen war. Die Ausgabe vom 27. August 2011 zeigt Ahmadinejads Gesicht als eine Collage aus Briefen mit der Überschrift „Ein Brief, eine Stimme“ – eine Anspielung auf Ahmadinejads Werbung um Wählerstimmen von Einrichtungen bei gleichzeitiger Gewährleistung von Vergünstigungen. Die andere Titelseite, veröffentlicht am 23. Juli 2011, zeigt Ahmadinejad mit einigen Mitgliedern seines Kabinetts in der Kleidung der Safaviden-Dynastie. Überschrieben ist die Abbildung mit dem Titel „Wie man schlafend ein Land regiert“.

Die Zeitung Iran, die mit Ahmadinejads Ministerium für Islamische Führung in Verbindung steht, hatte explizit juristische Schritte gegen die Publikation gefordert. „Das Magazin (Shahrvand-e Emrooz), das zur extremistischen Reformer-Fraktion gehört und dessen Redaktion eine  Rolle bei dem Aufruhr von 2009 spielte, hat eine beleidigenden Karikatur des Präsidenten und seiner nahen Mitarbeiter auf der Titelseite einer seiner jüngsten Ausgaben veröffentlicht. Die öffentliche Meinung und eine Mehrheit der iranischen Bevölkerung, deren legal gewählter Präsident beleidigt wurde, erwarten die Reaktion der Justiz“, schrieb Iran in einer Kurzmeldung.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran, 5. September 2011

Anm. d. Übers.: Mir ist nicht ganz klar, wie die Redaktion einer Publikation beim „Aufruhr von 2009“ eine Rolle gespielt haben kann, wenn sie zwischen dem 6. November 2008 und dem 2. Juli 2011 verboten war.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s