Mangelhafte Zustände in Evins Frauentrakt bestehen weiter

CHRR, 16. September 2011 – Nach der Verlegung weiblicher politischer Gefangener in einen eigenen Trakt des Evin-Gefängnisses war erwartet worden, dass die Zustände sich verbessern würden. Die Gefangenen haben jedoch weiterhin mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen.

Ihre Familien berichten, dass der Laden im Frauentrakt des Gefängnisses, der schon immer zu wenig Nahrungsmittel geführt hat, im letzten Monat und vor allem während des [Fasten-]Monats Ramadan völlig leer gewesen sei. Obwohl die fastenden Gefangenen (während des Ramadan) Bedarf an Nahrungsmitteln hatten, bediente der Laden die Gefangenen nicht. Proteste der weiblichen politischen Gefangenen blieben ergebnislos. Auch Gefangene in den anderen Abteilungen des Gefängnisses sollen Berichten zufolge vor leeren Läden stehen.

Auch was die Aufenthalte im Freien für die Insassinnen des Frauentraktes anbetrifft, haben sich die Zustände trotz Protesten von Gefangenen und Angehörigen nicht gebessert, obwohl die leitenden Stellen in Evin Verbesserungen zugesagt hatten. Etwa 30 Insassinnen teilen sich einen kleinen Hof, auf dem wegen der mit Wäsche überladenen Trockenleinen kein Platz für die Gefangenen ist.

Die weiblichen politischen Gefangenen haben sich zudem über die vorhandenen (Überwachungs-)Kameras beschwert, weil wegen des Mangels an weiblichem Gefängnispersonal nicht klar sei, wer die Kameras kontrolliert. Aus Protest haben die Insassinnen alle (Überwachungs-)Kameras blockiert.

Seit ihrer Verlegung in die „Methadon-Abteilung“ im November haben die weiblichen politischen Gefangenen keinen Zugang mehr zu den Telefonen. Das Telefonverbot besteht trotz Protesten von Menschenrechtsaktivisten und den Gefangenen selbst weiter. Die Frauen dürfen lediglich ein Mal pro Woche für die Dauer von 20 Minuten mit ihren Familien sprechen – zumeist finden die Besuche in Kabinen statt [in denen Gefangene und Angehörige durch Glaswände voneinander getrennt sind, d. Übers.].

Einige der weiblichen politischen Gefangenen haben kleine Kinder, zu denen sie nur per Telefon Kontakt haben. Psychologen glauben, dass Besuche, bei denen die Kinder durch Glaswände von ihren Müttern getrennt sind, die Psyche der Kinder schädigen kann. Viele Familien versuchen nach Möglichkeit, die Kinder so selten wie möglich zu diesen Besuchen mitzubringen. Nachdem der Telefonkontakt gesperrt wurde, sind solche Besuche jedoch für die Kinder die einzige Möglichkeit, ihre Mütter zu sehen, weshalb die Familien gezwungen sind, die Kinder mitzunehmen.

Die weiblichen politischen Gefangenen müssen vieles aushalten. Nachdem sie eine Zeit in den vom Geheimdienstministerium und den Revolutionsgarden betriebenen Abteilungen des Gefängnisses verbringen mussten, wurde sie monatelang in der allgemeinen Abteilung mit gewöhnlichen Kriminellen zusammen festgehalten. Sowohl die Gefangenen als auch ihre Angehörigen hatten gegen die schwierigen Lebensumstände in den allgemeinen Abteilungen protestiert. Die Gefangenen durften nicht selbst kochen und waren gezwungen, das Gefängnisessen zu sich zu nehmen. Der eingeschränkte Zugang zum Gefängnisladen führte dazu, dass sie manchmal über lange Zeiträume hinweg kein Obst oder andere Nahrungsmittel erhielten. Weil es nur kaltes Wasser [zum Waschen] gab, bekamen Viele gesundheitliche Probleme.

Anstatt diese Probleme zu lösen, verlegten die Gefängnisbehörden die Frauen in eine geschlossene Halle innerhalb des Frauentrakts, um sich vom Kontakt mit der Außenwelt abzuschneiden. Die Frauen verbrachten mehr als 7 Monate in dieser als „Methadon-Trakt“ bekannten Halle – ohne Telefon, ohne regelmäßige Aufenthalte im Freien, ohne die im Gefängnis abgehaltenen kulturellen Kurse und ohne Zugang zur Bibliothek. Einige Frauen sprachen von Ähnlichkeiten zwischen der Methadon-Abteilung und der (vom Geheimdienst betriebenen) Abteilung 209, wo sie ihre Tage in einer kleinen abgeschlossenen Halle verbringen mussten.

Zur Zeit sind die weiblichen Gefangenen an einem anderen Ort untergebracht, in dem die Zustände zwar besser sind als im Methadon-Trakt, der aber dieselben (anhaltenden) Probleme aufweist. Das Leid der weiblichen Gefangenen hat in den letzten zwei Jahren in den Medien nur ein Minimum an Beachtung gefunden und kaum Proteste ausgelöst.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Committee of Human Rights Reporters, 16. September 2011
Übersetzung Persisch-Englisch: Davood Eftekhar

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Eine Antwort zu “Mangelhafte Zustände in Evins Frauentrakt bestehen weiter

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