Interview mit Abdollah Momenis Frau: „Nach seinem Brief an Khamenei ist seine Situation noch schlimmer geworden“

Abdollah Momeni vor Gericht (Sommer 2009)

Jaras, 1. Dezember 2011 – Neun Monate ist es her, dass der inhaftierte Sprecher der Alumni-Vereinigung „Advar-e-Tahkime Vahdat“, Abdollah Momeni, seinen letzten Hafturlaub genehmigt bekam.

Momeni wurde am 20. Juni 2009 in der Zentrale der „Freien Bürger“ (Anhänger des oppositionellen Präsidentschaftskandidaten von 2009 Mehdi Karroubi) verhaftet. Er wurde inhaftiert und mehr als 100 Tage lang in Einzelhaft gehalten, verhört und gefoltert.

Nach neun Monaten Haft erhielt Momeni im März 2010 einen kurzen (fünftägigen) Hafturlaub, wurde aber in dieser Zeit mehrfach von seinen Vernehmungsbeamten einbestellt, die von ihm verlangten, dass er in Presseinterviews und Vorträgen an Universitäten gegen die Führer der Grünen Bewegung, gegen „Advar-e Tahkim-e Vahdat und gegen die Studentenbewegung Position bezieht. Momeni lehnte dies ab und wurde zur Strafe wieder ins Gefängnis zurückgeschickt.

Zwei Mal trat Momeni während seiner Inhaftierung in den Hungerstreik. Mit anderen Gefangenen zusammen protestierte er in einem 15tägigen Hungerstreik gegen die Behandlung der politischen Gefangenen und ihrer Familien durch die Behörden.

Gemeinsam mit 11 weiteren politischen Gefangenen protestierte er mit einem ebenfalls 15 Tage dauernden Hungerstreik gegen den Tod [des Mitgefangenen] Hoda Saber, der im Gefängnis als Folge mangelnder medizinischer Behandlung gestorben war.

Im Sommer 2010 schrieb Momeni einen Brief an den Führer der Islamischen Republik [Ali Khamenei], in dem er die unerträglichen Folterungen beschrieb, denen er durch die Verhörbeamten unterzogen worden war. Der Brief wurde in den Medien veröffentlicht und fand ein großes Echo.

Später reichte Momeni bei der Justiz offiziell Beschwerde gegen seine Befrager, Richter Mortazavi und Richter Salavati (die mit seinem Fall befassten Richter) ein. Doch er landete erneut auf der Anklagebank und wurde wegen Störung der Öffentlichkeit durch Veröffentlichung von Lügen erneut angeklagt.

Zur Zeit sitzt Momeni in Abteilung 350 des Evin-Gefängnisses seine fünfjährige Haftstrafe ab.

Es folgt ein Interview, das die oppositionelle Webseite Jaras mit Momenis Ehefrau Fatemeh Adinehvand führte.

Frau Adinehvand, wie ist die allgemeine Situation und der Zustand Ihres Mannes?
Er wurde zwei Mal zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht, aber er hat immer noch Probleme mit seinem Gehör. Durch die Folter ist ihm ein Trommelfell gerissen, und auch das andere Ohr macht Probleme. Wir hoffen, dass sie die Fortsetzung seiner Behandlung genehmigen werden.
Leider hat Abdollah sich in der Einzelhaft wegen der unhygienischen Bedingungen auch ein Hautleiden zugezogen, das sich in den letzten 30 Monaten verschlimmert hat und ihn sehr quält.
Hätten die Behörden nur einen Funken Mitgefühl, würden sie ihm medizinisch begründeten Hafturlaub bewilligen, damit er sich behandeln lassen kann.

Wie lange ist es her, dass Herr Momeni Hafturlaub hatte?
Seit April 2010 war er nicht mehr draußen. In den 600 Tagen seiner Haft durften wir ihn nur drei Mal persönlich sehen. Er darf auch nicht telefonieren.
Meine Kinder vermissen ihren Vater und würden ihn gern sehen und mit ihm sprechen. Aber leider haben sie auf unseren Antrag auf Bewilligung persönlicher Besuche oder eines Hafturlaubs nicht geanwortet. Wir haben auch einen Gott.

Warum wird kein Hafturlaub für ihn genehmigt?
Abdollah glaubt, dass es wegen des Briefes ist, den er an den Führer geschrieben hat. Ich denke, dass auch seine Beschwerde gegen seine Verhörbeamten und Richter Mortazavi eine Rolle spielen. Ich finde es bedauerlich, dass ihm aufgrund persönlicher Differenzen seine Rechte entzogen werden. Abdollahs Situation hat sich seit diesem Brief an den Führer wesentlich verschlechtert.

Wie geht es Herrn Momeni unter all den von Ihnen beschriebenen Umständen?
Das Gefängnis ist kein guter Ort für einen Lehrer, aber er ist trotzdem guten Mutes.

Frau Adinehvand, Sie stammen aus einer Märtyrerfamilie und haben Ihren ersten Mann im Kampf um die Bewahrung der Unabhängigkeit Irans verloren. Worum würden Sie die Islamische Republik, die ihre Märtyrer nach wie vor hochhält, bitten?
Um gar nichts. Und in Anbetracht ihres bisherigen Vorgehens erwarte ich nicht, dass sie die Rechte von Gefangenen achten.
Wir haben bei der Staatsanwaltschaft Anträge auf Hafturlaub gestellt und die Genehmigung persönlicher Besuche beantragt, aber ich glaube nicht, dass die Entscheidungen dort getroffen werden. Ich glaube, dass die Entscheidungen an anderer Stelle fallen, und deshalb erwarte ich von ihnen überhaupt nichts.

Es ist bedauerlich, dass die Rechte der Menschen in einem islamischen Land so ohne weiteres mit Füßen getreten werden und dass es keine Gerechtigkeit gibt. Würden sie sich selbst nicht ebenfalls wünschen, dass ihre Kinder ihre Eltern sehen dürfen?

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle/Übersetzung ins Englische: Persian Banoo
Persisch: Jaras

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Eine Antwort zu “Interview mit Abdollah Momenis Frau: „Nach seinem Brief an Khamenei ist seine Situation noch schlimmer geworden“

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