Brief des inhaftierten Bloggers Hossein Ronaghi Maleki an den Teheraner Staatsanwalt

Hossein Ronaghi Maleki (undatiert)

RAHANA, 12. Dezember 2011 – Der im Hungerstreik befindliche inhaftierte Blogger und Menschenrechtsaktivist Hossein Ronaghi Maleki hat in einem offenen Brief an den Teheraner Staatsanwalt die Menschenrechtsverletzungen in Iran und die Ausübung von Druck auf politische Gefangene und ihre Familien kritisiert.
[Der schwer nierenkranke Hossein Ronaghi Maleki ist zu 15 Jahren Haft verurteilt, d. Übers.] . Der RAHANA vorliegende vollständige Wortlaut des Briefes:

Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt Herr Jafari Dowlatabadi,
mit respektvollen Grüßen.

Ich Seyed Hossein Ronaghi Maleki, Sohn des Seyed Ahmad, geboren am 5. Juli 1985, hatte Sie mit mehreren Schreiben über verschiedene Probleme in Kenntnis gesetzt: Meine Nierenerkrankung, die Verhöre, die Urteilsfällung, die Tatsache, dass Angeklagten erstinstanzliche Urteile nicht mitgeteilt werden, die Haftbedingungen und die Situation von kranken Gefangenen, der ungeklärte Status vieler Gefangener und die gegen die Gefangenen und ihre Familien eingesetzten zusätzlichen Druckmittel, Verhaftungen, Einzelhaft, die Nichtbeachtung und Nichtausführung von existierenden Gesetzen des Landes.

Da ich bis heute keine Lösung für diese Probleme gesehen habe, habe ich mich entschieden, meinen Protest mit anderen Mitteln fortzusetzen.

Herr Jafari Dowlatabadi,
kurz nach Beginn meines zweiten Haftjahrs bin ich am Freitag, dem 9. Dezember 2011 in einen Hungerstreik getreten, um dagegen zu protestieren, dass mir kein medizinischer Hafturlaub zwecks Behandlung meiner Nierenerkrankung gewährt wird, dass bedürftigen Gefangenen – wie Dr. Maasom Fardis – die notwendige medizinische Behandlung vorenthalten wird, dass Menschenrechtsaktivisten und -aktivistinnen wie z. B. Rojin Mohammadi verhaftet und unter Druck gesetzt werden, dass die Familien politischer Gefangener in problematische und schwierige Situationen gebracht wurden. Weiterhin unterstütze ich mit meinem Hungerstreik den inhaftierten Arbeiteraktivisten Reza  Shahabi, der mit einem Hungerstreik gegen seinen unsicheren und ungeklärten Status im Gefängnis protestiert. Ich protestiere mit meinem Hungerstreik ferner grundsätzlich gegen die an politischen Gefangenen begangenen Menschenrechtsverletzungen.

Eure Exzellenz, Herr Generalstaatsanwalt,
Nach zwei Jahren im Gefängnis, in denen ich geschwiegen habe, muss ich heute sagen, dass ich angesichts der kritischen gesundheitlichen Situation, in der ich selbst, Reza Shahabi, Dr. Maasom Fardis und andere kranke politische Gefangene sich befinden, zu dem Schluss gelangt bin, dass wir zu der beklagenswerten Situation der politischen Gefangenen und der Verstöße gegen ihre menschlichen Rechte nicht länger schweigen dürfen.

Meine eigene Gesundheit ist durch die schlechten Haftbedingungen und meinen Verbleib im Gefängnis ernstlich bedroht. Darum werde ich jetzt zum Mittel des Hungerstreiks greifen, das für politische Gefangene die einzige verfügbare Option ist, um ihre Rechte wiederzuerlangen.

Ich setze hiermit Sie und alle anderen darüber in Kenntnis, dass dies die von mir gewählte Methode des Protests gegen die oben genannten Zustände ist. Ich informiere Sie und alle anderen hiermit über die beklagenswerte Situation der politischen Gefangenen und teile Ihnen mit, dass ich bereit bin, jeden Preis zu zahlen, auch wenn es mich das Leben kosten sollte.

Mit respektvollen Grüßen

Seyed Hossein Ronaghi Maleki
12. Dezember 2011
Evin, Abteilung 350

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle/Englische Übersetzung: Persian Banoo
Persisch: RAHANA

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Eine Antwort zu “Brief des inhaftierten Bloggers Hossein Ronaghi Maleki an den Teheraner Staatsanwalt

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