6 iranische politische Gefangene mit Menschenrechtspreis des ICHR ausgezeichnet

ICHR, 15. Dezember 2011 – Das Internationale Menschenrechtszentrum (ICHR) hat heute bekanntgegeben, dass es den iranischen politischen Führer und politischen Gefangenen Heshmatollah Tabarzadi für seinen Einsatz für die Menschenrechte mit einem renommierten Preis ausgezeichnet hat. In den Bereichen „Studenten“, „Arbeiter“, „Kultur“, „Menschenrechte“ und „Rechtsbeistand“ wurden außerdem fünf weitere iranische Preisträger geehrt. Entgegengenommen wurden die Preise im Namen der inhaftierten Preisträger von bekannten Aktivisten bei einer Gala am 11. Dezember 2011.

 Heshmatollah Tabarzadi, Preisträger des ersten jährlichen Menschenrechtspreises des Internationalen Menschenrechtszentrums, ist Geschäftsührer des Internationalen Festivals Tirgan. In seinem Namen nahm Mehrdad Ariannejad den Preis bei der ersten Jahresgala am 11. Dezember 2011 entgegen. Heshmatollah Tabarzadi hat unter physischer und psychischer Misshandlung mehr als 16 Jahre in den Gefängnissen und vor den Gerichten der Islamischen Republik verbracht.

„Die Gewinner der Preise von 2011 sind nur einige der vielen Aktivistinnen und Aktivisten, die sich mit erheblichem Einsatz gegen Diktatur und Unrecht eingesetzt haben“, sagte ICHR-Direktor Hassan Zarezadeh Ardeshir. „Bei den vielen bekannten iranischen Aktivisten, die zur Zeit im Gefängnis sitzen, fiel die Entscheidung nicht leicht. Die achtköpfige Jury hat sich jedoch schließlich auf fünf Kandidaten für den Glas-Preis und einen Namen für den Kristall-Preis geeinigt. Der Kristall-Preis umfasst zusätzlich einen Geldpreis.“

Die inhaftierte Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotoudeh gewann den ICHR-Preis im Bereich „Anwälte für Menschenrechte“. Die iranische Menschernechtsaktivistin und Schriftstellerin Fereshteh Molavi nahm die Auszeichnung im Namen der Preisträgerin entgegen.

Der bekannte inhaftierte Studentenführer  Majid Tavakoli gewann den Preis für studentischen Aktivismus. Der frühere studentische Aktivist Salman Sima nahm den Preis für ihn entgegen.

Reza Shahabi wurde für den Bereich Arbeiterrechte zum Preisträger gewählt. Der Arbeiteraktivist Mehdi Kouhestani nahm den Preis für ihn entgegen.

Der inhaftierte Menschenrechtsaktivist Kouhyar Goudarzi gewann im Bereich „Menschenrechtsschützer“. Entgegengenommen wurde der Preis stellvertretend vom Menschenrechtsaktivisten Hassan Zerehi.

Im Bereich Kunst und Kultur wurde der inhaftierte Schauspieler Ramin Parchami ausgezeichnet. Der bekannte künstlerische Direktor und Schriftsteller Soheil Parsa nahm den Preis für ihn entgegen.

Die erste Jahresgala des International Center for Human Rights fand am Sonntag, dem 11. Dezember 2011 in der Royal Banquet Hall in Toronto statt. Bekannte Menschenrechtsaktivisten wie der Anwalt Mohammad Mostafaie, der frühere studentische Aktivist Ahmad Batebi, Morteza Abdolalian („Kanadische Journalisten für die Ausdrucksfreiheit“) Aubrey Harris (Amnesty International Kanada) , Kaveh Shahrouz, (Anwalt und früherer Menschenrechtsberater im Außenministerium) berichteten über die bedenkliche Menschenrechtslage in Iran. Außerdem wurden Botschaften von Dr. Reza Moridi und dem kanadischen Abgeordneten Paul Dewar verlesen.

Vorstellung der Preisträger

Nasrin Sotoudeh

Nasrin Sotoudeh ist eine bekannte Anwältin und Menschenrechtsaktivistin. Zur Zeit sitzt sie im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängis. Sie ist zu 6 Jahren Haft und 10 Jahren Berufsverbot als Juristin verurteilt. Ihr Verbrechen: Sie hat als Anwältin die Verteidigung vieler Menschenrechtsaktivisten übernommen, die nach der Präsidentschaftswahl von 2009 verhaftet und misshandelt wurden. Außerdem hatte sie viele zum Tode verurteilte jugendliche Straftäter verteidigt.

Nasrin Sotoudeh ist Mitglied des iranischen Zentrums für Menschenrechte, der Kampagne „Eine Million Unterschriften“ gegen frauendiskriminierende Gesetze, sowie der Gesellschaft zum Schutz der Rechte von Kindern.

Sotoudeh wurde im September 2010 verhaftet und verbrachte lange Perioden in Einzelhaft. Seit ihrer Verhaftung trat sie mehrfach in den Hungerstreik, um gegen illegale Methoden der iranischen Behörden zu protestieren.

2011 wurde Nasrin Sotoudeh mit dem „PEN/Barbara Goldsmith Freedom to Write Award“ ausgezeichnet. ICHR zeichnet sie für ihren nachdrücklichen Einsatz gegen Menschenrechtsverstöße in Iran aus.

Majid Tavakoli

Majid Tavakoli, ein bekannter Studentenführer, studierte Schiffbau an der Teheraner Amir-Kabir-Universität. Er wird in dem für seine furchtbaren Haftbedingungen bekannten Gefängnis Rajai Shahr in Karaj festgehalten.

Majid wurde am 7. Dezember 2009 nach einer Rede anlässlich des iranischen Tages der Studenten unter Gewaltanwendung verhaftet. Er hatte in seiner Rede Kritik an hochrangigen Offiziellen und dem obersten Führer Ali Khamenei geübt. Im Evin-Gefängnis wurde er zunächst über lange Zeiträume in Einzelhaft genommen und psychisch und körperlich schwer gefoltert. Aus Protest gegen das illegale Vorgehen der Behörden trat er mehrfach in den Hungerstreik und erlitt in der Folge zum Teil schwere gesundheitliche Probleme.

Zum ersten Mal verhaftet wurde Majid Tavakoli im Jahre 2007, nachdem er gegen einen Besuch des Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad an der Universität  protestiert hatte. Zum zweiten Mal wurde er im März 2009 bei einer Gedenkzeremonie für Mehdi Bazargan verhaftet. Er verbrachte 115 Tage in Einzelhaft und wurde nach Hinterlegung einer hohen Kaution schließlich freigelassen.

Der mutige Studentenführer ist für viele Menschen auf der ganzen Welt zu eienr Inspiration geworden und hat die Hoffnung auf einen Sieg [der Freiheitsbewegung] in den Herzen vieler Iraner am Leben erhalten. ICHR zeichnet ihn für seinen unermüdlichen Einsatz für den Erhalt der iranischen Zivilgesellschaft aus.

Reza Shahabi

Der Arbeiteraktivist Reza Shahabi ist Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Beschäftigten der Busbetriebe im Großraum Teheran. Im Juni 2010 verhafteten vier Sicherheitsagenten ihn an seinem Arbeitsplatz und brachten ihn ins Evin-Gefängnis. Seit nunmehr 18 Monaten befindet sich Reza Shahabi dort ohne Verurteilung in einem unklaren juristischen Status.

Mehrfach trat Reza Shahabi im Gefängnis in den Hungerstreik. Sein letzter Hungerstreik begann vor 16 Tagen. Er protestiert damit gegen seine ungewisse Situation und die unerträglichen Haftbedingungen. Nach Angaben seines Bruders will Reza Shahabi seinen Hungerstreik so lange fortsetzen, bis sein Status geklärt und die Haftbedingungen verbessert wurden.

Berichten zufolge soll sein Gesundheitszustand sich lebensbedrohlich verschlechtert haben. Er leidet an einer entzündlichen Knochenerkrankung, niedrigem Blutdruck sowie Herz- und Leberproblemen. Während seiner Haft entwickelte er eine degenerative Arthritis, in deren Folge er linksseitig gelähmt ist.

Reza Shahabi hat sich unermüdlich für Gerechtigkeit eingesetzt. ICHR ehrt seinen beharrlichen Einsatz für die Rechte der Arbeiter in Iran.

Kouhyar Goodarzi

Der Menschenrechtsaktivist und studentische Aktivst, Blogger und Freelance-Journalist  Kouhyar Goudarzi wurde bereits mit Preisen augezeichnet. Von seinem  Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Sharif-Universität wurde er ausgeschlossen. Wegen seiner Menschenrechtsaktivitäten und seiner Mitgliedschaft in der Organisation „Committee of Human Righst Reporters“ wurde er der Universität verwiesen.

Am 20. Dezember 2009 wurden Kouhyar und andere Aktivisten auf dem Weg zur Beerdigung von Ayatollah Montazeri verhaftet. Nach mehr als 5 Monaten vorläufigern Gewahrsams und schwerer physischer und psychischer Folter in Evin wurde er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Am 14. Dezember 2010 wurde er freigelassen.

Am 31. Juli 2011 wurde Kouhyar Goudarzi erneut verhaftet. Am nächsten Tag wurde auch seine Mutter festgenommen und ins Gefängnis von Kerman gebracht. Kouhyar Goudarzis Fall ist ein Fall von erzwungenem Verschwinden – die iranischen Behörden haben sich bis heute nicht zu seinem Verbleib geäußert. Inoffiziellen Quellen zufolge soll Kouhyar derzeit im Evin-Gefängnis sein.

Der mutige und selbstlose Menschenrechtsaktivist wird von ICHR für die vielen Opfer geehrt, die er für eine hoffnungsvollere Zukunft Irans gebracht hat.

Ramin Parchami

Ramin Parchami ist ein bekannter iranischer Schauspieler. Er wurde bei den Demonstrationen am 14. Februar 2011 festgenommen, nachdem er in einer Menschenmenge erkannt und von Zivilagenten mehrfach zum Verlassen der Demonstration aufgefordert worden war.

Ein Zeuge, der beim Transfer Parchamis ins Evin-Gefängnis dabei war, berichtete, dass er auf dem Weg durch den Gefängniskorridor laut gerufen habe: „Freiheit für alle politischen Gefangenen!“, was den anderen politischen Gefangenen Mut gemacht habe.

Parchami wurde vom Teheraner Revolutionsgericht zu einem Jahr Haft verurteilt und sitzt zur Zeit im Evin-Gefängnis, wo er auch die Folter der Einzelhaft erleben musste.

Parchami hat in vielen Filmen und Fernsehserien mitgespielt und arbeitete bis letztes Jahr als Redakteur für das Wochenmagazin für Kunst und Kultur „Naghsh Afarinan“.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Center for Human Rights in Iran

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