101 Namen von hingerichteten Gefangenen veröffentlicht

Zamaaneh, 5. Januar 2012 – Die Webseite „International Campaign for Human Rights in Iran“ [ICHRI] hat Namen von 101 Gefangenen veröffentlicht, die zwischen Juni und Dezember 2010 im Gefängnis Vakilabad in der iranischen Stadt Mashhad heimlich hingerichtet wurden. Die Liste ist ICHRI zufolge das Ergebnis unermüdlicher Nachforschungen und Beiträge von Aktivisten vor Ort und informierter Quellen, die mit der Weitergabe ihres Wissens ein hohes persönliches Risiko eingegangen sind.

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi bezeichnet heimliche Hinrichtungen als Exekutionen ohne ein vorangegangenes faires Gerichtsverfahren und ohne Wissen der Anwälte und Familien der Gefangenen.

Im Dezember 2011 hatte Justizchef Ayatollah Sadegh Larijani kategorisch bestritten, dass es in Iran heimliche Massenhinrichtungen gibt. „Alle Hinrichtungen werden meinem Büro mitgeteilt… Wenn jemand Informationen über Hinrichtungen hat, die irgendwo heimlich und ohne Wissen der Angehörigen vollstreckt wurden, soll er uns dies wissen lassen – wir werden das untersuchen.“

ICHRI hat die Namen von 101 Personen ermittelt, die zwischen Juni und Dezember 2010 im Gefängnis Vakilabad ohne offizielle Ankündigung hingerichtet wurden. Damit werden die Namen dieser Gefangenen erstmals an die Öffentlichkeit gebracht.

Dem Bericht zufolge wurden die Todeskandidaten von den Gefängnisbeamten nur wenige Stunden vor der Urteilsvollstreckung informiert. „Die Gefangenen wurden in der Abenddämmerung in einem nicht überdachten Korridor gehängt, der zu den Besuchsräumen des Gefängnis führt. Verstärkt wurde der Eindruck der Heimlichkeit dadurch, dass Stunden vor den Hinrichtungen die Telefone abgestellt wurden und kein telefonischer Kontakt mehr möglich war.“

Die Gerichtsmedizin soll die Totenscheine schon bis zu einem Tag vor der Hinirchtung ausgestellt und als Todesursache „legalen Mord“ angegeben haben.

Die Todesurteile wurden mehrheitlich mit Drogendelikten begründet. Viele der Gefangenen in Vakilabad waren Ausländer aus Afghanistan, Ghana, Nigeria und anderen Ländern, denen der Zugang zu ihren diplomatischen Vertretungen verwehrt wurde.

Internationale Organisationen, darunter auch die Vereinten Nationen, haben die heimlichen Hinrichtungen in Iran verurteilt. Der im Oktober 2011 veröffentlichte Zwischenbericht des UN-Sonderberichterstatters für Menschenrechte in Iran, Ahmad Shaheed, bezeichnete die Praxis der heimlichen Hinrichtungen als schwerwiegenden Rechtsverstoß.

„Angesichts der rasant zunehmenden Hinrichtungen auf der Grundlage unfairer Gerichtsprozesse und undurchsichtiger juristischer Verfahren ist es an der Zeit, dass Iran ein Moratorium (für Hinrichtungen) verhängt und sich dem wachsenden Trend zu einer Abschaffung [der Todesstrafe] anschließt“, erklärt ICHRI-Sprecher Hadi Ghaemi.

(Laut ICHRI-Bericht wurden 365 Hinrichtungen seit Januar 2010 ermittelt, d. Übers.)

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Zamaaneh
Bericht von ICHRI: http://www.iranhumanrights.org/2012/01/vakilabad-101/

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