Ex-IRGC-Kommandant Alaei: „Mein Artikel wurde falsch interpretiert“

Hossein Alaei

RFE/RL, 16. Januar 2012 – Der wegen eines Artikels in die Kritik geratene ehemalige IRGC-Befehlshaber Hossein Alaei hat erklärt, er habe nicht beabsichtigt, das geistliche Establishment in der Islamischen Republik mit der Pahlavi-Monarchie zu vergleichen. In einer auf iranischen Nachrichtenseiten veröffentlichten Stellungnahme schreibt Alaei, er habe ein Bild von dem repressiven und diktatorischen Verhalten des durch die Revolution von 1979 gestürzten Schahs zeichnen wollen.

Alaeis Artikel war sowohl vom erzkonservativen Lager in Iran als auch von Regimegegnern innerhalb und außerhalb des Landes als Kritik an Entscheidungen des obersten iranischen Führers Ayatollah Khamenei gewertet worden. Unter anderem werden in dem Artikel die Gewaltanwendung gegen Demonstranten und das Verbot friedlicher Demonstrationen der Opposition genannt. [Außerdem auch der Hausarrest für Oppositionelle, d. Übers.]

Nach Beobachtermeinung ist Alaeis Artikel eine Warnung an die Adresse Khameneis, dieser könnte wie der Schah ins Exil gezwungen werden, wenn er aus seinen Fehlern nicht lerne.

Zwölf Befehlshaber der Revolutionsgarden hatten mit Bedauern auf den Brief reagiert, der ihrer Ansicht nach den Feinden Irans eine Freude gemacht haben müsse. Dutzende Hardliner hatten vor Alaeis Haus einen Protest veranstaltet.

Als Reaktion auf die Kritik und die Angriffe schreibt Alaei nun, sein Artikel sei falsch interpretiert worden. „Einige inländische Medien haben leider mit ihren Interpretationen den ausländischen Medien den Weg geebnet, alles zu sagen, was sie wollen und meinen Artikel nach ihrem Gutdünken zu interpretieren“, schreibt er. Er werde weiterhin gegen Despotismus kämpfen, die wahre Natur der Islamischen Revolution verteidigen und sich gegen die Dominanz der Vereinigten Staaten stellen, wie er es sein ganzes Leben getan habe, so Alaei. Die Unterstützung des Prinzips der Velayat-e Faghih – der Herrschaft des obersten Führers – bewahre Iran vor jedem Schaden.

Gegenüber der Rubrik „Persian Letter“ erklärte ein iranischer Analyst, Alaei versuche, den Druck der letzten Tage zu mildern, weiche aber keinesfalls zurück. „Er erweist der Islamischen Revolution die Ehre und legt ein Lippenbekenntnis zum Velayat-e Faghih ab, wiederholt aber gleichzeitig seinen Standpunkt, wenn auch sanfter“.

In seinem Artikel äußert sich Alaei voll des Lobes für den Begründer der Islamischen Republik, Ayatollah Rouhollah Khomeini, dessen Führung und  Leitung der Revolution. Khomeinis Nachfolger Khamenei erwähnt Alaei nicht.

„Genau hier liegt die Ironie“, so der Analyst. „Er könnte damit implizieren, dass Khamenei nicht der wahre Nachfolger Khomeinis und dessen velayat-e faghih ist. Genau dies sagen auch viele Reformer. Sie glauben, dass die Dinge anders lägen, wenn Khomeini noch am Leben wäre.“

In ihrer Ausgabe vom 16. Januar kritisiert die ultrakonservative Khamenei-treue Tageszeitung Kayhan Alaeis ersten Artikel und äußert die Hoffnung, seine darauf folgende Stellungnahme sei ein „erster Schritt“ zur Rückkehr auf den rechten Weg.

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty

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