Ex-Abgeordneter fordert “aktive Kritik” am Führer

Emad Afrough

Zamaaneh, 18. Januar 2012 – Ein früherer iranischer Parlamentsabgeordneter hat öffentlich die “fehlende aktive Kritik” des politischen Systems verurteilt und Möglichkeiten zu Kritik am obersten Führer geäußert und damit im iranischen Establishment für Unruhe gesorgt.

Emad Afrough hatte am Sonntag in einem Auftritt im iranischen Nationalfernsehen beklagt, es gebe keine Möglichkeiten, die Regierung und ihre Politik zu kritisieren und mit Offiziellen in einen kritischen Dialog zu treten.

Der konservative Abgeordnete Hamid Rezai erklärte am Dienstag vor dem Parlament, es sei nicht Sache des staatlichen Fernsehens, derartige Äußerungen zu senden.

Während Rezais Empörung bei vielen Abgeordneten Anklang fand, unterstützte Mostafa Kavakebian von der Minderheitenfraktion die Sendung und sagte: “Herrn Afroughs Kritiker wollen nur ihre eigenen Stimmen hören.”

Afrough hatte erklärt, seine Ansichten würden sich innerhalb des Rahmens der “Werte und Grundsätze der Islamischen Revolution, der Gedanken des Revolutionsführers und des Obersten Führers” bewegen. Er forderte das Parlament zu einer Reaktion auf.

Weiterhin kündigte er an, seine Äußerungen zu veröffentlichen, um sie zur Diskussion zu stellen.

Er sei zutiefst beunruhigt über die “wachsende Kluft zwischen Regierung und Öffentlichkeit”, so Afrough.

Afrough erklärte unter Berufung auf mehrere religiöse Quellen sowie den Führer der Revolution von 1979, Ayatollah Khomeini, das Volk habe das Recht, den islamischen Führer zu “beraten”.

“Wenn ein Mitglied der Gesellschaft den Führer hinterfragen möchte, hat er oder sie das Recht dazu. Der Führer muss dazu Stellung nehmen oder seiner Position enthoben werden.”

Offene Kritik am obersten iranischen Führer ist ein empfindlicher Punkt für das iranische Establishment. In den letzten Jahren sind viele Bürger ins Gefängnis gekommen, weil sie Khamenei kritische Briefe geschrieben hatten.

Erst vor Kurzem hatte der ehemalige IRGC-Kommandant Hossein Alaei in einem Artikel indirekt die Arbeit Ayatollah Khameneis im Zusammenhang mit der umstrittenen Präsidentschaftswahl von 2009 kritisiert und damit heftige Reaktionen im Lager der Führungstreuen ausgelöst. Vor Alaeis Haus kam es zu Protesten, die Wände wurden mit Schmähparolen beschmiert.

Alaei erklärte später, sein Artikel sei fehlinterpretiert worden.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Zamaaneh

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