Voll im Trend: Witze über Wächterratschef Jannati

RFE/RL, 24. Januar 2012  – „Ayatollah Ahmad Jannati, der Vorsitzende des mächtigen Wächterrats, ist der älteste Mann Irans. Niemand weiß, wann er geboren wurde. Er soll schon vor Adam und Eva auf der Erde gelebt haben…“ Das ist der Tenor unzähliger Witze über den führenden Geistlichen, der etwa Mitte Achtzig ist.

„Jannati ist im Besitz eines Exemplars der Thora mit Moses‘ Unterschrift“ heißt es in einem dieser Witze. In einem anderen sagt Jannati im Gespräch mit Wissenschaftlern: „Für euch ist der Urknall nur eine Theorie. Für mich ist er eine Erinnerung!“ In einem weiteren Witz spricht Ayatollah Jannati mit der Nachrichtenagentur Fars News über seine Erinnerungen an das Aussterben der Dinosaurier.

Die Witze über Jannati hängen offenbar damit zusammen, dass er sich seit drei Jahrzehnten als eine der Schlüsselfiguren auf der politischen Bühne Irans hält. Als Vorsitzender des Wächterrats – ein Posten, den er seit 1988 innehat – war und ist Jannati aktiv am Verbot politischer Reformen und an der Disqualifizierung reformorientierter und liberaler Wahlkandidaten beteiligt.

Der Soziologe Saeed Peivandi glaubt, dass Jannatis „negative Rolle“ und seine fehlende Verbindung mit den Realitäten in Iran mit seiner jungen Bevölkerung die Hauptgründe für die vielen Witze über sein Alter ist.

„Es gibt noch andere Persönlichkeiten, die ähnlich lange wie Jannati in der iranischen Politik aktiv sind, auch wenn sie vielleicht nicht so alt sind wie er“, so Peivandi. „Aber im Gegensatz zu ihm haben sie ihre Standpunkte verändert und ihre Ansichten weiterentwickelt. Der einzige, der wie ein Kassettenrekorder immer wieder dieselben alten Sachen wiederholt, ist Jannati. Das ist für die Öffentlichkeit manchmal schwer zu ertragen, und Humor ist der einzige Weg, um sich dagegen zu wehren.“

Konservative Medien schlagen zurück
Die Vielzahl der Witze über den uncharismatischen Geistlichen und das Tempo, mit dem sie sich über Mundpropaganda, Textbotschaften und soziale Medien verbreiten, hat einige konservative Medien zu Reaktionen veranlasst.

Die Wochenzeitung Panjareh – assoziiert mit einem konservativen Parlamentarier – schrieb letzte Woche, die Witze seien ein „Plot gegen die bevorstehenden Parlamentswahlen” und sollten den Wächterrat beschädigen. „Warum ist Ayatollah Jannati in den letzten Monaten zur Zielscheibe so vieler Witze geworden? Wollen sie seine wissenschaftliche und  politische Karriere abtragen?“

Mohammad Mousavi Khoeniha, ein früherer iranischer Staatsbeamter und Vorsitzender der Reformpartei „Vereinigung Streitbarer Geistlicher“, machte sich kürzlich auf seiner Webseite  lustig über Jannati. Nach den bevorstehenden Parlamentswahlen gefragt, antwortete er: „Es gibt zwei  Dinge, die auf dieser Welt Bestand haben: Das Eine ist ein guter Ruf, das Andere ist Ayatollah Jannati.“

Witze über Führer sind nichts neues
Die Iraner haben sich immer schon über ihre Führer lustig gemacht. In den ersten Jahren nach der Revolution von 1979 galten viele Witze dem designierten Nachfolger des Begründers der Islamischen Republik, Ayatollah Montazeri, der später ein berühmter Regimekritiker wurde und unter Hausarrest stand. Montazeri galt als naiv. Der Großayatollah, der nach der Wahl von 2009 zu einem Paten der Grünen Oppositionsbewegung wurde, würdigte die über ihn kursierenden Witze in einem Interview, das nach seinem Tode von BBC Persian ausgestrahlt wurde.

In den letzten Jahren wurde der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad zum Gegenstand des Spottes. Oft geht es in den Witzen um sein Erscheinungsbild oder seine umstrittenen und ungewöhnlichen Äußerungen.

Nun allerdings scheint Jannati Ahmadinejads Platz als beliebteste Witzfigur eingenommen zu haben.

Der Wochenzeitung Baztab zufolge tauchten die ersten Witze über den Geistlichen letztes Jahr auf, nachdem der Wächterrat Gerüchte dementiert hatte, dass Jannati nach schwerer Krankheit verstorben sei. Offenbar schlossen viele Iraner daraus, dass der erzkonservative Geistliche, der manchmal auch die Freitagsgebete in Teheran leitet, auf ewig unter ihnen weilen wird.

Jedenfalls gibt es eine Menge Witze darüber, wie der Todesengel Azrael vergeblich Pläne schmiedet, um Jannati ins Jenseits zu befördern.

In einem brandneuen Witz aus Teheran bittet Azrael seine Erzengelkollegen um Hilfe, um Jannati endlich zu kriegen.“Gabriel, du stellst dich am Anfang der Straße auf, Michael in die Mitte, und Israfel und ich beziehen am Ende der Straße Stellung.“

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Radio Free Europe/Radio Liberty

2 Antworten zu “Voll im Trend: Witze über Wächterratschef Jannati

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