Islamische Republik nimmt Tötungsprogramm gegen iranische Dissidenten wieder auf

Rooz, 10. Februar 2012 – Berichten zufolge hat die Islamische Republik Iran sich die Tötung iranischer politischer Aktivisten im Ausland wieder auf die Agenda geschrieben. Auf der Liste stehen u. a. Dr. Abdolkarim Soroush und die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. Andere Aktivisten haben telefonisch oder per E-Mail Todesdrohungen erhalten.

Rooz vorliegenden Berichten zufolge steht die Tötung mehrerer bekannter iranischer Oppositioneller auf der Agenda des Geheimdienst- und Sicherheitsapparates der Islamischen Republik. Zudem sollen Berichten zufolge kürzlich zwei Ausländer außerhalb Irans verhaftet und von örtlichen Polizisten befragt worden sein. Sie hatten Informationen über eine/n iranische/n Oppositionelle/n in diesem Land gesammelt.

Rooz hat Informationen darüber erhalten, dass sich unter den Personen, die aus dem Umfeld des iranischen Regimes Todesdrohungen erhielten, u. a. Shirin Ebadi, Abdolkarim Soroush und ein übergelaufener ehemaliger führender iranischer Offizieller der Islamischen Republik befinden.

Auch mehrere im Ausland lebende iranische politische Aktivisten und Journalisten sind per E-Mail bedroht worden. Einige dieser E-Mails wurden aus den iranischen Botschaften der jeweiligen Aufenthaltsländer der Aktivisten versandt. Den Aktivisten wird darin nahegelegt zu schweigen, anderenfalls müssten sie für ihre Aktionen und Erklärungen mit Konsequenzen rechnen.

Während sich die Beziehungen zwischen Teheran und dem Westen verschlechtern und in den Medien ausführlich über die Möglichkeit eines Militärschlages gegen den iranischen Militärapparat diskutiert wird, mehren und verstärken sich Kommentatoren zufolge derartige Drohungen gegen Dissidenten im Ausland. Einige Analysten meinen, dass es nach den jüngsten Mordanschlägen auf iranische Wissenschaftler und Atomexperten um die Stimmung der iranischen Belegschaften in den Nuklearanlagen des Landes schlecht bestellt ist und dass das Regime mit einem Rachefeldzug die Moral der Mitglieder der nuklearen Community aufbauen möchte.

Nach der scharfen Reaktion europäischer Länder auf die Ermordung iranischer politischer Aktivisten und Kurdenführer durch die Islamische Republik im Berliner Restaurant „Mykonos“ und dem Amtsantritt des reformorientierten Präsidenten Mohammad Khatami hatte Iran sein Tötungsprogramm gegen Aktivisten im Ausland eingestellt. Diese Mordmissionen des iranischen Geheimdienstministeriums wurden in Gerichtsverfahren von mehreren Geheimdienstmitarbeitern bestätigt. Die Prozesse fanden in Iran statt, nachdem in ganz Iran mehrere bekannte iranische Dissidenten und ehemalige politische Führer Ende der 1980er Jahre brutal ermordet worden waren („Kettenmorde“).

Von einem in Frankreich lebenden iranischen Journalisten erfuhr Rooz, dass er per E-Mail und telefonisch Todesdrohungen erhalten habe. „Sie schrieben, dass es kein Problem für sie sei, dass ich im Ausland lebe. Sie könnten uns ohne Schwierigkeiten jederzeit wieder zurück ins Land bringen“, berichte der Journalist. Er habe zwar bei der französischen Polizei Anzeige erstattet, könne aber dennoch nicht ausschließen, dass das Regime seine Drohungen wahr macht. Solche Drohungen seien ein Hinweis darauf, dass die Islamische Republik ernstlich geschwächt und deshalb dazu übergegangen sei, ihre Gegner zu bedrohen, so der Journalist.

Unter den Iranern, die bei der örtlichen Polizei [ihrer Aufenthaltsländer] Drohungen zur Anzeige gebracht haben, befinden sich zwei Überläufer, die früher führende Positionen im iranischen Regime innehatten.

Leyla Tayyeri

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Rooz Online

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2 Antworten zu “Islamische Republik nimmt Tötungsprogramm gegen iranische Dissidenten wieder auf

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