Historischer Betrugsprozess beginnt in Iran

Zamaaneh, 19. Februar 2012 – Heute begann der Prozess gegen die Verdächtigen im 3-Milliarden-Dollar-Bankbetrugsskandal in Iran. Hauptverdächtiger ist Mah Afarid Amir Khosravi, dem das Vergehen der „Verderbnis auf Erden“ vorgeworfen wird, das mit der Todesstrafe geahndet werden kann.

Iranischen Medienberichten zufolge wurde,der Prozess heute Morgen unter Vorsitz von Richter Naser Seraj eröffnet. Vier der sechs Strafverteidiger sind Frauen, zwei sind Geistliche. Laut der 12 000 Seiten starken Prozessakte sind 32 Personen in den Veruntreuungsskandal verwickelt.Der Betrugsfall gilt als größter in der iranischen Geschichte und war im vergangenen August bekannt geworden. Die Handelsfirma Amir Mansour Khosravi gilt als „Haupttäter“ in dem Skandal. Mehrere Bankvorstandsmitglieder wurden entlassen oder traten zurück, der Chef der Bank Melli floh aus Iran und hält sich derzeit in Kanada auf. Der stellvertretende Chef der iranischen Zentralbank sowie mehrere weitere Bankmitarbeiter stehen sich im Zusammenhang mit dem Fall unter Arrest.

Ermittelt wird außerdem gegen mehrere Regierungsbeamte und Parlamentsabgeordnete.

Der Teheraner Staatsanwalt verlas die Anklageschriften und forderte die Höchststrafe für alle Angeklagten, denen „Verderbnis auf Erden“ zur Last gelegt wird. Er geht davon aus, dass die Beschuldigten einen komplexen Plan zur Anhäufung von Milliarden „illegalen Reichtums“ verfolgten.

Die Anklageschrift wurde vom Stellvertreter der Staatsanwaltschaft verlesen. Die Anklagepunkte wurden als gleichwertig mit dem Tatbestand des „Volksverrats und Verrats am Regime der Islamischen Republik“ eingestuft.

Mah Afarid Amir Khosravi sagte in seinem Plädoyer, er akzeptiere die Anklagen nicht „grudnsätzlich“. Er gebe jedoch zu, dass es zu mehreren „Verstößen“ gekommen sei und übernehme die Verantwortung dafür; es sei allerdings nicht fair, seine Mitarbeiter zu beschuldigen.

Er protestierte gegen die Methoden seines Verhörs und erklärte, er habe mehr als 6 Monate in Einzelhaft verbracht, keinen der [den Fall betreffenden] Berichte gelesen und nur zwei Stunden Zeit für Gespräche mit seinem Anwalt gehabt, was nicht ausgereicht habe.

Auch die Verteidigung kritisierte das Gericht, weil es nicht genügend Zeit für Konsultationen mit den Klienten und die Vorbereitung des Falls gewährt hatte. Der Richter wies die Beschwerden mit Verweis auf Richtlinien des Schlichtungsrates ab.

Die Verteidigung erklärte, es sei ihr nicht möglich, zum Anklagepunkt der „Verderbnis auf Erden“ eine Verteidigung zu präsentieren, da sie die staatliche Anklage [„the state’s case“] nicht habe lesen können.

Amir Khosravi räumte ein, den früheren Chef der Bank Melli Mahmoudreza Khavari sowie weitere Beamte in verschiedenen Ministerien und Banken bestochen zu haben. Er gab zu, sich persönliche finanzielle Vorteile verschafft zu haben, erklärte aber, sein Handeln könne nicht als Verrat angesehen werden, da er das Geld nicht ins Ausland geschafft habe.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Zamaaneh

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