Inhaftierter iranischer Blogger Khazali verstärkt Hungerstreik, verweigert Aufnahme von Flüssigkeit

Mehdi Khazali

RFE/RL, 7. März 2012 – Die Sorge um den seit etwa 60 Tagen aus Protest gegen seine Inhaftierung im Hungerstreik befindlichen Blogger Mehdi Khazali wächst. Seine Entschlossenheit hat ihn zu einem Helden der iranischen Oppositionsbewegung werden lassen. Khazali hat geschworen, seinen Hungerstreik erst zu beenden, wenn er freigelassen wird.

Nach Berichten der oppositionellen Webseite Kalemeh hat Khazali seinen Protest nun verstärkt und verweigert nicht nur die Nahrungsaufnahme, sondern auch die Zufuhr von Flüssigkeit.

Khazali, der Sohn des erzkonservativen Geistlichen Ayatollah Khazali, war am 9. Januar verhaftet und später zu 14 Jahren Haft verurteilt worden.

Sein Vater hat sich öffentlich von seinem Sohn distanziert und ihm vorgeworfen, vom rechten Weg abgekommen zu sein.

Der kritische Blogger Ophtalmologe Mehdi Khazali ist in den letzten drei Jahren wegen seiner Kritik am iranischen Establishment immer wieder inhaftiert und wieder freigelassen worden. Vor seiner [letzten] Verhaftung hatte Khazali einen Boykott der Parlamentswahlen gefordert, die am vergangenen Freitag stattfanden.

Im vergangenen Monat hatte er aus dem Gefängnis heraus einen Brief veröffentlicht, in dem er die Haftbedingungen iranischer Gefangener und die unfairen Gerichtsprozesse beschreibt, die viele von ihnen erlebt haben. Mehrere seiner Mitgefangenen seien in Verfahren, die nur 2 Minuten dauerten und ohne belastbares Beweismaterial durchgeführt wurden, zu 17 Jahren Haft verurteilt worden:

„Viele sitzen nur hier ein, weil sie Meinungsverschiedenheiten mit hochrangigen Beamten hatten. Sie werden physisch und mental unter Druck gesetzt, damit sie gestehen, mit ausländischen Geheimdiensten in Verbindung zu stehen.“

Khazalis Sohn teilte Ende Februar mit, dass sein Vater in ein Krankenhaus eingeliefert worden sei, nachdem sein Gesundheitszustand sich verschlechtert hatte. „Als wir ihn im Krankenhaus sahen, konnten wir nicht glauben, dass er es war“, sagte der Sohn gegenüber der Webseite  International Campaign for Human Rights in Iran am 24. Februar . „Er hat unglaublich abgenommen, er war so dünn. Wir haben Angst, dass ihm etwas Schlimmes zustößt.“

Das Mittel des Hungerstreiks ist für politische Gefangene eines der letzten Mittel des Protestes. Oft wird ihnen ohne Zugang zu einem Rechtsbeistand der Prozess gemacht.

Der ehemalige erzkonservative Kolumnist und Dokumentarfilmer Mohammad Nourizad hatte Khazali letzte Woche aufgerufen, seinen Hungerstreik zu beenden. Nourizad, der während seiner eigenen Haft ebenfalls mit einem Hungerstreik gegen seine Haftbedingungen protestiert hatte, sagte gegenüber RFE/RL, er habe seinen offenen Brief auf Bitten von Khazalis 16jährigem Sohn verfasst, der in großer Sorge um seinen Vater ist. Er glaube allerdings nicht, dass derartige Briefe etwas an Khazalis Entschlossenheit ändern können.

„Menschen, die [im Gefängnis] in so einer Situation sind, schenken solchen Dingen keine Aufmerksamkeit. Als ich im Hungerstreik war, kamen einige Gefangene an meiner Zelle vorbei, und einer von ihnen rief, dass mehrere Politiker wollen, dass ich meinen Hungerstreik beende. In diesem Moment war es für mich so, als hätte ich ihn gar nicht gehört“, so Nourizad. Khazalis ergehe es vermutlich im Moment ähnlich.

Unter Oppositionellen genießt Nourizad großen Respekt für seine Kritik an der Niederschlagung der Proteste nach der Präsidentschaftswahl von 2009 und den Menschenrechtsverletzungen in Iran.

In mehr als 25 Briefen, die er auf seiner Webseite und in sozialen Medien veröffentlichte,  hat Nourizad im Verlauf der letzten Monate den iranischen  obersten Führer kritisiert.

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty

Eine Antwort zu “Inhaftierter iranischer Blogger Khazali verstärkt Hungerstreik, verweigert Aufnahme von Flüssigkeit

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