Iranische Behörden erteilen keine Genehmigung für Zeremonie zu Ehren von Oscar-Gewinner Farhadi

Asghar Farhadi (M.) mit Hauptdarsteller Peyman Maadi (l.) und Kameramann Mahmoud Kalari

RFE/RL, 12. März 2012 – Iranische Behörden haben die Genehmigung für eine geplante Ehrung des Regisseurs verweigert, der im vergangenen Monat den ersten iranischen Oscar überhaupt gewonnen hatte.

Wie die iranische Nachrichtenagentur ILNA berichtet, wurde die geplante Zeremonie für Asghar Farhadi und seinen Film „Eine Trennung“ am 12. März unerwartet abgesagt, nachdem die Organisatoren die erforderliche Genehmigung nicht bekommen hatten. „Eine Trennung“ war im Februar bei den Academy Awards als bester ausländischer Film augeszeichnet worden.

Geplant worden war die Veranstaltung vom Zentrum für Regisseure des Iranischen Kinos und dem Obersten Rat der Iranischen Filmproduzenten. In einer Erklärung äußern die Regisseure Bedauern:

„Lieber Asghar Farhadi, wir hatten ein einfaches und freundschaftliches Zusammentreffen geplant, um uns für Ihre große Leistung zu bedanken, die Sie kurz vor dem iranischen neuen Jahr für Iran und das iranische Kino erbracht haben. Doch die Hüter der Kultur haben uns nicht gelassen. Es tut uns Leid. So ist es leider.“

Teheran hatte Asghar Farhadis Oscar als iranischen Triumph über Israel gefeiert, weil auch ein Film eines israelischen Regisseurs (Joseph Cedars „Footnote“) in der Kategorie nominiert war.

Iraner auf der ganzen Welt hatten die Auszeichnung als eine seltene gute Nachricht über ihr Land auf internationaler Bühne mit Jubel aufgenommen .

Video: Verkündung der Auszeichnung, Farhadis Dankesrede und Reaktionen von Iranern

Warum die Behörden die Ehrung Farhadis verhinderten, ist unklar.

Offenbar hat der Film „Eine Trennung“, der viele Probleme in der iranischen Gesellschaft – wie die Diskriminierung von Frauen und den Wunsch vieler Iraner, ins Ausland zu gehen – beleuchtet, einige Konservative verärgert.

Farhadi, den seine Fans und Kollegen am Wochenende wie einen Helden zu Hause willkommen hießen, hat sich zur Absage der Veranstaltung nicht geäußert.

Bei seiner Ankunft in Teheran sagte er, er werde sein Heimatland nie verlassen, auch wenn er nun mit dem bedeutendsten Preis der Filmindustrie ausgezeichnet ist. „Ich liebe mein Land, und ich werde es gegen keinen Ort der Welt eintauschen“, wurde der 40jährige Regisseur von der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA zitiert. „Ich werde niemals aus Iran auswandern.“

Später sagte er jedoch: „Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich mir vorstellen kann, einen Film im Ausland zu drehen.“

Farhadi erklärte, wenn das iranische Kulturministerium ihm wirklich gratulieren wolle, solle es das Haus des Kinos – die größte unabhängige Filmemacher-Vereinigung – wieder eröffnen lassen. „Das würde mich glücklicher machen als alles andere“, so Farhadi.

Vergangenen Monat hatte das Ministerium dem Haus des Kinos jede weitere Arbeit untersagt. Der Schritt wurde als Teil einer großangelegten Unterdrückung unabhängiger Kunst gewertet.

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty

2 Antworten zu “Iranische Behörden erteilen keine Genehmigung für Zeremonie zu Ehren von Oscar-Gewinner Farhadi

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