Geistliche für Abschaffung des Feuerfestes Chaharshanbeh Souri

Zamaaneh, 12. März 2012 – Mehrere iranische Geistliche haben die Abschaffung des alten [vorislamischen] Festes Chaharshanbeh Souri gefordert. Das Fest sei ein „Ritual des Aberglaubens“ und eine potentielle große Gefahr für die Jugend, heißt es als Begründung.

Die Nachrichtenagentur Mehr News zitierte Ayatollah Makarem Shirazi mit den Worten: „Ein intelligenter Mensch darf sich nicht mit so etwas beschäftigen, zumal [das Fest] sehr gefährlich sein kann. Viele Jugendliche haben bei diesen Feierlichkeiten Augen, Gesicht und andere Körperteile verloren.*) Es wäre am besten, diese falschen Zeremonien abzuschaffen und uns stattdessen an die guten zu halten.“

Das in Iran seit Jahrtausenden begangene Feuerfest wird in der Nacht zum letzten Mittwoch des iranischen Kalenderjahres begangen, das am Vorabend des Frühlingsanfangs endet. In diesem Jahr fällt Chaharshanbeh Souri auf den 13. März. In dieser Nacht entzünden die Menschen in den Straßen ihrer Wohnviertel Feuer und springen darüber. Mit Gesängen wird das Feuer beschworen, alle Krankheiten zu verbrennen und Gesundheit für alle zu bringen.

Ein Sprecher des führenden schiitischen Geistlichen Ayatollah Safi Golpayegani erklärte: „Dieser geistliche Führer heißt die Zeremonie des Feuerfestes nicht gut und betrachtet es als Stärkung der veralteten Riten aus der Ära der Unwissenheit.“ Der Ayatollah rufe das Volk auf, solch „abergläubische Riten“ zu unterlassen.

Chaharshanbeh Souri hat nichts mit der Geschichte des Islam in Iran zu tun, weshalb das geistliche Establishment nie besonders erbaut über die Erhaltung dieses Festes war. In der Bevölkerung hat die Zeremonie jedoch immer eine wichtige Rolle für die Feierlichkeiten zum Neuen Jahr gespielt.

Der oberste iranische Führer Ayatollah Khamenei hatte sich 2009 gegen das Fest ausgesprochen, da es nicht in den islamischen Grundsätzen verwurzelt sei und „Schaden und Verderbnis“ schaffe.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Zamaaneh

*) Anm. d. Übers.: Neben den Feuern in den Straßen spielen auch Feuerwerkskörper eine große Rolle für das Fest. Oft werden diese selbst angefertigt, und es kommt in der Tat nicht selten zu Verletzungen – auch schweren – durch die Explosionen.

4 Antworten zu “Geistliche für Abschaffung des Feuerfestes Chaharshanbeh Souri

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  2. Naja. Das ist ein Klassiker und unbestritten banal. Verhindere, dass die Menschen sich als Gruppe identifizieren. Finde ich bei Macchiavelli, bei der Politik gegen die Jenischen in den 70ern in der Schweiz, gegen die Aborigines, und so weiter. Ein offensichtliches ‚teile (lass nicht zu, dass emotionale Bindungen entstehen) und herrsche‘. Mit einem offiziellen Verbot verstärkt man die ‚Reagenzglas-Atmosphäre‘, eine Realität, getrennt von Wurzeln und getrennt von einem Feedback aussenstehender Kulturen. Man kann nur hoffen, dass der Untergrund genug stark ist und seine Sehnsucht bewahrt.

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