„Auch ich bin Afghane“ – Iraner protestieren auf Facebook gegen Rassismus

Iraner protestieren am 1. April gegen die Diskriminierung von Afghanen.

RFE/RL, 2. April 2012 – Der 1. April – der 13. Tag der iranischen Neujahrsfeiertage – wird traditionsgemäß im Freien verbracht. Mehrere in der Stadt Isfahan lebende afghanische Staatsbürger wollten dieser Tradition Folge leisten – und erhielten keinen Zutritt zum Sofeh-Park, einem im Stadtgebiet liegenden Gebirgspark.

Mitgeteilt wurde der entsprechende Beschluss am 30. März von der Isfahaner Reisekommission. Mit dem Zutrittsverbot für Afghanen solle „das Wohlergehen der Bürger gewährleistet“ werden, hieß es.

Ahmad Reza Shafiei von der Polizeidienststelle der Reisekommission, wurde mit den Worten zitiert, der Schritt sei aufgrund der „starken Präsenz von Afghanen“ im Park in den vergangenen Jahren und der damit einhergehenden „Unsicherheit für Familien“ – gemeint sind iranische Familien – erfolgt.

Umgehend tauchte auf Facebook und in anderen sozialen Medien Kritik an der Entscheidung auf – von Iranern.

„Auch ich bin Afghane“ schrieben einige in ihre Statusmeldung auf Facebook. Andere verurteilten die Entscheidung als „rassistisch“ und „beleidigend“ für alle in Iran lebenden Afghanen. Es wurde sogar von einem symbolischen Protest am 1. April im Sofeh-Park berichtet.

Ein auf Facebook verbreitetes Foto zeigt drei junge Männer, die mit Schildern gegen Rassismus protestieren. Auf einem der Schilder ist zu lesen „Auch ich bin Afghane“.

Es ist nicht das erste Mal, dass Afghanen in Iran diskriminiert wurden. Mehr als 1 Million afghanischer Flüchtlinge und tausende illegaler afghanischer Migranten sollen in der Islamischen Republik leben. Viele kamen nach der sowjetischen Besatzung Afghanistans und dem auf den Abzug folgenden Bürgerkrieg nach Iran. Andere suchten Zuflucht in Iran, nachdem die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen hatten.

In den letzten Jahren haben Berichte über Misshandlungen an Afghanen – insbesondere an denen, die illegal ins Land kamen – zugenommen.

Auf einem im Internet kursierenden Video ist zu sehen, wie eine Gruppe Afghanen misshandelt wird, offenbar von Soldaten. Diese fordern die Afghanen auf, sich selbst auf den Kopf zu schlagen, Sit-ups zu machen und laut zu sagen „Wir werden niemals wieder nach Iran kommen.“

Eilig erinnern iranische Offizielle Kritiker daran, dass die Islamische Republik seit zwei Jahrzehnten großzügiges Gastland für mehr als 2 Millionen afghanischer Flüchtlinge ist und dabei von der internationalen Gemeinschaft nur wenig Unterstützung erhält.

Doch in den letzten Jahren kam es immer wieder zu Zwangsdeportierungen illegaler afghanischer Einwanderer. Diejenigen, die noch in Iran leben, berichten von juristischer Diskriminierung, Einschränkung ihrer Ausbildungsmöglichkeiten und Zutrittsverboten zu öffentlichen Orten.

Die in Iran lebenden Afghanen werden von vielen für die Ausbreitung von Kriminalität und Drogen verantwortlich gemacht oder werfen ihnen vor, in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit den Iranern Arbeitsplätze wegzunehmen.

Trotz aller Schwierigkeiten kommen nach wie vor viele Afghanen nach Iran, auf der Suche nach niederen Tätigkeiten, die für Iraner in der Regel nicht attraktiv sind.

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty

2 Antworten zu “„Auch ich bin Afghane“ – Iraner protestieren auf Facebook gegen Rassismus

  1. absolut richtig

  2. Pingback: News vom 4. April 2012 « Arshama3's Blog

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