Nasrin Sotoudeh: Kein Hafturlaub, keine Telefonate zu Neujahr

Nasrin Sotoudeh

ICHRI, 6. April 2012 – Die bekannte inhaftierte Menschenrechtsverteidigerin Nasrin Sotoudeh durfte über die Neujahrsfeiertage weder das Gefängnis verlassen, noch telefonisch mit ihrer Familie in Kontakt treten. Dies teilte ihr Ehemann Reza Khandan in einem Interview mit ICHRI mit.

„Sie ist bereits 2 Jahre in Haft, und leider wurde ihr kein Hafturlaub gewährt. Sie und die anderen weiblichen Gefangenen in ihrem Trakt durften über die Feiertage nicht einmal mit ihren Familien telefonieren. Einige männliche politische Gefangene durften Nowruz mit ihren Familien verbringen, aber von den weiblichen politischen Gefangenen erhielt keine einzige Hafturlaub, nicht einmal wenige Stunden. Wir haben in der Zeit vom 19. bis 29. März nichts von Nasrin gehört. Zehn Tage nach Nowruz haben sie uns endlich zu ihr gelassen, und ich und die Kinder konnten sie besuchen“, so Khandan.

Es ist bereits das zweite Nowruz-Fest, dass die Familie ohne Nasrin Sotoudeh begeht. „Unserer Ansicht nach entbehrt das Urteil gegen sie jeder Legitimität, und wir protestieren gegen die Missachtung ihrer Grundrechte im Gefängnis. Fast ein ganzes Jahr lang durfte sie nicht telefonieren. Viele nichtpolitische Gefangene haben Telefone am Bett und dürfen täglich alle anrufen, die sie wollen. Sie können sich sogar telefonisch um ihre Geschäfte kümern. Die weiblichen politischen Gefangenen hingegen durften nicht einmal an unserem wichtigsten Feiertag Nowrouz ihre Familien anrufen.“

Die Familie sehe Sotoudehs Inhaftierung nach wie vor als ungesetzlich an und fordere ihre umgehende Freilassung, sagte Khandan gegenüber ICHRI.

„Der wichtigste Punkt ist, dass Nasrin illegal verhaftet worden ist, ohne dass sie ein Verbrechen begangen hätte. Sie ist Mutter zweier kleiner Kinder und befindet sich seit 19 Monaten im Gefängnis. Wir verlangen ihre umgehende Freilassung. Sie und die anderen Gefangenen, die ohne Grund inhaftiert wurden und in deren Fallakten keine Spur von kriminellen Elementen vorhanden ist, müssen sofort freigelassen werden. (Die Justiz) weiß dies besser als wir alle.“

Nasrin Sotoudeh war am 21. September 2010 verhaftet und am 8. Januar 2011 zu 11 Jahren Haft, 20 Jahren Berufsverbot als Juristin und 20 Jahren Ausreiseverbot verhaftet worden. Ihre Anklage lautete auf „Gefährdung der nationalen Sicherheit“, „Verschwörung und Verdunkelung gegen die Islamische Republik“ und „Mitgliedschaft im Zentrum für Menschenrechte.“ Das Urteil wurde in zweiter Instanz ohne Einschränkung bestätigt.

„Die Politik, die die Behörden gegenüber politischen Gefangenen verfolgt, ist eine Politik des Schweigens. Niemand von ihnen sieht sich gegenüber der Familien der politischen Gefangenen in der Verantwortung. Auf unsere schriftlichen und mündlichen Anträge haben wir niemals Antwort erhalten. Selbst wenn man zehn Anträge auf Hafturlaub oder irgendetwas anderes schreibt, bekomt man keine Auskunft über die Gründe, warum sie die Anträge ablehnen. Sie ignorieren unsere Briefe und mündlichen Anfragen einfach. Ich weiß nicht, warum Nasrin keinen Hafturlaub erhalten hat.“

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran

Hinweis für alle Leser/innen aus dem Raum München:
Beim „Münchner Kindl-Lauf“ am 5. Mai wird Solidarität mit Nasrin Sotoudeh gezeigt.

2 Antworten zu “Nasrin Sotoudeh: Kein Hafturlaub, keine Telefonate zu Neujahr

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