43 Todesopfer der Gewalt nach der Präsidentschaftswahl von 2009

Masih Alinejad/Kalemeh, 16. Juni 2011 – Zwei Jahre sind seit der 10. Präsidentschaftswahl in Iran und dem Beginn der durch die umstrittenen Wahlergebnisse ausgelösten oppositionellen Unruhen vergangen.  (Die Präsidentschaftskandidaten) Mir Hossein Moussavi and Mehdi Karroubi haben die Wahl immer wieder als „Staatsstreich“ bezeichnet und gegen den Wahlbetrug protestiert, aus dessen Anlass es in Teheran und anderen Städten Irans zu Massenprotesten kam, aus denen sich wiederum die iranische „Grüne Bewegung“ entwickelte.

Gezielte Schüsse, Angriffe mit Schlagstöcken und Tränengas waren nur einige Todesursachen. Viele Menschen wurden bei Angriffen auf Universitäten und Wohnheime getötet, von Brücken gestürzt oder von Polizeiautos überfahren.

Demonstranten wurden von Sicherheitskräften verhaftet und verloren nach Angaben ihrer Familien ihr Leben, weil sie keine medizinische Versorgung erhielten oder während ihres Hungerstreiks von Gefängnisbeamten geschlagen und gefoltert wurden.

Die Justizorgane der bewaffneten Streitkräfte hatten zuvor eingeräumt, dass einige der in der Haftanstalt Kahrizak festgehaltenen Gefangenen gefoltert worden waren.

Staatliche Medien und ihre Quellen gaben die Zahl der bei den Ereignissen nach der Wahl von 2009 getöteten Personen mit 36 an. Vor Kurzem erklärte ein Mitglied des Militärs, auf Seiten der Basij-Milizen habe es ebensoviele Todesopfer gegeben.

Im Sommer 2009, während der großen Protestmärsche, richteten Moussavi und Karroubi eine Kommission ein, die statistische Daten und Informationen über die Opfer der Ereignisse sammeln sollte. Diese Kommission veröffentlichte mehr als 70 Namen von Opfern, die während der Proteste ums Leben gekommen waren. Weder die Sicherheitskräfte noch die Justiz haben bisher dazu Stellung genommen oder kooperiert.

Am 7. September 2009 verhafteten Sicherheitskräfte Mitglieder der Kommission bei einer Razzia in einem Büro. Alle Dokumente und Materialien wurden beschlagnahmt. Später starteten staatliche Medien und regierungsnahe Organe eine Kampagne, um die Vorwürfe zu dementieren.

Dieser Bericht basiert auf meinen persönlichen Interviews, die ich für Rahe Sabz/Jaras, einige meiner Kollegen bei Kalemeh, Saham News, Rooz Online, der Iranischen Lehrervereinigung, der Webseite der Trauernden Mütter, Radio Farda, Voice of America, BBC, International Campaign for Human Rights in Iran und der Kommission zur Untersuchung der Opfer der Gewalt nach der Wahl niedergeschrieben habe.

Die Interviews wurden zum Teil in persönlichen Gesprächen mit den Angehörigen von Todesopfern geführt.

Im Verlauf der letzten zwei Jahre haben sich viele Familien dazu entschlossen, trotz des Drucks der iranischen Regierung und der Unsicherheit die Wahrheit über das zu sagen, was ihren geliebten Angehörigen passiert ist.

Der folgende Bericht nennt nur die 43 Opfer, die von ihren Familien offiziell gemeldet wurden. Um den Bericht zu verbessern und zu vervollständigen, wird die Hilfe aller benötigt, die über relevante Informationen verfügen.

OPFER, DIE VON DER IRANISCHEN REGIERUNG ALS BASIJ-MITGLIEDER AUSGEGEBEN WURDEN
Von den 43 Opfern wurden 7 von staatlichen Medien und iranischen Regierungsoffiziellen als Basijis ausgegeben. Es handelt sich um Davoud Sadri, Kaveh Sabzalipour, Meysam Ebadi, Hamid Hosseinbeik Araghi, Mohamad Hossein Feiz, Gholamhossein Kabiri und Sane Jaleh.

Die Familien von Davoud Sadri, Hamid Hosseinbeyk Araghi, Kaveh Sabzalipour, Meysam Ebadi und Sane Jaleh haben den Medien gegenüber offiziell erklärt, dass ihre verstorbenen Angehörigen nicht den Basij-Milizen angehörten. Die entsprechenden Behauptungen bezeichneten sie als „Märtyrer-Diebstahl“ und „Lügen der iranischen Regierung“.

Die Nachrichtenagentur Fars News, die Zeitung Kayhan und andere regierungsnahe Medien bezeichnen Mohammad Hossein Feiz und Gholamhossein Kabiri unter Berufung auf die Familien weiterhin als Basijis. Einige Freunde und Verwandte von Mohammad Hossein Feiz haben in anonymen Interviews erklärt, er sei einer der Demonstranten gewesen.

OPFER, DIE NUR VON IHREN FAMILIEN BEKANNT GEGEBEN WURDEN
Einige Familien sahen sich angesichts des unerträglichen Drucks durch die Sicherheitskräfte außerstande, an die Öffentlichkeit zu gehen. Andere veröffentlichten nur die Namen ihrer verstorbenen Angehörigen, um deren Tod zu bestätigen.

Saeed Abbasifar, Mahdi Karami, Bahman Jenabi, Amir Hossein Toufanpour, Shahrokh Rahmani, Shahsavand, Hamid Maddah Shourcheh, Alireza Eftekhari , Nasser Amirnejad, Mohammad Ali Rasekhinia, Jahanbakht Pazouki und Amir Arshadi Tajmir (Sohn eines Fernsehmoderators) sind einige der Namen auf dieser Liste.

JURISTISCHE VERFAHREN INNERHALB IRANS UND HILFE VON INTERNATIONALEN ORGANISATIONEN
Viele Angehörige der Todesopfer haben juristische Prozesse begonnen, damit die Verantwortlichen gefunden und vor Gericht gestellt werden. Die Justiz ignoriert viele dieser Fälle und setzt die Familien unter Druck, damit sie die eingereichten Klagen zurückziehen – entweder mittels Drohungen oder durch Anbieten von Blutgeld.

Dem Bericht der Kommission zufolge haben iranische Regierungsstellen die Verantwortung für den Tod von Amir Javadifar, Mohammad Kamrani und Mohsen Rouholamini übernommen. Alle drei starben an den folgen von Schlägen, Folter und unterbleibender medizinischer Versorgung in dem berüchtigten Gefängnis Kahrizak.

Die Fälle wurden bei der Justiz eingereicht und auf die Agenda für weitere Untersuchungen und Prozesse gesetzt. Die Familien der Opfer von Kahrizak geben jedoch an, dass nur einige der niederrangigen Beamten vor Gericht standen, die die Schläge und Folterungen ausgeführt hatten. Diejenigen, die diese Vorgehensweisen angeordnet hatten, wurden nie vor Gericht bestellt, vernommen oder strafrechtlich verfolgt.

Die Familien der Opfer von Kahrizak nennen Saeed Mortazavi, der im Sommer 2009 Generalstaatsanwalt von Teheran war, als den obersten Befehlsgeber dieser unmenschlichen Akte.

Der Fall des Gholamhossein Kabiri war der einzige Fall, der im Zusammenhang mit den Morden vom 15. Juni 2001 untersucht wurde. Er war einer derjenigen, die von der Regierung als Basij-Mitglieder bezeichnet wurden.

Unzählige Familien, darunter die von Sohrab Arabi, Neda Agha Soltan, Ali Hassanpour und Mostafa Karim Beigi, haben sich an Menschenrechtsorganisationen und die Vereinten Nationen gewandt und darum gebeten, sich der Fälle der Todesopfer aus der Zeit nach der Präsidentschaftswahl anzunehmen und einen Sonderberichterstatter nach Iran zu schicken, der sich mit den Familien zusammensetzen und ihnen bei der Suche nach den Befehlsgebern und Ausführenden der Morde helfen solle.

Es ist zu erwähnen, dass nach der Wahl mehrere politische Aktivisten verhaftet und ohne öffentlichen Prozess hastig hingerichtet wurden. Informationen über die Hingerichteten und diejenigen, die zum Tode verurteilt sind, werden in einem separaten Bericht veröffentlicht.

DIE 43 TODESOPFER

1. Amir Javadifar
Der 25jährige Amir Javadifar studierte Management an der Freien Universität Ghazvin. Er wurde am 9. Juli 2009 verhaftet.

Sein lebloser Körper wurde seiner Familie übergeben, nachdem er sich freiwillig zur Polizei begeben hatte, um, wie er sagte, dem Gesetz genüge zu tun.

Der Bericht der Untersuchungskommission bestätigte später, dass Amir durch die Schläge bei seiner Verhaftung geschwächt war und die Traumen von Kahrizak deshalb nicht überlebte.

Sein Vater Ali Javadifar sagte bei der Beerdigung seines Sohnes gegenüber Voice of America: „Amir wurde ins Krankenhaus Firouzgar eingeliefert. Er wurde durchgecheckt und blieb eine ganze Nacht dort… Er war gesund, und ging auf seinen eigenen Füßen zur Polizeiwache. Bevor er losging, trank er ein Sodawasser und lachte, er sagte, er werde in zwei Tagen zurück sein. Aber mein Sohn ist fort… Warum haben sie mir seine Leiche zurückgebracht, nachdem ich ihnen meinen Sohn übergeben hatte? Ich habe ihn dorthingebracht, weil ich wusste, dass mein Sohn nichts Falsches getan hatte. Wenn ich auch nur eine Sekunde lang gedacht hätte, dass er etwas Falsches getan hat, hätte ich ihn niemals dorthin gebracht. Heute denke ich, dass es ein Fehler ist, dem Gesetz zu gehorchen. Wer wird mich jetzt anhören? Es muss nach dem Gesetz untersucht werden, und wer auch immer das angeordnet und ausgeführt hat, muss vor Gericht gebracht werden.“

Amirs Bruder Babak Javadifar sagt über die von seinem Bruder erlittenen Schläge und Verletzungen: „Ich habe jede einzelne Person, die meinem Bruder in Kahrizak nahe gewesen ist, gefunden und getroffen. Sie haben uns erzählt, dass Amir in seinen letzten Tagen wegen der Augeninfektion, die er wegen der unhygienischen Situation im Gefängnis nach den Schlägen auf seine Augen bekam, nichts mehr sehen konnte.  Er konnte nicht mehr allein gehen, da er nichts mehr sehen konnte. Ich habe mit Leuten gesprochen, die ihn am Arm führten, damit er nicht gegen die Mauern stößt. In dem Bus, der die Gefangenen zurück nach Evin bringen sollte, wurde Amir sehr krank – um 23:30 Uhr an dem schicksalhaften Tag am 14. Juli. Sie hielten an, brachten ihn aus dem Bus und legten ihn auf den Boden. Jemand, der sich mit Erster Hilfe auskannte, hat versucht, ihn wiederzubeleben. Ich habe mit dem Mann gesprochen. Er sagte, dass Amir Blut hustete. Sie machten sich nicht die Mühe, ihn ins Krankenhaus zu bringen. Hätten sie das getan, wäre Amir noch am Leben.“

2. Mohammad Kamrani
Der 18jährige Mohammad Kamrani wurde bei den Demonstrationen vom 9. Juli 2001 verhaftet. Seiner Familie zufolge erfolgte seine Verhaftung bei den Zusammenstößen in der Nähe der Teheran-Universität, wo er sich auf die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium vorbereitete. Er starb im Mehr-Krankenhaus an den Folgen der erlittenen Folter, Schläge und Verletzungen.

Mohammads Vater gegenüber Jaras: „Mein Sohn war noch nicht einmal alt genug, um zu wählen, und er hat an den Versammlungen [vermutlich die Demonstrationen] nicht teilgenommen. Trotzdem haben diese sogenannten Zivilbeamten ihn verhaftet, brutal verprügelt, und als der arme Junge im Koma lag und hohes Fieber hatte, haben sie ihn im Loghman-Krankenhaus ans Bett geketten. Nach seiner Verlegung ins Mehr-Krankenhaus starb er.“

„Gott allein weiß, was wir durchmachten, als wir im Prozess gegen die Angeklagten im Fall Kahrizak die Aussagen von Gefangenen hörten. Nach dem Prozess konnten weder ich, noch Mohammads Mutter, noch seine beiden Schwestern mehr schlafen. In dieser Nacht waren wir erschlagen von all den furchtbaren Dingen, die wir gehört haben. Das Video des Prozesses muss gezeigt werden, damit die Leute die Tiefe der Tragödie begreifen. Diejenigen, die diese Verbrechen angeordnet haben, müssen vor Gericht gestellt werden. Alle fragen sich, wer den Zivilagenten die Befehle gibt, wer sie unterstützt, wie viele Organisationen eigentlich für die nationale Sicherheit zuständig sind.“

Nachdem Mohammads Vater vom Tod seines Sohnes erfahren hatte, richtete er eine schriftliche Beschwerde an Hashemi Shahroudi, einen früheren Justizchef und Wächterratsmitglied. Shahroudi nannte als einen der Verantwortlichen für die Entscheidung, Gefangene nach Kahrizak zu verlegen, [den damaligen Justizchef] Saeed Mortazavi, und verfasste eine Anordnung, den Fall weiter zu verfolgen. Mohammads Vater schrieb außerdem an den obersten Führer Ali Khamenei, der weitere Untersuchungen anordnete.

adf3. Mohsen Rohoulamini
Augenzeugenberichten zufolge wurden Mohsen Rouholamini und andere am 9. Juli 2009 von Zivilagenten verhaftet und in die Polizeiwache in der Kargar-Straße nahe dem Enghelab-Platz gebracht. Am Morgen des 10. Juli 2009 wurden sie per Bus auf die Gefängnisse Evin und Kahrizak verteilt.

In einem offenen Brief enthüllte Hossein Alaie, ein ehemaliger Befehlshaber der Revolutionsgarden, Einzelheiten über Mohsen Rouholaminis Tod. Demnach habe jemand Mohsens Vater in dessen Büro angerufen und ihn gefragt: ‚Sie sind selbst ein Offizieller, warum fragen Sie nicht nach Ihrem Sohn?‘ Worauf Rouholamini angwortete: ‚Ich habe zwei Wochen lang überall nach meinem Sohn gesucht, und niemand weiß, wo er ist…‘ Dann, in demselben Telefonat, wurde ihm Beileid bekundet und die Adresse mitgeteilt, wo er die Leiche seines Sohnes abholen konnte.“

Mohsens Vater: „Ich bin zur Gerichtsmedizin gegangen und habe gesehen, dass mein Sohn im Gefängnis geschlagen und verletzt worden war. Als ich seinen toten Körper sah, bemerkte ich, dass sein Gesicht zertrümmert worden war.“

„Mein Sohn war ein ehrlicher Junge. Er log nie. Ich bin sicher, dass er auf jede beliebige Frage, die sie ihm gestellt haben, eine ehrliche Antwort gegeben hat. Vielleicht konnten sie seine Ehrlichkeit nicht aushalten und schlugen ihn zusammen und töteten ihn unter Folter. Dank der Erlaubnis der Offiziellen konnte ich seine Akten lesen. Sie hatten den Ort seines Todes nicht angegeben. Es kam heraus, dass er in seinem verletzten Zustand so vernachlässigt worden war, dass sich sein Blut entzündete und er über 40 Grad Fieber und schließlich Meningitis bekam. Er wurde anonym ins Shohadaye Tajrish-Krankenhaus eingeliefert, und am folgenden Tag brachten sie seine Leiche ins Leichenschauhaus.“

Mohsens Vater Abdolhossein Rohoulamini gehört zu den Fürsprechern des obersten Führers Ali Khamenei. Später brachte er ein viertes Opfer von Kahrizak an die Öffentlichkeit, das zu Tode geprügelt worden war. Die Familie des Opfers schweigt jedoch aus Angst vor den Repressalien der Sicherheitsorgane.

4. Ramin Pourandarjani
Ramin Pourandarjani wurde am 9. Juni 1983 in Tabriz geboren. Er leistete seinen Pflichtdienst beim Militär als Arzt für die Polizei im Großraum Teheran in der Haftanstalt Kahrizak ab. Er untersuchte Gefangene, die bei den Wahlprotesten von 2009 getötet oder verletzt worden waren.

Erste Berichte der iranischen Behörden behaupteten, dass Ramin Pourandarjani Selbstmord begangen hatte. Später hieß es, dass der 26jährige im Schlaf an einem Herzinfarkt gestorben sei. Danach war wieder die Rede von Selbstmord. Forensische Untersuchungen ergaben, dass er an einer Vergiftung gestorben war.

Pourandarjani hatte vor einer parlamentarischen Untersuchungskommission für die Verfehlungen in der Haftanstalt Kahrizak ausgesagt.

Die iranische Justiz zeigt bezüglich einer Untersuchung von Pourandarjanis große Zurückhaltung.

Sein Vater Reza Gholi Pourandarjani: „Zuerst haben sie behauptet, dass mein Sohn einen Herzinfarkt hatte, später war es dann Selbstmord, und danach eine Überdosis [Gift]. Sie haben uns bis heute keine klare Antwort gebgeben.“

„Wir haben in Teheran Klage eingereicht und die Aufklärung dieses Mordes gefordert. Der Fall ist im Strafgericht eröffnet worden, aber niemand hat in dieser Sache etwas  unternommen“, so der Vater.

5. Ali Hassanpour
Ali Hassanpour war verheiratet und hatte zwei Kinder im Alter von 14 und 21 Jahren. Bei den Demonstrationen auf dem Azadi-Platz am 15. Juni 2009 wurde er ins Gesicht geschossen und starb. Ein Foto seines am Boden liegenden blutüberströmten Körpers wurde noch am selben Tag in den Medien veröffentlicht. Es symbolisiert die Gewalt, mit dem das iranische Regime auf den Schweigemarsch des Volkes reagierte. Seine Frau Ladan Mostafaei sagte in ihrem ersten Interview mit „Voice of America“, als sie den Behörden dieses Foto gezeigt habe, hätten diese bestritten, irgendwelche Informationen über ihn zu haben. Das Strafgericht habe 105 Tage gebraucht, um die Leiche ihres Mannes ausfindig zu machen.

Ladan Mostafaei verbreitete die Information über den Mord an ihrem Mann. Sie forderte Untersuchungen. Nachdem sie von den iranischen Behörden keine Reaktion bekam, wandte sie sich wie viele andere Angehörige getöteter Demonstranten mit ihrer Forderung nach einer Untersuchung an internationale Instanzen.

Ladan Mostafei gegenüber Jaras: „Mindestens vier Mal im Monat habe ich bei den Justizbehörden nachgefragt, wer auf meinen Mann gezielt und ihn getötet hat, weil er auf der Straße war. Herr Larijani [der Justizchef, d.Übers.] und andere verantwortliche Offizielle präsentieren jedes Mal, wenn sie bei internationalen Treffen auftauchen, einen neuen Mord. Manchmal machen sie britische Agenten verantwortlich, manchmal sagen sie, dass die USA und Israel dahinter stecken. Manchmal beschuldigen sie auch die ‚Monafeghin‘ (abwertende Bezeichnung des Regimes für die Opposition, vor allem die MKO). Ich habe den Justizbehörden gesagt, dass es viele Zeugen gibt, die sagen, dass mein Mann vom Dach des Ashura Basij-Gebäudes 117 erschossen wurde. Die Waffenexperten der Justiz haben bestätigt, dass er mit einer Kalaschnikow erschossen wurde.“

„In diesen zwei Jahren haben die Behörden sich kein bisschen um meine Situation geschert. Die Regierung antwortet nicht auf die Anfragen des Richters. Die Medien in Iran sind nicht in der Lage, den Vereinten Nationen und Menschenrechtsorganisationen zu unsere Botschaft zu vermitteln, dass niemand für den Tod unserer Lieben zur Verantwortung gezogen wurde.“

6. Sohrab Arabi
Der 19jährige Sohrab Arabi verschwand nach der Demonstration vom 15. Juni 2009, an der er mit seiner Familie teilgenommen hatte. Nachdem Sohrabs Mutter 26 Tage lang in Gefängnissen, Polizeiwachen und Krankenhäusern nach ihrem Sohn gesucht hatte, konnte sie schließlich Sohrabs Leiche identifizieren.

Sohrabs Mutter Parvin Fahimi ist eine der ersten „Trauernden Mütter“, die nicht schwieg. Wenige Tage nach dem 22. Juli 2009, als sie ihren Sohn beerdigte, rief Parvin Fahimi zusammen mit anderen Mitgliedern der Kampagne „Eine Million Unterschriften“ bei einem Besuch bei Neda Agha Soltans Mutter die Menschen dazu auf, ihr Schweigen zu brechen. Die Nachricht darüber wurde später von Frauenrechtsaktivistinnen und Reportern in Iran weiterverbreitet.

In einem Interview mit Kalemeh sagte Parvin Fahimi, sie werde den Tod ihres Sohnes nur vergeben können, wenn alle politischen Gefangenen freigelassen und für unschuldig erklärt würden. Jaras gegenüber sagte sie, sie sei offen für ein Interview mit staatlichen Fernseh- und Radiosendern. „Mein Anliegen ist simpel. Ich habe gesagt, dass ich an einem Interview teilnehmen werde, wenn sie über alles berichten wollen, was eine Mutter zu sagen hat. Ich hätte ihnen erzählen können, was mir widerfahren ist. Das wollten sie nicht. Dann kam Press TV. Ich bat sie, mich nicht zu zensieren, denn ich wolle nur mein Recht in Anspruch nehmen, Sohrabs Mord nachzugehen. Ich sagte ihnen, es käme nichts dabei heraus, wenn man in Sendungen sagt, dass ein paar Chaoten unsere Kinder umgebracht haben. Ich sagte, sie sollten mir erlauben, zu sagen, wer unsere Kinder auf den Straßen und in Kahrizak [wirklich] umgebracht hat. Ich bin ein Mensch, der in Iran lebt, und es ist mein gesetzlich verbrieftes Recht, Zugang zu den staatlichen Medien zu haben und zu erzählen, was mit meinem Sohn passiert ist. Das, was ich zu sagen habe, ist nicht politisch. [Aber] sie wollten nicht hören, wie Sohrab erschossen wurde.“

Das Haus Parvin Fahimis und die Häuser ihrer Nachbarn wurden mehrfach angegriffen. Sie wurde vorgeladen und festgehalten. Gegenüber Jaras berichtete sie: „Sie haben in der Gegend, in der Sohrab wohnte, junge Leute grausam angegriffen und festgenommen. Warum werden die jungen Demonstranten in diesem Land von einer Regierung gefangen gehalten, die lügt?“

Nachdem sie auf ihre Bitten um eine Untersuchung des Mordes an ihrem Sohn keine Antwort erhalten hatte, sagte Parvin Fahimi gegenüber Jaras: „Ich schlage vor, dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Familien der Getöteten besucht und sich anhört, was sie zu erzählen haben.“

7. Ahmad Naeem Abadi
Auch Ahmad Naeem Abadi hatte am 15. Juni 2009 an dem friedlichen Protest teilgenommen. Er wurde in der Nähe des Azadi-Platzes gezielt angeschossen und starb später im Teheraner Rasoul Akram-Krankenhaus. Ahmads Leiche wurde eine Woche nach seinem Tod von den Gerichtsmedizinern in Kahrizak an seine Familie übergeben.

Bei einem Besuch (von oder bei) Mir Hossein Moussavi berichtete Ahmads Vater ausführlich, wie sein Sohn gestorben war. Kalemeh zufolge berichtete er, dass auch andere Mitglieder seiner Familie gegen die Wahlergebnisse protestiert und an den Straßendemonstrationen teilgenommen hätten. Niemand habe solche Gewalt gegen Menschen erwartet, die eine Neuauszählung ihrer Stimmen forderten. Die iranischen Behörden boten Ahmads Familie – wie übrigens vielen Familien von Opfern – Blutgeld an, damit sie schweigen. Seine Familie wies das Geld zurück und bestand auf ihrer Forderung nach einer Untersuchung und Bestrafung der Verantwortlichen für die Morde an unschuldigen Demonstranten.

Ahmads Familie hat unzählige Beschwerden eingereicht, aber nie eine Antwort erhalten.

8. Moharram Chegini
Der 32jährige verheiratete Moharram Chegini wurde am 15. Juni 2009 auf der Azadi-Straße vor der [Metro-?] Station getötet. Seine Frau Masoumeh Chegini sagte in einem Interview mit Jaras: „Was passiert, wenn der Ernährer einer Familie getötet wird? Wie soll eine verwitwete Frau unter so schwierigen Bedingungen ihre Familie ernähren? Warum spricht keiner der Offiziellen mit unserem Anwalt? Sie geben uns einen Märtyrer-Ausweis und bieten uns etwas Geld, aber sie werden uns niemals sagen, warum sie unschuldige junge Leute umbringen, die nichts anderes getan haben als Rechenschaft über ihre Wählerstimmen zu fordern.“

Der Bruder des Opfers, Ali Chegini, sprach ebenfalls mit Jaras. Er sagte, sein Bruder habe an den Straßenprotesten in einem der armen Stadtteile im Teheraner Süden teilgenommen, wo es schwer ist, ein einfaches Leben zu führen. Die iranische Regierung und die staatlichen Medien machten sich die traditionellen und religiösen Überzeugungen der Menschen zunutze, so Ali Chegini. Sie zeigten Bilder von jungen Leuten, die tanzen und nachlässig verhüllt sind, und behaupten, dass alle Anhänger Moussavis antiislamische Chaoten seien, die die Freiheit hätten, nackt herumzuhängen. Damit wolle man die religiösen Menschen gegen die Proteste aufbringen. Die staatlichen Medien zeigten Filme über die Anhänger der „Grünen“, in denen sie als antiislamisch dargestellt werden, und für viele Menschen sei es schwierig, jemanden zu akzeptieren, der sich gegen ihre Religion stellt. Darum sähen die religiösen Menschen auf die Proteste herab, so als ob „Grün“ eine ansteckende Krankheit sei, so Ali Chegini weiter.

Ali Chegini sagte, es gebe offizielle Berichte der Regierung darüber, dass die Angehörigen von 36 Todesopfern, denen von der Regierung Märtyrer-Ausweise angeboten worden seien, dazu gedrängt würden, gegen Moussavi und Karroubi zu klagen. Die Regierung hat Moussavi und Karroubi stets als Anführer der Unruhen bezeichnet.

9. Ramin Ramezani
Der 22jährige Ramin Ramezani leistete beim Militär seinen Pflichtdienst ab, als er am 15 Juni 2009 an einer Schusswunde starb. Die Webseite „Where is my Vote“ veröffentlichte einige Monate später ein Interview mit seiner Mutter. Darin äußerte sie Zweifel daran, dass ihr Sohn bei einer Demonstration getötet wurde. Sie hatte nie für möglich gehalten, dass ihr Sohn wegen einer Teilnahme an einer Demonstration sterben könnte. Sie sei nachts lange wach geblieben, um auf die Rückkehr ihres Sohnes zu warten. Irgendwann habe sie einen Anruf von seinem Handy erhalten. Als sie erleichtert abhob, hörte sie am anderen Ende der Leitung die Stimme eines Fremden, der einen Termin ausmachen wollte, an dem die Familie Ramins Leiche im Krankenhaus abholen sollte. Als sie das Wort „Leiche“ hörte, habe sie aufgelegt, geschrieen und das Bewusstsein verloren. Die Familie nahm Ramins Leiche an seinem Geburtstag in Empfang. Auch auf die Beschwerden dieser Familie hat es keine Reaktionen gegeben.

Ramins Vater Mehdi Ramezani sagt, er habe die Kugel gesehen, die die Nieren und Lungen seines Sohnes zerstört hat.

10. Davoud Sadri
Am 15. Juni 2009 wurde der 26jährige Davoud Sadri vor dem Meghdad-Basij-Gebäude auf der Azadi-Straße erschossen. Eine Videoaufnahme davon wurde im Internet verbreitet. Darauf ist zu sehen, wie Menschen versuchen, seine Leiche auf ihren Schultern wegzutragen. Der Schuss hatte ihn ins Herz getroffen.

Staatliche Medien erklärten, Davoud Sadri sei Basij-Mitglied gewesen. Sein Vater Ahmad Sadri sagte gegenüber Jaras: „Mein Sohn war kein Basiji. Iranische Zeitungen haben mich einmal telefonisch interviewt, haben dann aber geschrieben, was sie wollten. Wem können wir vertrauen? Ich habe meinem Land 30 Jahre lang aufrichtig gedient, und jetzt wird mein Sohn ermordet. Und dann wurde mir gesagt, dass ich stolz auf meinen Sohn sein müsse, weil er ein Basiji war. Ich antwortete: „Warum soll ich lügen? Mein Sohn war kein Basiji, er war ein einfacher Arbeiter, der getötet wurde.“ Es liegt im Interesse des Staates, den Mörder zu verfolgen.“

„Ich war zwei Mal an dem Ort, wo mein Sohn erschossen wurde, und ich habe mich mit den Ereignissen vom 15. Juni 2009 befasst. Zeugen sagen, dass Agenten auf dem Dach des Basij-Gebäudes Meghdad das Feuer auf die Leute eröffneten. Eine Person, die mitangesehen hatte, wie eine Mutter und ihre Tochter in einer Kinderbetreuungsstätte in einen Kugelhagel gerieten, hat mir alles erzählt. Anwohner sagen, die Leute seien plötzlich auf die Straße geströmt, weil sie Schüsse gehört hatten. Mein Sohn war draußen, weil er etwas zu erledigen hatte. Aber selbst wenn er an der Demonstration teilgenommen hätte – darf man die Frage ‚Wo ist meine Stimme‘ mit Kugeln beantworten? Hätten sie nicht warten können, bis die Leute wieder nach Hause gehen? Mussten sie die Demonstration mit Schüssen beenden?“

11./12. Soror Boroumand und Fatemeh Rajabpour
Soror Borumand, 58, und ihre 38jährige Tochter Fatemeh Rajabpour hatten in einer Kindertagesstätte Zuflucht gesucht, als das Militär am 15. Juni 2009 auf Menschen schoss. Sorors Ehemann Ebrahim Rajabpour gibt an, dass gezielt auf sie geschossen wurde. Sie starben an ihren Verletzungen.

Staatlichen Medienberichten zufolge sagte Ebrahim Rajabpour: „Sie haben meine Frau und meine Tochter in den Rücken und in den Hals geschossen. Als wir eintrafen, waren beide voller Blut. Die Ärzte glauben, dass sie bei der Schießerei getötet wurden.“

Die staatlichen Medien, darunter auch die Nachrichtenagentur Fars News, behaupten, dass die beiden Frauen von Demonstranten getötet wurden und dass sie der Welt bewiesen hätten, dass sie bereit waren, ihr Leben für die Oberste Führung (Velayat-e Faghih) zu opfern.

13. Hesam Hanifeh
Der 19jährige Hesam Hanifeh wurde am 15. Juni 2009 vor dem Meghdad-Basij-Gebäude erschossen. Staatliche Medien wie die Nachrichtenagentur Fars News und die Zeitung Kayhan behaupten, dass Hesams Familie Mir Hossein Moussavi verklagt habe. Hesams Mutter wies dies in einem Interview mit Rooz Online zurück. ,“Wir haben gefordert, dass der Mörder unseres Sohnes gefunden wird. Wir haben weder gegen Herrn Moussavi noch gegen irgendjemand anders geklagt. Wir wissen nicht, we der Mörder ist. Wir haben uns beim Strafgericht beschwert und gefordert, dass sie den Mörder unseres Sohnes finden. „Bonyad Shahid“ hat uns mitgeteilt, dass sie Hesam als Märtyrer aufgenommen und einen Ausweis für ihn ausgestellt haben. Sie sagen, Hesam sei versehentlich getötet worden und habe nicht an den Demonstrationen teilgenommen. Nun gut – wir wollen, dass der Mörder gefunden wird, dessen Kugel Hesam versehentlich getötet hat.“

14. Hossein Akhtarzand
Der 32jährige Hossein Akhtarzand wurde in Isfahan geboren. Er war unter den Demonstranten, die gegen die gefälschte iranische Präsidentschaftswahl von 2009 protestierten. Er wurde am 15. Juni 2009 von iranischen Regierungsmilizen geschlagen und getötet.

Zeugen veröffentlichten noch am selben Tag Videos und Fotos von ihm im Internet. Hossein war auf dem Rückweg von seiner Arbeit am Abend in Darvazeh Shiraz eingetroffen, wo es große Proteste und Zusammenstöße gab. Er entfernte sich eilig von den Menschenmassen und versuchte, über den Parkplatz in ein Ärztegebäude zu gelangen, um sich vor den Milizen zu verstecken. Er wurde auf dem Dach des Gebäudes gefasst und von regimetreuen Kräften verprügelt. Anschließend wurde er von dem dreistöckigen Gebäude gestoßen und starb.

Hossein Akhtarzands Familie sprach nicht mit den Medien über seinen Tod. Nach zwei Jahren jedoch äußerten sie sich gegenüber Jaras und berichteten, dass ihre Nachforschungen erfolglos geblieben seien. Sie hätten keine andere Wahl als dazu zu schweigen, um in der Stadt sicher zu sein und überleben zu können.

Ein Einwohner von Isfahan, der Hossein kannte, sagte gegenüber Jaras, die Familie habe versucht, den Tod Hosseins vor Gericht zu bringen, habe aber keine Antwort erhalten. Polizisten, Justiz- und Sicherheitsbeamte hätten der Familie gesagt, dass Hossein zu Tode gestürzt sei, als er auf einen schadhaften Teil des Dachs getreten sei. „Die Offiziellen sagen, dass Hossein unter Drogeneinfluss vom Dach gefallen ist. Aber die Gerichtsmediziner haben als Todesursache einen Schlag mit einem festen Gegenstand angegeben.“

15. Kianoosh Asa
Kianoosh Asa studierte Petrochemie an der Universität für Wissenschaft und Technologie. Am 15. Juni 2009 nahm er an einer Demonstration gegen die Wahlergebnisse teil und verschwand. Zehn Tage später überbrachte die Gerichtsmedizin die Leiche des kurdischen Studenten seiner Familie.

Kianoosh Asas Familie veröffentlichte daraufhin einen offenen Brief an den Justizchef und verlangte eine Untersuchung des Todes. Sie schrieben: „Augenzeugen haben gesagt, dass sie Kianoosh gesehen haben. Er war an einer Körperseite von einer Kugel getroffen worden. Die Gerichtsmedizin stellte fest, dass er von einer weiteren Kugel am Hals getroffen wurde. Es ist unklar, wann und von wem auf ihn geschossen wurde.“

Kianooshs familie wurde von iranischen Sicherheitskräften immer wieder unter Druck gesetzt und verfolgt. Mehrfach wurde Kianooshs Bruder Kamran Asa vorgeladen und festgehalten. Seine Schwester sagte gegenüber BBC: „Seit sechs Monaten finden wir keinen Frieden. Wie lange soll das noch dauern?“

Kamran Asa sprach in einem Interview mit Jaras über den Druck, der nach dem Mord an seinem Bruder auf die Familie ausgeübt wurde. „Nachdem mein Bruder getötet worden war, wurden wir direkt und indirekt bedroht. Mein Bruder und meine Schwester wurden auf verschiedene Weise an ihren Arbeitsplätzen bedroht, mein Bruder wurde immer wieder vorgeladen und an seinem Arbeitsplatz von Sicherheitskräften bedroht. Mir wurde indirekt gedroht, als ich verhaftet wurde. Einer der Verhörbeamten sagte zu mir: ‚Deine Mutter trauert um Kianoosh. Verhalte dich nicht so, dass sie einen weiteren Verlust zu beklagen haben wird.‘
Im Verlauf der Untersuchungen sagte der Richter zu uns, wir hätten nichts davon, wenn wir den Fall weiter verfolgen. Sie hatten ein Foto von Kianoosh abgerissen, das wir vor unserem Haus aufgehängt hatten. Damit zeigten sie uns, dass es sogar ein Verbrechen ist, ein Foto von Kianoosh zu zeigen. Wir werden nie aufhören (nach Antworten zu suchen).“

16. Mahmood Raesi Najafi
Mahmood Raeisi Najafi befand sich am 15. Juni 2009 auf dem Rückweg von der Arbeit. In der Nähe des Azadi-Platzes wurde er geschlagen und verletzt. 13 Tage später starb er.

Mahmoods Vater und seiner Frau Khadijeh Heydari hatten den Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karroubi besucht. Mahmoods Frau sagte Saham News zufolge zum Tod ihres Mannes: „Mein Mann kam am 15. Juni 2009 spät nachts in einer furchtbaren Verfassung nach Hause. Sein Körper war mit blauen Flecken übersät, überall war Blut, und er konnte sich nicht auf den Beinen halten.“

Dies hatte Mahmood Najafi seiner Frau berichtet:
Nach der Arbeit wollte ich nach Hause gehen. In der Nähe vom Azadi-Platz sah ich, dass Leute vor Verfolgern flüchteten. Ich sah bewaffnete Agenten, die mit Schlagstöcken auf Menschen einschlugen und alle verfolgten, die weglaufen wollten. Ich war auf dem Nachhauseweg, als die Sicherheitskräfte mich griffen. Sie schlugen mit ihren Schlagstöcken auf mich ein, versetzten mir Tritte und Fausthiebe. Sie schlugen mich so heftig, dass ich bewusstlos wurde. Als ich wieder zu mir kam, war ich in einem Auto. Ich tastete meine Umgebung ab und merkte, dass noch andere Leute im Auto waren. Sie waren bewusstlos oder tot. Ich war auf diese Menschen geworfen worden. Mit meiner Hand klopfte ich auf den Boden des Autos und machte Lärm. Als die Agenten merkten, dass ich lebte, hielten sie an. Sie öffneten die Tür, und ich flehte sie an: „Ich habe eine Familie, ich war auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, ich habe keine Ahnung, warum man mich so behandelt hat.“ Einer von ihnen hatte Mitleid mit mir, zog mich aus dem Auto und ließ mich liegen.“

Mahmood Najafis Vater zu Karroubi: „Als wir hörten, dass Sie den Fällen der bei den Ereignissen nach der Wahl Verletzten und Getöteten nachgehen, ermutigte uns das, zu Ihnen zu kommen und Sie zu bitten, dass die Mörder meines Sohnes nicht davonkommen.“

17. Mostafa Ghanian
Der junge Student Mostafa Ghanian wurde durch einen Kopfschuss getötet, als er in der Nacht des 16 Juni [ohne Jahresangabe] auf dem Dach stand und „Allah-o Akbar“ rief.

Damals wurde ein Video im Internet veröffentlicht, auf dem Mostafas Vater Taghi Ghanian bei der Gedenkfeier in Mashhad die Umstände des Todes seines Sohnes beschrieb. Mostafa starb in den Armen seines Vaters, nachdem eine Kugel seine Schläfe durchschlagen hatte. Staatliche Medien zitierten Mohammad Taghi Ghanian wie folgt: „Mir Hossein Moussavi ist verantwortlich für den Tod meines Sohnes, und ich werde nicht aufhören, mich dafür einzusetzen, dass Herr Moussavi strafrechtlich verfolgt wird.“
Das Interview wurde von Mohammad Ghanian scharf kritisiert und als gefälscht bezeichnet. Die Nachrichtenagentur IRNA war schließlich gezwungen, ein Interview mit ihm zu veröffentlichen, in dem er die in den Medien verbreiteten falschen Informationen zurückwies. Er erklärte: „Ich habe mit keiner Zeitung über irgendjemanden gesprochen, der am Tod meines Sohnes beteiligt war.“

18. Meysam Ebadi
Der erst 16jährige Meysam Ebadi wurde auf dem Höhepunkt der Proteste gegen die Wahlergebnisse erschossen.

Ein Reporter der Webseite Kalemeh, der die Familie dieses jugendlichen Opfers der Ereignisse nach der Wahl zu Hause besucht hatte, berichtete: „Ihr kleines Haus steht im Teheraner Distrikt Kian Shahr. Überall im Haus hängen Fotos von Meysam. Der 16jährige, der auf den Fotos noch jünger wirkt, wurde am 14. Juni erschossen. Seit er 14 war, hatte er in einer Schneiderwerkstatt gearbeitet, um seine Familie zu unterstützen. Noch heute, zwei Jahre später, trägt Meysams Familie Schwarz und ist in unaussprechlicher Trauer um ihn.“

Meysams Vater Asghar Ebadi erklärte auf die Frage des Kalemeh-Reporters nach einer juristischen Untersuchung von Meysams Tod: „Sie wollen den Mörder nicht vor Gericht stellen. Sie wollen ihn nicht einmal nennen. Sie haben uns gesagt, dass sie einen Basiji namens Mohammad verhaftet haben, der Meysam direkt in den Bauch geschossen habe. Sie haben ihn ein paar Monate festgehalten und dann freigelassen. Wir haben nie verstanden, warum sie ihn freigelassen haben und was geschehen ist. Damals lag der Fall noch in Abteilung 1 des Untersuchungsgerichts, und der zuständige Richter, Shamloo, war wirklich ein guter Richter. Aber er wurde an eine andere Abteilung versetzt oder vielleicht entlassen. Und später ließen sie diesen Basiji Mohammad frei. Der Richter hat mehrmals zu mir gesagt ‚Was kann ich tun, wenn ein 15jähriger Junge mich herbestellt?‘ Er meinte damit Basijis. Wo ich auch hingehe, sie sagen alle, dass die Regierung die Untersuchung des Falls beschließen muss, weil die Regierung verantwortlich ist. Mein Sohn wurde auf der Straße erschossen, und die Anordnung dazu kam von der Regierung. Unsere Anwältin Frau Sotoudeh ist seit Monaten inhaftiert. Einen Monat, nachdem sie unseren Fall übernommen hatte, wurde sie verhaftet. Sie hatte angefangen, Meysams Fall zu verfolgen, und dann wurde ihre Arbeit durch ihre Verhaftung unterbrochen. Wir machen uns Sorgen um sie. Wir wissen, dass ihre Verhaftung damit zusammenhängt, dass sie für uns und andere wie uns gearbeitet hat. Ihre kleinen Kinder haben sie seit Monaten nicht gesehen. Sie tun uns so Leid.“

19. Lotfali Yousefian
Zum Zeitpunkt der Übersetzung lagen noch keine Informationen vor.

20. Ahmad Nejati Kargar
Zum Zeitpunkt der Übersetzung lagen noch keine Informationen vor.

21. Ashkan Sohrabi
Der 20jährige Ashkan Sohrabi war IT-Student an der Freien Universität Ghazvin. Er wurde bei den Protesten vom 20. Juni 2009 angeschossen und starb später im Krankenhaus.

Wenige Tage nach seinem Tod sagte seine Mutter Zahra Nikpeyma gegenüber „Voice of America“: „Ashkan war Student, und am 20. Juni bereitete er sich auf eine Prüfung am nächsten Tag vor. Er sagte, er würde kurz rausgehen, um seinen Freund zu sehen. Sie sagen zwar, dass abseits von Versammlungen niemand getötet wurde, aber sie lügen. Sie haben meinen Sohn auf einer leeren Straße erschossen, und er ist nie wieder nach Hause gekommen.“

„Mein einziger Sohn Ashkan war ein Maler. Er hatte einen schwarzen Gürtel im Tae Kwon do. Sie haben meinen Sohn in weniger asl 5 Minuten getötet, und niemand wird zur Rechenschaft gezogen. Wer ist verantwortlich für den Tod meines Sohnes?“

In einem Interview mit Jaras sagte sie: „Wir haben uns eine Anwältin genommen, Frau Majdzadeh. Aber es hat keine spezifischen Ergebnisse gebracht. Die Regierung ignoriert uns. Nur einmal kamen Leute von Helal Ahmar zu uns nach Hause, bekundeten ihr Beileid und gingen wieder. Sie haben Ashkan vielleicht vergessen, aber wir werden ihn niemals vergessen und wollen, dass die Verantwortlichen für seinen Tod identifiziert werden.“

22. Neda Agha Soltan
Zum Zeitpunkt der Übersetzung lagen noch keine Informationen vor.

23. Massoud Khosravi Doost Mohammad
Massoud Khosravi Doost-Mohammad war verheiratet und hatte einen 17jährigen Sohn. Er wurde bei den Demonstrationen vom 20. Juni 2009 erschossen.

In einem Interview mit Jaras brach seine Frau ein Jahr nach seinem Tod ihr Schweigen. „Mein Mann war Angestellter und kam normalerweise Abends nach Hause, aber am 20. Juni warteten wir vergeblich auf ihn. Je später es wurde, desto unruhiger wurden wir. In jenen Tagen blockierten sie immer die Telefonnetze, deshalb konnten wir ihn nicht erreichen. Mit meiner Schwester und Freunden meines Mannes zusammen haben wir überall gesucht. Wie viele andere Familien auch konnten wir in dieser Nacht nicht schlafen. Am nächsten Tag suchten wir weiter. Wir waren in allen Teheraner Krankenhäusern. Schließlich sagten uns Beamten in einem Krankenhaus, dass jemand, auf den die Merkmale meines Mannes zutrafen, dort gewesen sei. Er schickte uns zur Gerichtsmedizin. Mein Sohn war die ganze Zeit dabei. Er ist zwar erst siebzehn, wollte mich aber trotzdem unterstützen und folgte mir überall hin. Er wollte nicht, dass ich die Fotos in der Gerichtsmedizin sehe. Er sagte, er würde gehen. Mein Schwager und enge Freunde Massouds waren ebenfalls dort gewesen und hatten die Fotos identifiziert. Sie eröffneten mir stückweise, was geschehen war. Aber mein Sohn sagte, dass er selbst hingehen und sich davon überzeugen müsse, dass der Mann auf den Fotos sein Vater war. Niemand konnte ihn zurückhalten. Mein Sohn ging hin und identifizierte seinen Vater. Sie hatten meinen Mann ins Gesicht geschossen – in die rechte Seite…. Die Kugel war an seinem Hinterkopf wieder ausgetreten.“

„Auf Anraten unseres Anwalts beschlossen wir, keine Medieninterviews zu geben. Wir hofften, dass es unserem Anwalt gelingen würde, unsere Anliegen auf juristischem Weg durchzusetzen. Leider haben wir trotz seiner beharrlichen Bemühungen bis heute keine Reaktion der Justiz erhalten.

24. Kaveh Sabzalipour
Der 24jährige Kaveh Sabzalipour wurde bei den Demonstrationen vom 20. Juni 2009 erschossen. In einem Interview mit Jaras erklärte sein Vater, dass als Todesursache im Bericht der Gerichtsmedizin eine Schusswunde angegeben wurde.
„Es war 22 Uhr, als wir einen Anruf aus dem Loghman-Krankenhaus erhielten. Man teilte uns mit, dass unser Sohn verwundet sei. Wir fuhren hin und suchten im ganzen Krankenhaus vergeblich nach Kaveh. Man sagte uns, dass wir in die Leichenhalle gehen sollten, und dort realisierten wir, was geschehen war. Seine Mutter und ich sahen sein Gesicht. Sie hatten ihn ins Auge geschossen.

Die [regimetreue] Nachrichtenagentur Fars News hatte Sabzalipour zuvor mit den Worten zitiert: „Ich mache Moussavi und Karroubi für den Tod meines Sohnes verantwortlich.“ In einem Interview mit Jaras dementierte er diese Äußerung jedoch. „Einmal erhielten wir einen Anruf von der Staatsanwaltschaft, wir wurden aufgefordert, Klage zu erheben. Wir fragten, wen wir denn verklagen sollten – wir wussten ja nicht, wer unseren Sohn getötet hatte. Und nicht nur unseren Sohn. Sie haben so viele getötet. Ich bat die Staatsanwaltschaft darum, den Mord an meinem Sohn zu untersuchen, aber ich habe nie gesagt, dass Moussavi und Karroubi strafrechtlich verfolgt werden sollen. Sie haben uns aufgefordert, Klage zu erheben, aber sie haben nicht gesagt, gegen wen. Wir willigten ein und verfassten eine Beschwerde.“

25. Masoud Hashemzadeh
Zum Zeitpunkt der Übersetzung lagen auf Englisch noch keine Informationen vor.

26. Abbas Disnad
Abbas Disnad erlitt am 20. Juni bei den Protesten gegen den Ausgang der Präsidentschaftswahl infolge eines Schlages mit einem Schlagstock einen Schlaganfall und starb.

In den ersten Monaten nach den Wahlprotesten in Teheran veröffentlichte der Weblog „Sokhan-e Moalem“ Fotos von der Familie dieses Opfers und einen detaillierten Bericht über seinen Tod, der bei einem Besuch der Lehrergewerkschaft bei seiner Familie entstanden war und sich im Internet schnell verbreitete.

Diesem Bericht zufolge hatte Abbas Disnads Ehefrau Maryam Khani der Lehrergewerkschaft gegenüber erklärt: „Mein Mann war im Krieg verwundet worden, er hatte Verletzungen, die ihm manchmal heftige Rückenschmerzen bereiteten. Aber nach seiner Rückkehr aus dem Krieg nahm Abbas trotzdem keine Vergünstigungen für Kriegsversehrte in Anspruch. Am 20. Juni ging er nach draußen. Um fünf rief meine Tochter ihn an… sie hatten ihn auf den Kopf geschlagen, und er hatte einen Schlaganfall. Sie hatten ihn ins Shahryar-Krankenhaus gebracht. Er lag drei Tage im Koma und starb am vierten Tag. Am Donnerstag war er in der Leichenhalle, und am Freitag beerdigten wir ihn auf dem Friedhof Behesht-e Zahra.“

„Im Krankenhaus verlangten sie von den Familien der Opfer 15 Millionen Toman für die Herausgabe der Leichen, und wir mussten etwa 3 Millionen für die Krankenhauskosten bezahlen.“

Die Ärzte hätten gesagt, dass Abbas hätte überleben können, wenn er früher ins Krankenhaus gebracht worden wäre, so Maryam Khani. „Wir leben in einer Mietwohnung, und das Geschäft war auch gemietet. Die Ladennachbarn haben uns erzählt, dass die Agenten die Leute daran gehindert haben, Abbas ins Krankenhaus zu bringen, nachdem er geschlagen worden war, und sie sagten, er habe lange auf dem Boden gelegen. Wir wurden aufgefordert, als Todesursache Herzversagen anzugeben.“

27. Yaghoub Barvayeh
Der 27jährige Yaghoub Barvayeh studierte Kunst an der Freien Universität. Er wurde bei den Demonstrationen im Juni 2009 angeschossen und starb nach seiner Einlieferung ins Loghman-Krankenhaus.

Als er ins Krankenhaus eingeliefert wurde, führte ein Reporter im Loghman-Krankenhaus ein Interview mit seiner Mutter, das später bei Rooz veröffentlicht wurde. Seine Mutter berichtet darin, dass Yaghoub und seine Freunde nach ihrer Theaterprobe im College an der Ecke der Palästina-Straße auf dem Weg zum Enghelab-Platz gewesen seien. Seine Freunde hätten gesagt, dass sie versucht hätten, über Umwege an den Menschenmassen vorbeizukommen, doch die Polizei hätte die Menschen auf andere Straßen geleitet, und sie seien auf der Navab-Straße in Richtung des Platzes der Republik gedrängt worden. Die Straße sei plötzlich überfüllt gewesen, und die Polizei habe die Menschen mit Einschüchterungen auseinanderzutreiben versucht. Als die Menschen Widerstand leisteten, hätten die Schüsse angefangen, und ihr Sohn sei genau vor der Lolagar-Moschee verwundet worden. Basijis auf dem Dach der Moschee hätten auf ihn geschossen. „Mein Sohn ist heute in einem furchtbaren Zustand. Ich hoffe, dass ihm nichts Schlimmes zustößt, denn ich als seine Mutter werde den Verantwortlichen für dieses Vorkommnis niemals verzeihen.“ Zehn Tage später starb Yaghoub Barvayeh im Loghman-Krankenhaus.

Mohammad Rahmanian, Theaterregisseur und Lehrer von Yaghoub Barvayeh, richtete in einer am gleichen Tag in der Zeitung Etemaad Melli veröffentlichten Würdigung die Worte an ihn: „Warum bist du in diesem Prolog zu Boden gefallen? Welcher Amateurdramatiker hat die Szene deines Todes in den Prolog gestellt?“

28. Ali Fattolian
According to eyewitnesses, Ali Faqthalian, 20, was shot dead during the post-election unrest on June 20. But over the past two years, no comments by his parents over his death were published.

After two years of silence, Amir Ali Fathalian, Ali’s father, said in an interview with Jaras: “It was June 20, 2009. We do not know the exact spot where he was killed. But we were told that he was killed in front of Lolagar Mosque. On that day, my son was studying because he had an exam. At that time, he never left home and always studied. That day he left home but did not come back until late. We searched the entire neighborhood but could not find him. We thought that, as usual, he had gone to his grandfather’s house but he was not there, either. Next day, they called us from the hospital and told us that our son was at the hospital. They told us to bring documents and retrieve the body.

He stated that the Judiciary system is following the case and said: “His mother brought him up for 20 years in spite of all the difficulties. When he got sick, she nurtured him. She also helped him with his school works. She worked hard to be proud of her son. Now, what can I say? It’s impossible to express. The efforts of a lifetime were wasted…”

29. Behzad Mohajer
Zum Zeitpunkt der Übersetzung lagen noch keine Informationen auf Englisch vor.

30. Mohammad Javad Parandakh
Zum Zeitpunkt der Übersetzung lagen noch keine Informationen auf Englisch vor.

31. Mostafa Kiarostami
Der 22jährige Mostafa Kiarostami nahm am 17. Juli 2009 an dem Freitagsgebet teil, bei dem Hashemi Rafsanjani eine Ansprache hielt. Augenzeugen zufolge wurde Mostafa vor der Teheran-Universität mit Schlagstöcken geschlagen und verletzt. Wenige Tage später starb er. Als Todesursache wurde ein Schlaganfall angegeben.

Mostafa Kiarostami hatte seine Mutter nach dem Zwischenfall angerufen und gesagt, er fühle sich nicht gut. Mostafas Mutter gegenüber Jaras: „Mostafa rief mich am Freitag Nachmittag an und sagte, er fühle sich nicht wohl und wolle nach Hause kommen. Wir waren bis Mitternacht im Krankenhaus. Als wir nach Hause fuhren, wurde ihm übel, und er konnte nicht schlafen. Irgendwann schlief er ein und wachte nicht wieder auf.“

„Mostafa hatte keine politischen Tendenzen. Aber er war seinen eigenen Überzeugungen treu. Er war nicht politisch aktiv. Er war ein gewöhnlicher Mensch mit Überzeugungen, zu denen er stand. Da ich nicht weiß, was an jenem Freitag  mit meinem Sohn geschehen ist, werde ich keine Klage erheben. Ich bin nicht in der Lage, seinen Fall zu verfolgen.“

32. Fatemeh Samsarpour
Zum Zeitpunkt der Übersetzung lagen noch keine Informationen auf Englisch vor.

33. Hamid Hossein Beik Araghi
Zum Zeitpunkt der Übersetzung lagen noch keine Informationen auf Englisch vor.

34. Mohammad Hossein Feyz
Mostafa Hossein Feyz war eines der Opfer der Proteste gegen die Präsidentschaftswahl von 2009, die bei den Demonstrationen vom 20. Juni 2009 getötet wurden. Er wurde nahe der Meghdad-Basis der Basijis in den Kopf geschossen.

Einige nehmen zwar an, dass Mohammad Hossein Feyz andere Ideale hatte als seine Familie, doch sein Vater und sein Bruder haben in einem offiziellen Interview als einzige gesagt, dass ihr Sohn zu den Anhängern der politischen Ideologie der Führung des obersten Rechtsgelehrten (Velayat-e Faghih) gehört habe.

Sein Vater Gholamreza Feyz erklärte in einem Interview mit Jaras: „Nach dem Tod meines Sohnes waren wir glücklich. Nichts ist schöner, als für die (Islamische) Republik  und das iranische Regime zu sterben.“

Er fügte hinzu: „Wer auch immer getötet wurde – Schuld sind diejenigen, die behauptet haben, dass die Wahl manipuliert wurde und die Wahl gefälscht ist. Wir hatten nach der Revolution von 1979 so viele Wahlen. Warum sprechen sie ausgerechnet dieses Mal von Wahlmanipulation? Darum sage ich, dass die, die behaupten, dass die Wahl manipuliert wurde, Schuld sind. Ausländer haben sie unterstützt… Mein Sohn kommt aus einer Familie mit Ideologie. Wir haben Ahmadinejad gewählt, weil er ein aufrechter Mann ist, der Gerechtigkeit will. Die, die diese Bewegung gestartet haben, um um jeden Preis an die Macht zu kommen, sind verantwortlich.“

Diesem Bericht zufolge hatte Mohammad Hosseins Vater zu den Erschießungen durch Basijis auf offener Straße folgendes zu sagen: „Das Regime leiste Widerstand gegen Verräter. Es wird nicht zulassen, dass es auf den Straßen brennt, dass es Rebellion gibt. Das Regime hat das Recht, sich zu verteidigen.“

35. Hossein Gholam Kabiri
Der 18jährige Hossein Gholam Kabiri kam nach Angaben der [regimetreuenn] Zeitung Kayhan am 15. Juni 2009 bei einem Verkehrsunfall im Distrikt Saadat Abad ums Leben. Dem Bericht zufolge starb er an inneren Blutungen.

Staatliche Medien bezeichneten Hossein als aktives Mitglied der Basij-Milizen (Rey City, 355 Imam Hassan Mojtaba Distrikt). Seine Familie war nur zu Interviews mit staatlichen Medien bereit.

Staatliche Medien berichteten, dass der Fall vor Gericht kam. Er war das einzige Todesopfer der Wahlproteste von 2009, dessen Fall vor Gericht gebracht wurde. Seyed Rezaie, der Vertreter des Generalstaatsanwalts, beantragte auf der Grundlage des gerichtsmedizinischen pathologischen Berichts, der Strafanzeige der Familie des Opfers, Zeugenaussagen und dem polizeilichen Bericht eine Bestrafung in Form von Ghesas (Vergeltung nach dem Prinzip „Auge um Auge“). die „Bluträcher“ (islamischer Ausdruck für die Familie des Opfers) beantragte gleichfalls Ghesas.

Kayhan zufolge sagte Hosseins Mutter: „Der Islam und die Republik (von 1979) benötigen Blut, um geschützt zu sein. Wir müssen Blut geben und und standhalten, um die richtige Einsicht zu haben. Hossein war freundlich, höflich und hatte ein gutes Wesen. Wenn ich an seinen Charakter denke, fühle ich, dass er das Märtyrertum verdient hat. Die Köpfe hinter den Unruhen nach der Wahl müssen für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden.“

36. Seyed Ali Mousavi
Seyed Ali Habibi Mousavi, 43, war ein Neffe Mir Hossein Moussavis. Er wurde während der Ashura-Proteste am 27. Dezember 2009 in der Shademan-Straße getötet. Regimetreue Kräfte in einem schwarzen Auto schossen ihn in die Brust. Er starb im Ibn-Sina-Krankenhaus am 2. Sadeghieh-Platz.

Khadijeh Mousavi Khameneh, Mir Hossein Moussavis Schwester und Mutter des Getöteten, gab Jaras sechs Monate nach dem Tod ihres Sohnes ein Interview. Sie sagte: „Mir geht es nicht anders als den anderen Müttern, die ihre Kinder verloren haben. Es gibt viele unausgesprochene Worte in meinem Herzen. Auch für seine Frau ist es schwer. Mein anderer Sohn Ebrahim starb, als er 18 war. Wir tragen eine schwere Trauer in unseren Herzen.“

Sie berichtete Jaras, dass die Familie Schwierigkeiten hatte, Alis Leiche zu erhalten. Irgendwann habe sein Vater den Sicherheitsbeamten gesagt, er habe es aufgegeben, die Leiche seines Sohnes zurückhaben zu wollen [„I am beyond retrieving my son’s body“]. Bei der von Sicherheitskräften bewachten Beerdigung durften einige Familienmitglieder keinen Blick auf Alis Gesicht werfen.

37. Mostafa Karim Beigi
Zum Zeitpunkt der Übersetzung lagen noch keine Informationen auf Englisch vor.

38. Shabnam Sohrabi
Die 34jährige Shabnam Sohrabi starb am 27. Dezember 2009 bei den Ashura-Protesten. Sie wurde von einem Polizeiauto überfahren und starb im Krankenhaus. Ihre Mutter hatte zunächst Angst, über den Tod ihrer Tochter zu sprechen. Irgendwann brach sie jedoch ihr Schweigen und sprach mit der Webseite „Where is my Vote“. „Meine Tochter hätte sich nicht vorstellen können, was ihr an diesem Tag passieren sollte. Jeden Tag frage ich mich, wie sie meine Tochter mit einem Polizeiauto überfahren konnten. Shabnam war kräftig gebaut. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ihr Körper unter den Rädern dieses Polizeiautos zerbrach.“

„Ich habe überall nach ihr gesucht, in allen Krankenhäusern. Irgendwann fand ich heraus, dass sie ins Krankenhaus Rasoul Akram gebracht worden sein sollte, aber dort war keine Spur von ihr, und niemand erklärte mir das. 20 Tage später erhielt ich zu Hause einen Anruf, und wir wurden angewiesen, ihre Leiche im Leichenschauhaus von Kahrizak abzuholen.“

„Es gibt zwei Videoaufnahmen, die genau den Moment festhalten, in dem das Polizeiauto meine Tochter überfuhr. Menschen auf der ganzen Welt haben diese Videos gesehen. Wenn ich auf der Straße bin, im Park, im Bus, irgendwo in der Stadt, und mit Leuten rede, sagen alle, dass sie diese Videos gesehen haben. Die Leute haben Shabnam über ihren Köpfen getragen, und sie hat die Hände gehoben und vor Schmerzen geschrien… Wo kann ich diese Videos zeigen? Ich habe gehört, dass einige der Zeugen von Ashura ins Gefängnis gekommen sind. Wenn ein Zeuge es also wagt, vorzutreten, wird er die Konsequenzen erleiden müssen. Darum sage ich, dass wir allein sind. Die Leute haben Angst zu helfen. Ich kann nur Gott um Hilfe bitten.“

Shabnam hinterließ eine siebenjährige Tochter, Negin. Nach dem Tod ihrer Mutter bekam sie schwere Depressionen.

39. Shahram Farajzadeh
Der 35jährige Shahram Farajzadeh wurde an Ashura 2009 (27. Dezember) von einem Militärfahrzeug [sic, im folgenden ist die Rede von Polizeiautos, d. Übers.] überrollt. Zwar wurde die Szene auf Video festgehalten und im Internet verbreitet, aber die iranische Polizei (NAJA) erklärte das Video zu einer Fälschung. Der Teheraner Polizeichef dementierte den Vorfall gegenüber einem Journalisten, der Fragen zum Tod eines iranischen Staatsbürgers durch ein Polizeiauto stellte.

Leila Tavassoli war die Erste Augenzeugin von Shahrams Tod, die Radio Farda und BBC ein Interview gab. Abteilung 28 des Revolutionsgerichts verurteilte sie daraufhin zu zwei Jahren Gefängnis und inhaftierte sie zwei Wochen nach ihrer Hochzeit.

Shahram Farajzadehs Schwester sagte gegenüber Rooz Online: „Obwohl das Video, auf dem zu sehen ist, wie er stirbt, überall zu sehen ist, sagt das Gericht, dass er von irgendeinem Bürger überfahren wurde. Jedes Mal ändern sie ihre Geschichte. Im Fernsehen sagten sie, dass das Polizeiauto, das ihn überfahren hat, gestohlen war. Sie geben unserer Familie gegenüber nicht zu, dass es ein Polizeiauto war, obwohl ein Augenzeuge gesehen hat, dass der Fahrer eine Polizeiuniform trug. Das erste Auto fuhr in an, und das zweite überrollte ihn.

Shahram Farajzadeh hinterließ eine sehr kleine Tochter namens Ava. Wie Shabnam Sohrabis Tochter leidet sie an Depressionen.

40. Mehdi Farhadi
Der 38jährige Mehdi Farhadi wurde an Ashura 2009 (27. Dezember) bei einer Razzia der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten getötet. Sein Gesicht und sein Brustkorb wurde von 25 Schrotkugeln getroffen.

Ein Video von seinem Tod wurde verbreitet, aber die Regierung versuchte, die Wahrheit zu vertuschen und zwang die Familie, ihn nachts heimlich auf dem Friedhof Behesht-e Zahra zu beerdigen, wie es auch bei Mostafa Karim Beigi der Fall war. Es ist für niemanden ungefährlich, die Wahrheit zu sagen, aber trotzdem erzählte ein Verwandter Mehdi Farhadis namens Naser in einem Interview mit Jaras, wie Mehdi getötet wurde und was die Familie durchgemacht hat.

„Als die Regierung im staatlichen Fernsehen erklären ließ, dass niemand an Ashura getötet wurde und dass nur einige Unbekannte in Unfälle verwickelt wurden, ging Mehdis Bruder ins Krankenhaus und entdeckte, dass Mehdi alle Ausweispapiere und Telefonnummern bei sich hatte. Er konnte also nicht unbekannt sein. Nachdem Mehdis Bruder im Krankenhaus protestiert hatte, wollten sie seiner Familie die Leiche nicht aushändigen.“

„24 Schrotkugeln hatten Mehdis Gesicht getroffen, und die iranischen Zeitungen berichteten, dass Mehdis Leiche bei der Autopsie geschlachtet wurde [? „Mehdi’s body was slaughtered during the autopsy process“]. Aber das war Unsinn, denn viele Leute haben gesehen, wie er getötet wurde, und der Grund für seinen Tod war klar.“

41. Sane Jaleh
Der 26jährige Sane Jaleh studierte Kunst an der Teheran-Universität. Er starb am 20. Februar 2011 an einer Schussverletzung. Er war Kurde und sunnitischer Muslim. Wie viele andere Iraner hatte er an diesem Tag in Teheran an Demonstrationen teilgenommen. Die Nachrichtenagentur Fars News und andere regimetreue Webseiten hatten zunächst berichtet, dass er ein Mitglied der Basij-Milizen gewesen sei. Als Beweis hatten sie einen gefälschten Basij-Mitgliedsausweis veröffentlicht. Sie behaupteten, dass Sane bei illegalen Demonstrationen in Teheran von den Volksmojahedin (MKO) getötet wurde.

Mehrere Kunststudenten der Teheran-Universität sowie sein Mitstudent und Zimmernachbar Hatef Soltani, der ebenfalls schon verhaftet worden und in Kahrizak inhaftiert gewesen war, dementierte die Basij-Mitgliedschaft Sane Jalehs.

Sanes Bruder Ghaneh Jaleh wies in einem Interview mit „Voice of America“ alle diesbezüglichen Angaben der Regierung zurück. „Am 20. Februar, bevor ich vom Tod meines Bruders erfuhr, bat mich ein Cousin von mir um ein Foto meines Bruders. Weil er ein Verwandter von mir ist, schöpfte ich keinen Verdacht. Später bemerkte ich, dass dieses Foto für die Fälschung des Basij-Mitgliedsausweises verwendet worden war.“

„Sane wollte sich immer für die Belange der Kurden einsetzen, so wie Bahman Ghobadi, der viele kurdische Filme gemacht hat.“

42. Mohammad Mokhtari
Der 22jährige Mohammad Mokhtari studierte Bergbau. Er wurde am 20. Februar 2011 von einem Schuss getroffen und starb an seinen Verletzungen. Die Regierung behauptete auch von ihm, dass er Mitglied der Basij-Milizen gewesen und von MKO-Anhängern getötet worden sei. Seine Internetaktivitäten zeigen jedoch, dass dies nicht stimmen konnte und dass er ein Gegner des iranischen Regimes war. Bevor er von zu Hause aus zur Demonstration aufbrach, bei der er sterben sollte, veröffentlichte er auf seinem Facebook-Profil die Statusmeldung: „Oh Gott, gib mir die Ehre, auf meinen Füßen stehend zu sterben, denn ich bin es Leid, sitzend und gedemütigt zu leben.“

Als die Nachrichtenagentur Fars News über seine Beerdigung auf eine Weise berichtete, die nahelegte, dass Mohammad ein Basiji gewesen war, sagte sein Bruder Majid Mokhtari gegenüber Jaras: „Der Sarg meines Bruders wurde von Leuten gestohlen, die mein Bruder nicht kannte. Wer waren diese merkwürdigen Leute in ihrer seltsamen Aufmachung?“ Er vermutete, dass diese Leute mit der Regierung in Verbindung standen.

Majid sprach über die Schwierigkeiten, die seine Familie bekommen hat. „Die Regierung weiß, wer der Mörder ist, und sie versuchen, die Wahrheit zu verdrehen. Meine Familie macht sich Sorgen. Ich habe gehört, dass alle Angehörigen von Märtyrern aufegfordert worden sind, zu schweigen. Sie wurden gewarnt, auf die Gesundheit ihrer anderen Kinder Rücksicht zu nehmen.“

„Ist das Gerechtigkeit? Mohammad hat am 20. im Scherz zu meiner Mutter gesagt ‚Lass uns das letzte Mal gemeinsam zu Abend essen‘. Sie haben meinen Bruder getötet und uns nicht erlaubt, offen um ihn zu weinen. Mohammad liebte seine Freiheit, sein Leben, aber er hatte die Situation in seinem Land satt, genau wie viele andere junge Leute in Iran. Er nahm an der Demonstration am 25. Bahman [20. Februar] teil, weil er seine Liebe zu seinem Land zeigen wollte.“

Mohammads Vater Esmail Mokhtari sagte in einem Interview mit Rooz Online, dass sein Sohn an einem Schuss in die Stirn gestorben sei. Er forderte die verantwortlichen Organisationen auf, den Mörder seines Sohnes zu finden.

43. Behnoud Ramezani
Der 19jährige Behnoud Ramezani studierte Mechanik im ersten Studienjahr an der Technischen Universität Babol. Er starb am 15. März 2010 auf dem Teheraner Namak-Platz während der Chaharshanbeh-Souri-Feiern (einem traditionellen [und vorislamischen] Brauch zum letzten Mittwoch des iranischen Kalenderjahres). Offizielle Nachrichtenagenturen der Islamischen Republik berichteten, dass eine Handgranate in seiner Hand explodiert sei. Fünf Tage später sprach sein Vater mit Jaras über den Tod seines Sohnes und dementierte die Version der Nachrichtenagenturen.

„Im Krankenhaus wurde mir gesagt, dass mein Sohn in einen Unfall verwickelt war. Auch sie haben gesagt, dass mein Sohn an den Folgen der Explosion einer Handgranate in seiner Hand starb.“

„Ich habe ihnen gesagt, dass ich seit 25 Jahren im Labor arbeite und dass ich weiß, dass solche Verletzungen unmöglich von einer Handgranatenexplosion herrühren können. Diese Verletzungen waren keine Verbrennungen. Die Arme und Beine meines Sohnes waren gebrochen und mit blauen Flecken übersät. Als ich den Kopf meines Sohnes sah, fragte ich sie, warum sie mir erzählen, dass er an Verbrennungen gestorben ist. Im Bericht der Gerichtsmedizin wurde als Todesursache ein physikalisches Trauma genannt, und die Behauptungen der Regierung wurden widerlegt. Auf Grund dieses Berichts empfahl uns die Polizeiwache Nr. 147, die Täter ermitteln zu lassen, weil sie glauben, dass es sich um eine Straftat handelt.“

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Persian2English
Teile der vorliegenden Übersetzung wurden noch nicht in englischer Sprache veröffentlicht
Persisch: Kalemeh, 16. Juni 2011

Anm. d. Übers.:
Im September 2009 wurde bei Enduring America eine Liste mit den Namen von 72 Todesopfern veröffentlicht.

3 Antworten zu “43 Todesopfer der Gewalt nach der Präsidentschaftswahl von 2009

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