Sattar Beheshti in Rabat Karim beigesetzt

RFE/RL, 8. November 2012 – Sattar Beheshti, der 35jährige iranische Blogger und Facebook-Aktivist, der nach seiner Verhaftung im Polizeigewahrsam starb, ist in seiner Heimatstadt Rabat Karim beigesetzt worden.

Oppositionelle Webseiten hatten berichtet, dass Beheshti im Verhör zu Tode gefoltert wurde.

Nach Angaben der französischen Medienorganisation „Reporter ohne Grenzen“ wurde Beheshtis Familie von den Behörden angehalten, den Leichnam schnell zu bestatten. Unter Drohungen sei der Familie zudem untersagt worden, die Medien zu informieren.

Der persischsprachige Dienst der BBC berichtet, dass nur Beheshtis Schwager bei der Beerdigung anwesend sein durfte.

Über den Zustand der Leiche, die vor der Bestattung auf dem Teheraner Friedhof Behesht Zahra entsprechend dem islamischen Ritual gewaschen worden sein soll, gibt es keine Informationen.

Beheshti war am 30. Oktober von der iranischen Cyber-Polizei in seiner Wohnung verhaftet worden. Ihm wurde „Gefährdung der nationalen Sicherheit auf sozialen Netzwerkseiten und Facebook“ vorgeworfen.

„Reporter ohne Grenzen“ berichtet, dass Beheshti der iranischen Polizei bekannt gewesen und bei den Studentenunruhen von 2002 schon einmal verhaftet worden sei.

Seine Familie wurde etwa eine Woche nach seiner Verhaftung über seinen Tod informiert. Eine gewisse Zeit lang soll er auch im Teheraner Evin-Gefängnis gesessen haben, wo er offenbar auch verhört und geschlagen wurde.

Triumph der Straflosigkeit
BBC berichtete unter Berufung auf eine „informierte Quelle“, die nicht namentlich genannt werden möchte, dass Beheshti in Trakt 350 von Evin körperlich gefoltert worden sei:

„… Beide Handgelenke waren voller Hämatome, das bedeutet dass er (mit der als ‚Chicken‘ genannten Foltermethode gefoltert wurde).“

Bei dieser von der iranischen Polizei angewandten Form der Folter werden die Gefangenen mit verbundenen Händen wie ein Huhn an der Decke aufgehängt.

„Reporter ohne Grenzen“ hat die iranischen Behörden aufgefordert, die genauen Umstände von Beheshtis Tod aufzuklären.

„Die Regierung in Teheran ist ein ungeheuerliches Beispiel für den Triumph der Straflosigkeit“, so die Presseorganisation. „Bislang ist kein einziger Verantwortlicher für die Todesfälle unter Journalisten oder Netizens im Gefängnis vor Gericht gestellt worden.“

Auch Amnesty International fordert eine Untersuchung von Beheshtis Tod.

In den vergangenen Jahren sind in Iran mehrere Gefangene unter ungeklärten Umständen in der Haft ums Leben gekommen.

Die oppositionelle Webseite Kalemeh, die als erste über Beheshtis Verhaftung und Tod berichtet hatte, veröffentlichte einen handschriftlichen Brief, mit dem Beheshti sich im Gefängnis [bei der Gefängnisdirektion über seine Behandlung] offiziell beschwert hatte.

Darin schreibt Beheshti, er sei von seinem Befrager geschlagen und beleidigt worden. Sollte er ein Geständnis ablegen, so sei dies erzwungen. Zwei Mitgefangene hätten die Spuren der Schläge an seinem Körper gesehen.

Bislang haben die offiziellen Stellen in Iran sich zu dem Fall nicht geäußert.

Mansour Haghighatpour, Mitglied des parlamentarischen Ausschusses für nationale Sicherheit, hat mitgeteilt, dass der Fall Beheshti keine Untersuchung durch sein Gremium rechtfertige.

Golnaz Esfandiari

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: Radio Free Europe/Radio Liberty

2 Antworten zu “Sattar Beheshti in Rabat Karim beigesetzt

  1. Pingback: 48. Blogger zu Tode gefoltert « Lyrikzeitung & Poetry News

  2. Pingback: Sattar Beheshti in Rabat Karim beigesetzt « free Saeed Malekpour

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s