41 politische Gefangene in Evin: Sattar Beheshti wurde gefoltert

Kalemeh, 10. November 2012 – Sattar Beheshti, [ein 35jähriger Blogger und Arbeiter], wurde laut Medienberichten am 30. Oktober 2012 von der iranischen Cyber-Polizei verhaftet. Am 6. November wurde seine Familie über seinen Tod in Kenntnis gesetzt, verbunden mit der Aufforderung, den Leichnam im Leichenschauhaus von Kahrizak abzuholen. Die Familie wurde unter Drohungen angehalten, nicht mit den Medien über das Vorgefallene zu sprechen.

Sattar Beheshti hielt sich vom 31. Oktober bis zum 1. November 2012 in Trakt 350 des Teheraner Evin-Gefängnisses auf. [Wir] Mitgefangenen waren Zeugen seines schlechten körperlichen und psychischen Zustandes. Wir halten es für unsere nationale und religiöse Pflicht, die ehrenwerte iranische Nation über die Hintergründe und die Lage von Herrn Beheshti zu informieren.

Sattar Beheshti wurde infolge seiner kritischen Haltung gegenüber der Obrigkeit und dem herrschenden Establishment verhaftet, die er auf seinem persönlichen Weblog öffentlich kundtat. Im Gespräch mit Augenzeugen in Trakt 350 von Evin berichtete er, dass er im Polizeigewahrsam im Polizeihauptquartier zunächst an der Decke aufgehängt und heftig geschlagen worden sei. Später sei er auf einem Stuhl fixiert und weiter geschlagen worden. Zeitweise seien ihm während der Schläge die Hände verbunden gewesen, in anderen Fällen sei er zu Boden gestoßen und von Verhörbeamten in Armeestiefeln heftig in Kopf und Nacken getreten worden. Während der Folterung sei er auf vulgärste Weise beschimpft und in seiner Ehre beleidigt worden, seine Befrager hätten wiederholt damit gedroht, ihn zu töten.

Als er in Trakt 350 von Evin eintraf, zeigte Sattars gesamter Körper Spuren von Folter. Er hatte große körperliche Schmerzen und war psychisch schwer belastet. Sein Gesicht war voller Narben [Verletzungen] und geschwollen, an Handgelenken und Armen waren Prellungen und Hämatome und die Folgen des Aufhängens an der Decke deutlich zu sehen. Auch andere Körperteile wiesen Prellungen und Hämatome auf, z. B. Nackenbereich, Bauch und Rücken.

Obwohl er infolge der Schläge kaum schreiben konnte, verfasste Sattar eine kurze Beschwerde an die Adresse der Traktleitung von 350. Er beschrieb darin seinen Zustand und die Art und Weise, wie er von den Sicherheitsagenten behandelt worden war, und er verlangte eine Untersuchung seines Falls.

Da sein körperlicher Zustand alles andere als normal war, wurde Sattar zwei Mal in die Krankenstation des Gefängnisses gebracht, so dass die dort arbeitenden Ärzte seinen Zustand ebenfalls aus erster Hand bemerkt haben müssen.

Am 1. November 2012 wurde Sattar, ein junger und wahrer Aktivist der Grünen Bewegung, aus Trakt 350 von Evin in das Hauptquartier der Sicherheitspolizei zurückgebracht. Er machte sich große Sorgen und äußerte gegenüber Mitgefangenen, man habe vor, ihn „zu töten“. Vier Tage nach seiner Verlegung erfuhr seine Familie von seinem Tod.

Diejenigen, die für sich in Anspruch nehmen, Nachfolger der Imam Ali zu sein, sollten sich dessen Reaktion auf die Folterung einer jüdischen Frau unter seiner Herrschaft in Erinnerung rufen. Er sagte: „Wenn ein Opfer stirbt, ist ihnen kein Vorwurf zu machen“. [„If a victim dies, they are not to blame“]

Sie erleben die Grausamkeiten, das Unrecht, die Gräueltaten, Folter und Mord, und es berührt sie nicht. Sie können jede Nacht ruhig schlafen. In den letzten Jahren und nach der Präsidentschaftswahl von 2009 haben wir diese Art der Folterung von Gefangenen durch Sicherheitskräfte und die Cyber-Polizei immer wieder erlebt. In Trakt 350 von Evin sitzen auch jetzt Menschen, die diese Folter am eigenen Leib erlebt haben. Wir bezeugen hiermit, dass wir die Existenz unzähliger Fälle von Folter an Gefangenen durch Agenten der Sicherheitspolizei in Trakt 350 von Evin miterlebt haben.

Wenn die Verbrecher im Gefängnis Kahrizak und die Folterer im Evin-Gefängnis, deren Taten immer wieder veröffentlicht wurden und den Behörden bekannt sind – wenn diese Menschen nicht ermutigt und gefördert, sondern bestraft würden, könnten sich derart grauenhafte Folterungen im Stil von Kahrizak sowie Morde nicht mehr wiederholen.

Es ist jetzt für uns alle bewiesen, dass unsere Schreie beim jetzigen herrschenden Establishment nur auf taube Ohren stoßen. Wir bekunden der Familie des verstorbenen Sattar Beheshti und der unterdrückten iranischen Nation unser Beileid und erinnern alle daran, dass das herrschende Establishment für die Grausamkeit, die Folter und das vergossene Blut unschuldiger Opfer verantwortlich ist.

Unterschriften:
Mohammad Ebrahimi
Hossein Asadi Zeidabadi
Amir Eslami
Reza Ansari Rad
Ibrahim (Nader) Babai Zeydi
Emaad Bahavar
Seyed Ali Reza Beheshti Shirazi
Amid Behroozi
Amin Chalaki
Siyavash Hatem
Omid Kharazmiyan
Mehdi Khodaii
Mohammad Davari
Amir Khosro Dalirsani
Seyed Mohammad Ali Dadkhah
Ali Reza Rajaii
Mohammad Rezaii
Farzad Rouhi
Hossein Zarini
Abdolfatah Soltani
Adris Seyedin
Pouriya Shahpari
Mohsen (Bahman) Sadeghi Nour
Mohammad Farid Taheri Ghazvini
Bahador Alizadeh
Afshin Karampour
Hamid Reza Karvasi
Amir Garshasbi
Jafar Ganji
Siyamak Ghaderi
Abolfazl Ghadyani
Ali Akbar Ghoti
Farshi Lahouti
Abdollah Momeni
Mohsen Mirdamadi
Mostafa Nili
Mohammad Ali Velayati
Farshid Yadollahi
Mohammad Hassan Youssef Pourseyfi
Mohammad Amin Hadavi
Seyed Ahmad Hashemi

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle/Englische Übersetzung: Banouye Sabz
Persisch: Kalemeh

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4 Antworten zu “41 politische Gefangene in Evin: Sattar Beheshti wurde gefoltert

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