Aktivist Abolfazl Tabarzadi mit schweren psychischen Störungen aus dem Gefängnis entlassen

Activist Abolfazl Tabarzadi

Abolfazl Tabarzadi

ICHRI, 23. November 2012 – Der Student und Menschenrechtsaktivist Abolfazl Tabarzadi ist nach sechs Monaten Haft im Gefängnis Karoun aus der Haft entlassen worden, nachdem durch einen Gerichtsmediziner und einen Richter seine Haftuntauglichkeit festgestellt worden war. Tabarzadi, der an schweren psychischen Störungen leidet, wird derzeit im Haus seiner Familie behandelt. Gegenüber ICHRI gab seine Großmutter Sakineh Zibaei an, die Familie wisse nicht, was ihm im Gefängnis Karoun widerfahren sei.

„Nach vier Monaten Haft wurde er im Januar 2012 wegen schwerer paranoider Halluzinationen ins Krankenhaus gebracht. Die Gerichtsmedizin gewährte ihm einen zweimonatigen medizinischen Hafturlaub, und jetzt wird er behandelt“, so Sakineh Ziabei.

„Ich weiß nicht, was in diesen sechs Monaten mit ihm geschehen ist. Er sagt nichts. Aber immer, wenn die Sprache auf Verhöre und Gefängnis kommt, ist er verstört. Er ist in Behandlung und nimmt jeden Tag sieben Tabletten ein. Seiner Familie wurde unter Drohungen untersagt, mit den Medien zu sprechen“, so Zibaei weiter. „Mein Enkel hat große psychische Probleme und war zwei Monate im Krankenhaus. Der Richter hat ihn jetzt für haftuntauglich erklärt, und er durfte nach Hause. Ich weiß nicht, wann er wieder wie vorher sein wird.“

Der 25jährige studentische Aktivist Abdolfazl Tabarzadi ist ein Neffe des inhaftierten politischen Aktivisten Heshmatollah Tabarzadi. Er wurde am 19. Dezember 2010 im Haus seines Vaters verhaftet. Wegen „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ und „Kontakt zu ausländischen Medien“ wurde er zu 15 Monaten Haft verurteilt. In 2. Instanz wurde das Urteil auf 9 Monate reduziert. Am 18. Oktober 2011 wurde er nach Ahvaz ins Gefängnis Karoun gebracht, bis er im April 2012 aus medizinischen Gründen freigelassen wurde.

Abdolfazl Tabarzadis Großmutter: „Wir haben Beschwerde eingereicht, aber seine Gesundheit ist uns wichtiger, und wir wollen ihn nicht aufregen. Wie können wir der Sache nachgehen, wenn wir über so sensible Themen wie Beschwerden, Verhöre und Gerichte zu Hause nicht sprechen können? Wir halten uns wegen seines Zustands jetzt zurück und konzentrieren uns auf seine Behandlung.“

Nach Tabarzadis Verlegung in eine psychiatrische Klinik im vergangenen Jahr [das persische Jahr, das im März beginnt, d. Übers.] hatte sein Vater gegenüber ICHRI berichtet: „Abolfazl hat schwere paranoide Zustände und denkt ständig, dass er im Verhör ist und Fragen beantworten muss. Er denkt, dass die Agenten hinter ihm her sind, und er hat große Angst um seine Familie. Nachts wacht er schreiend auf.“

„Wenn ein Student, der sich nie zuvor Gedanken über Gefängnisse und diese Dinge gemacht hat, an einen Ort wie Karoun in Ahvaz kommt, an dem es schlimmer zugeht als in Gefängnissen des Mittelalters, dann ist es nicht verwunderlich, wenn er verrückt wird. In Karoun werden die Gefangenen nicht nach der Art ihrer Straftaten getrennt. Mörder, Diebe, Drogensüchtige und alle Arten von Kriminellen schlafen und leben nebeneinander. Abdolfazl ist sehr sensibel und hat das offenbar nicht mehr verkraftet. Er wurde letztes Jahr in den Verhören stark unter Druck gesetzt. Sie haben ihn in Handschellen und Fußfesseln ins Gericht gebracht, ohne Anwalt, und dann ging er ins Gefängnis. Reicht das nicht, um verrückt zu werden?“, fragte Tabarzadis Vater damals.

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran

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