Sattar Beheshtis Familie musste Verhörbeamte schriftlich entlasten

"If he died a natural death, why didn't they allow us to wash [his dead body] ourselves, so that we ourselves could carry out his entire burial ceremony? Why did they threaten my daughter, telling her, 'If you have no mercy on yourself, you should at least have mercy on your 6-month-old baby?' Why didn't they let me see my son's face for the last time? Only one of our kin was able to see Sattar and said that his shroud was bloody in the lower area of his legs and that his body was bruised," said Gohar Eshghi.ICHRI, 24. November 2012 – Von einer Quelle aus dem nahen Umfeld der Familie des [in Polizeigewahrsam verstorbenen Bloggers und Arbeiteraktivisten] Sattar Beheshti erfuhr ICHRI, dass dessen Mutter wenige Tage nach seinem Begräbnis in ein Notariat gebracht wurde, wo sie ein Dokument unterschreiben musste, das die iranischen Behörden von jeder Verantwortung freispricht – obwohl die Behörden zugesagt hatten, die für den Tod Beheshtis verantwortlichen Personen aufzuspüren und strafrechtlich zu verfolgen. „Mit dieser Entlastung und der Erklärung der Gerichtsmedizin wollen sie die Verhörbeamten aus der Sache heraushalten“, so die Quelle gegenüber ICHRI.

Beheshtis Mutter Gohar Eshghi erklärte gegenüber ICHRI, dass sie um ein persönliches Treffen mit Justizchef Sadegh Larijani bitte, um mit ihm über die Untersuchung des Todes ihres Sohnes sprechen zu können.„Ich möchte Herrn Larijani und den Teheraner Staatsanwalt um einen Termin bitten, damit ich direkt mit ihnen sprechen kann. Ich bin eine Mutter in Trauer, ich bitte inständig um einen Termin. Ich will nicht, dass so etwas noch einmal passiert. Ich bitte alle Behörden, den Tod meines Sohnes zu untersuchen, damit sein Blut nicht umsonst vergossen wurde. … Ich möchte nur, dass die, die für den Mord an meinem Sohn verantwortlich sind, bestraft werden“, so Gohar Ehghi gegenüber ICHRI.

Verlautbarungen der Behörden, der Tod Sattar Beheshtis habe eine natürliche Ursache gehabt, kommentierte Eshghi mit den Worten: „Ich glaube keine Minute daran. Sattar war 35 Jahre alt und gesund. Er war nicht herzkrank und hatte keinen Herzinfarkt, wie sie behautpen. Er hatte auch keine anderen Probleme. Sie haben meinen Sohn an einem Dienstag mitgenommen, und am darauffolgenden Dienstag hieß es, wir sollen kommen und seine Leiche holen. Wie kann ich glauben, dass er eines natürlichen Todes gestorben ist?“

„Wenn er eines natürlichen Todes gestorben ist, warum haben sie uns dann nicht erlaubt, seine Leiche selbst zu waschen und die gesamte Bestattungszeremonie selbst durchzuführen? Warum haben sie meiner Tochter gedroht, sie solle wenigstens an ihr sechs Monate altes Baby denken, wenn sie schon sich selbst nicht aus der Sache raushalten kann? Warum haben sie mir nicht erlaubt, ein letztes Mal das Gesicht meines Sohnes zu sehen? Nur ein einziger Verwandter von uns hat Sattar noch einmal gesehen, und der hat gesagt, dass sein Leichentuch im Bereich der Unterschenkel blutig war und dass sein Körper voller blauer Flecken war.“

„Ich möchte diesen Ärzten, die geschrieben haben, dass Sattar eines natürlichen Todes gestorben ist, an den Tag des Jüngsten Gerichts erinnern. Sie lügen, und ich akzeptiere nicht, was sie sagen. Sie sagen mir, dass ich keine Interviews geben soll. Ich sage ihnen, dass ich keine Angst mehr habe. Ich werde nicht zulassen, dass das Blut meines Sohnes umsonst vergossen wurde. Ich werde so lange Interviews geben, bis ich meine Antworten bekomme.“

Auf die Frage, ob sie sich mit der schnellen Bestattung [? „summary funeral“] ihres Sohnes einverstanden erklärt habe, ohne dagegen zu protestieren, dass sie ihn nicht noch ein letztes Mal sehen durfte, sagte Gohar Eshghi: „Alles ging so schnell. Die Sicherheitskräfte haben alles gemacht. Sie trugen sogar den Leichnam, und meine Tochter und ich riefen nur La Ilaha Illa Allah (es gibt keinen Gott außer Gott). Wir durften überhaupt nichts machen. Ich habe sie angefleht, dass ich meinen Sohn ein letztes Mal ansehen darf, aber sie haben es verweigert. Sie sagten, das Leichentuch könne erst geöffnet werden, wenn er schon im Grab liegt. Ich habe keinen letzten Blick auf meinen Sohn werfen dürfen. Das Gebet und die Bestattung haben insgesamt eine halbe Stunde gedauert.“

„Ich danke allen Behörden, die den Fall meines Sohnes bis jetzt untersucht haben, und ich bitte sie darum, weiterzumachen, bis der Fall aufgeklärt ist.“

Am Donnerstag, dem 22. November hatte die Teheraner Staatsanwaltschaft eine Erklärung über den gerichtsmedizinischen Bericht zum Fall Beheshti veröffentlicht, demzufolge der wahrscheinlichste Grund für seinen Tod ein „Schock“ gewesen sein könnte. Weitere Informationen enthielt die Erklärung nicht.

„Am 11. November 2012 lag uns die Meinung der gerichtsmedizinischen Abteilung für Toxikologie und Pathologie vor. Darin heißt es, dass im Leichnam des Verstorbenen keine Medikamente oder Gifte nachgewiesen wurden. Im Bericht vom 14. November hieß es, [bei der Untersuchung der Leiche] seien einige nahezu absorbierte Hämatome an Rumpf und unteren Extremitäten sowie Abschürfungen am linken vorderen Unterschenkel [„anterior left calf“] festgestellt worden. Zur Todesursache kann erst nach Abschluss der juristischen Untersuchungen Auskunft gegeben werden.“

In der letzten Stellungnahme des siebenköpfigen Medizinischen Ausschusses (aus Spezialisten der Gerichtsmedizin) vom 20. November 2012 wird festgestellt: „Zu diesem Zeitpunkt und auf Grund der durchgeführten Untersuchungen und den verfügbaren Informationen ist die Ermittlung der definitiven Todesursache medizinisch nicht möglich. Doch da bei der Untersuchung der Leiche und der ergänzenden Untersuchungen keine Anzeichen für eine todesursächliche Erkrankung festgestellt wurden, kann als wahrscheinlichste Todesursache das Phänomen des Schocks gelten, der – sofern bestätigt – durch einen Schlag oder Schläge auf empfindliche Körperteile oder durch sehr starken psychologischen Druck ausgelöst worden sein könnte.“

Übersetzung aus dem Englischen
Quelle: International Campaign for Human Rights in Iran

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